Fünf Tage nach Jom Kippur feiert das jüdische Volk Sukkot, in diesem Jahr vom Abend des 13. Oktober bis zum 21. Oktober 2019. In der Bibel wird Sukkot als „Fest der Laubhütten“ bezeichnet und ist neben Pessach und Schawuot eines der drei Feste, die bis zum Jahr 70 nach Christus mit großen Pilger- und Wallfahrten zum Jerusalemer Tempel gefeiert wurden und daher als die drei Wallfahrtsfeste bekannt sind (3. Mose 23,34 u.a.).

Juden feiern das Laubhüttenfest an der Westmauer in Jerusalem. Foto: ISRANET

 

An Sukkot erinnern sich Juden an den Auszug aus Ägypten (13. Jh. vor Christus) und danken Gott für eine reiche Ernte. In einigen Kibbuzim wird Sukkot als Chag Ha´asif (Erntefest) gefeiert. Hier stehen dann Themen wie das zweite Einbringen des Getreides und die Ernte der Herbstfrüchte, der Beginn des landwirtschaftlichen Jahres und der erste Regen im Mittelpunkt.

Während der Tage zwischen Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag (in diesem Jahr am 9. Oktober), und Sukkot errichten viele Haushalte und Geschäfte Laubhütten, in denen man vorübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt. Diese Laubhütten sind jenen Hütten nachgebildet, in denen die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste lebten. Auch auf Parkplätzen, Hausdächern, Rasenanlagen und öffentlichen Plätzen werden im Israel Laubhütten errichtet, jede Militärbasis hat ebenfalls ihre eigene Laubhütte. Einige Israelis verbringen die ganze Festwoche in ihrer Laubhütte. Zudem werden Feststräuße aus Palmwedeln, Zitrusfrüchten (Etrogim), Myrten- und Weidenzweigen gebunden, die für den Ritus der Festgebete unverzichtbar sind (3.Mose 23,40).

„Du sollst fröhlich sein“

Neben den Laubhütten und dem Feststrauß ist das Hauptgebot für Sukkot: „Du sollst fröhlich sein an deinem Fest, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levit, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Stadt leben!“ (5. Mose 16,14) Nach jüdischer Tradition muss dieses Gebot unbedingt befolgt werden, auch wenn das oftmals schwer war und manchmal auch noch ist. Der siebte Tag des Laubhüttenfestes heißt „Hoschana Raba“ und ist ein Tag der Fürbitte für eine gute Ernte im nächsten Jahr, eine Ergänzung zum Großen Versöhnungstag. Daher gibt es die Tradition, die ganze Nacht im Gebet und mit Bibellesen zu verbringen.

Festversammlung am 8.Tag

Der Sukkot-Festzyklus endet mit Schemini Atzeret, der „heiligen Versammlung am achten Tag“ (3. Mose 23,36), und Simchat Thora, dem Thora-Freudenfest (21. Oktober 2019 in Israel und am 21. und 22.Oktober 2019 in der Diaspora). Schemini Atzeret wird auch im Neuen Testament erwähnt und Jesus Christus bezieht sich dabei vermutlich auf die Wasserzeremonie, die an den Tagen des Laubhüttenfestes bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. durchgeführt wurde: „An dem letzten, dem großen Tag des Festes aber stand Jesus und rief und sprach: Wenn jemand dürstet, so komme er zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“ (Johannes 7,37-39) Sukkot wird auch als „Fest des Wassers“ bezeichnet und an Schemini Atzeret beginnen Juden mit dem täglichen Gebet um Regen.

Die Feiern an Simchat Thora konzentrieren sich auf die Thora – die fünf Bücher Mose. Das Fest ist dafür bekannt, dass in den Synagogen und öffentlich mit den Thorarollen im Arm getanzt wird. Es werden der Schluss und der Anfang der Thora gelesen. Damit kommt der Jahreszyklus der Thoralesungen zu einem Abschluss und wird sogleich wieder aufgenommen. Nach Sonnenuntergang richten viele Gemeinden meist unter freiem Himmel weitere Festaktivitäten aus, die nicht mehr durch die rituellen Bestimmungen des Feiertages eingeschränkt werden.

In Israel fallen Schemini Atzeret und Simchat Thora zusammen, außerhalb des Landes, also in der Diaspora, werden die beiden Feste an zwei Tagen nacheinander gefeiert.

Feste in Israel und in der Diaspora

In Israel begeht man die eigentlich „heilige Zeit“ des Laubhüttenfestes, also den ersten Festtag (ebenso wie die beiden anderen Wallfahrtsfeste Pessach und Schawuot), an einem Tag. Diaspora-Gemeinden feiern zwei Tage und setzen damit eine Tradition aus der Zeit der Antike fort, als die genauen Daten für die Festtage im Tempel bestimmt und mit einem groß angelegten Netz von Signalfeuern und Boten in die Diaspora gemeldet wurden.

Nach dem ersten, dem eigentlichen Festtag wird das Laubhüttenfest gemäß der Thora (3. Mose 23,36) für weitere sechs Halbfeiertage fortgesetzt. Während dieser Woche – jeder Tag ist halb Alltag und halb Festtag – sind in Israel die Schulen geschlossen, zahlreiche Geschäfte und Firmen schließen gänzlich oder sind halbtags geöffnet. Viele Israelis verbringen diese Tage an Sukkot oder Pessach an den Erholungsorten im ganzen Land. Der achte Festtag (21. Oktober 2019) ist wieder ein Ruhetag. –