Mein wichtigster Besuch am Dienstag in Bila Zerkwa war bei Svetlana. Sie kam uns schon auf der Treppe entgegen – „Meine Lieben! Ach, wie ich mich freue!“.

Ich hatte eine ganze Geschenktüte dabei – ein Hörgerät von Evi, ein Umschlag von meinem Bruder und seiner Frau, ein warmer Umhang von meiner Mutter („so etwas Kostbares!“), Mamas leckere Waffelherzen und ein Foto der guten Eltern. Svetlana ist überwältigt, macht sich Sorgen ob wir dann noch genug für uns haben.

Ihre ganze Kindheit ist sie mit ihrer Mutter von KZ zu KZ und von Dorf zu Dorf geflohen. Die Nazis haben sie als kleines Mädchen so zusammengeschlagen, dass sie einseitig Gehör und Augenlicht verlor. Tuberkulose, Geschwüre, Atemnot…

Sie erzählt eine Leidensgeschichte, die auch beim dritten Mal Hören schwer zu fassen ist – abgeklärt, als würde sie einen medizinischen Bericht verlesen.

Dann schaut sie mir ernst in die Augen: „Du bist so schmal. Du isst zu wenig! Versprich mir, dass du gut essen wirst!“

Wir sammeln jetzt, damit wir sie im Sommer mit ihrem ebenfalls schwer kranken Mann zu einer Kur ans Meer schicken können.

Bild: Anemone Rüger: Bila Zerkwa, Svetlana

Autor: Anemone Rüger