Israel steckt mitten in einer zweiten Corona-Welle. Die Zahl der mit COVID 19-Infizierten im Lande steigt rasant. Laut der Zeitung „Times of Israel“ haben vier große Krankenhäuser mittlerweile keine Kapazitäten mehr, um Covid-19-Patienten aufzunehmen. Dabei handelt es sich um die Jerusalemer Kliniken Scha’arei-Zedek und Hadassah, die Sourasky-Klinik in Tel Aviv und das Medizinische Zentrum Schamir in Be’er Ja’akov. Das Scheba-Krankenhaus in Ramat Gan ist zu 90 Prozent für Patienten mit dem Coronavirus ausgelastet. Vom 29. bis zum 30. Juli 2020 (jeweils morgens) wurden 1.946 neue Ansteckungen registriert. Zu diesem Zeitpunkt gab es 32.756 aktive Fälle. 497 Menschen sind bis dahin im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Israel gestorben.

Auf der Corona-Station in der Sourasky-Klinik in Tel Aviv Ende Juli 2020, als die Kapazität des Krankenhauses für COVID-19-Patienten ausgelastet war. Foto: Yossi Aloni/Flash90

 

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat am 29. Juli 2020 mit führenden Politikern aus mehreren Ländern über den richtigen Umgang mit der zweiten Corona-Ausbruchswelle beraten. Gastgeber der Videokonferenz war erneut der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Die israelische Regierung hat am 26. Juli 2020 eine Einmalzahlung an viele Bürger gebilligt, um die finanzielle Not in der Corona-Krise zu lindern. Aus einem Hilfspaket von umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro sollen Israelis bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze eine Einmalzahlung von rund 190 Euro erhalten. Sozialhilfeempfänger bekommen mehr. Zudem erhalten Eltern etwa 40 Euro pro Kind für die ersten drei Kinder. Das Hilfspaket muss noch von der Knesset abgenommen werden.

Gegen die Corona-Politik der Regierung haben in den vergangenen Wochen im ganzen Land Tausende Israelis protestiert. Vor der Residenz von Premierminister Benjamin Netanjahu demonstrierten 5000 gegen dessen Umgang mit der Pandemie, sowie gegen Arbeitslosigkeit und Korruption. Es gab auch Gegendemonstrationen für den Regierungschef. Mehrere Menschen wurden nach gewaltsamen Handlungen festgenommen.

Neue Erfindungen sollen Ansteckung verhindern

Während ein Ende der Pandemie noch lange nicht in Sicht und in den kommenden Monaten wohl auch kein Impfstoff zu erwarten ist, suchen auch in Israel Firmen weiter nach Möglichkeiten, um den Alltag in Corona-Zeiten zu erleichtern. Zwei Unternehmen haben nun Technologien entwickelt, die Neuinfektionen reduzieren.

Im Scheba-Krankenhaus wurde erfolgreich ein Test mit einem Gerät durchgeführt, das die Raumluft erneuert. Laut Hersteller vernichtet es dabei Coronaviren zu 99,9 Prozent. Entwickelt wurde der Raumlufterneuerer von dem Startup „Aura Air“. „Unser Desinfektions- und Reinigungsgrad ist einer der höchsten. Wir wissen, dass wir die Luft von Keimen, Viren, Bakterien, Schimmelpilzen, Pilzen und vielem mehr befreien können“, zitiert die „Times of Israel“ den Geschäftsführer Aviad Schneiderman. Das Gerät soll demnächst an einer Schule getestet werden.

Auch die Firma „RD Pack“ hat eine Technologie entwickelt, die die Zahl der Neuansteckungen reduzieren soll. Hierfür begeben sich Personen vor dem Betreten von größeren Einrichtungen in eine Art Desinfektionstunnel. Dort werden eventuelle Coronaviren neutralisiert, ohne dass Kleidung oder Makeup beschädigt werden. Ein solcher Tunnel wird derzeit am Eingang des Tel Aviver Bloomfield-Stadiums getestet. (Israelnetz)