Seit vielen Jahren leiden die Bewohner Israels in unterschiedlichen Regionen unter Raketenbeschuss und Terrorangriffen. Viele Opfer der Angriffe haben posttraumatische Belastungsstörungen wie Ängste, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten. Um den Betroffenen zu helfen, engagiert sich Christen an der Seite Israels in der Hilfe für Terroropfer.

Im Rahmen des Hilfsprogramms waren Rony und Ofer Kissin schon vor längerer Zeit zu einem Erholungsurlaub nach Deutschland gekommen. Sie selbst wohnen im Kibbutz Kerem Shalom, am westlichsten Punkt in Israel, direkt an der Grenze zum Gazastreifen und zu Ägypten. Rony engagiert sich stark für das gemeinschaftliche Leben im Kibbutz und hat dafür auch ein Gemeinschaftshaus durch viele Stunden Aufräumarbeit wieder nutzbar gemacht. Dort bietet sie seit letztem Sommer wöchentlich Kreativangebote für Kinder an. Ihr Traum war es, eine Töpferwerkstatt für Kinder und Erwachsene einzurichten. Als Mitarbeiter von Christen an der Seite Israels sie in ihrem Kibbutz besuchten, zeigte sie ihren bereits vorhandenen Brennofen. Eine passende Töpferscheibe fehlte allerdings noch. Christen an der Seite Israels hat Rony deswegen eine elektrische Töpferscheibe mit Materialien, wie Ton, Glasuren und Werkzeuge finanziert und organisiert. Rachel und Avishay, die israelischen Leiter des Hilfsprojekts für Terroropfer, haben die Materialien bestellt und liefern lassen. Ronys Traum von einer Töpferwerkstatt stand somit nichts mehr im Wege. Es fehlte lediglich noch eine fachliche Anleitung… sollte Gott etwas unmöglich sein?

Im Gemeinschaftshaus vom Kibbutz veranstaltet Rony seit letztem Sommer Töpferkurse. (Foto: Christen an der Seite Israels)

Danksagung von Rachel und Avishay, die israelischen Leiter des Hilfsprojekts für Terroropfer (Video: Christen an der Seite Israels)

Es ging alles sehr schnell, nach einer Anfrage von Mitarbeitern von Christen an der Seite Israels durfte ich als gelernte Keramikerin im Februar, zusammen mit einer Freundin, eine Woche im Kibbutz verbringen. Wir richteten die Töpferwerkstatt ein, vermittelten Fachwissen, beantworteten Fragen und gaben Kurse für Erwachsene und Kinder – an der Töpferscheibe und auch für freies Modellieren. Für den „Memorial Day“, den Gedenktag für die gefallenen Soldaten, wurden 50 individuelle Blumen geformt, die dann an den Gedenktafeln platziert wurden. An der Töpferscheibe bekamen mehrere Personen Einzelunterricht. Die Kursteilnehmer/-innen hatten viel Freude am Töpfern. Rony betonte, dass diese Aktion genau zum richtigen Zeitpunkt stattfand, in einer Bedrohungssituation durch Raketenbeschuss in der Region. Es sei ein Segen, dass wir gerade jetzt hier sind und die Menschen Ablenkung und diese Beschäftigung haben. Als wir zu Beginn mit dem Mietwagen nach Kerem Shalom fuhren, bekamen wir einen Anruf, dass gerade „etwas los sei“ und dass wir schauen sollen, was die anderen Autofahrer machen und uns danach richten. Kurze Zeit später sahen wir ca. 9 Raketen am Himmel, die dann in der Luft abgeschossen wurden – wir waren also angekommen in der „Realität“. Die nächsten zwei Tage gab es immer wieder Raketenalarm (ca. 100 Raketen), allerdings 1/2 bis 1 Std. entfernt. Wir fühlten uns trotz der angespannten Situation sicher, auch weil wir von der Gastfamilie sehr gute Instruktionen bekamen, wann wir uns wie zu verhalten haben. Einen Nachmittag verbrachten wir im „safety room“, ein Betonanbau an den Häusern. Das war in unserem Gästehaus ein heller, angenehmer Raum. Nach zwei Tagen kehrte wieder Ruhe ein, und wir konnten uns frei auf dem Gelände bewegen. Es war für uns ein Vorrecht, eine Woche lang im Kibbutz wohnen zu dürfen und die Menschen und deren Leben kennen zu lernen. Wir waren bestens versorgt, hatten intensive Zeiten und viel Spaß mit unserer Gastfamilie und durften auch eine Shabbatfeier miterleben. Zu Rony und Ofer Kissin haben wir weiterhin Kontakt und freuen uns, sie wieder zu sehen – sei es in Israel oder in Deutschland.

Beim Töpfern ist voller Einsatz gefragt (Foto: Christen an der Seite Israels)

Rony hat den Töpferkurs ins Leben gerufen. Für den „Memorial Day“, den Gedenktag für die gefallenen Soldaten, wurden 50 individuelle Blumen aus Ton geformt (Video: Christen an der Seite Israels)