Stellungnahme

Die Dänische Bibelgesellschaft hat in einer neuen Übersetzung der Bibel das Wort „Israel“ aus Dutzenden Passagen gestrichen. Laut der dänischen Bibelgesellschaft Bibelselskabet sollte eine mögliche Verwechslung zwischen dem jüdischen Volk der Bibel und dem Staat Israel heute ausgeschlossen werden. Andere Länder wie z. B. Ägypten werden indes von dieser Änderung ausgenommen.

Es ist ein alter Hut, die heutigen Juden von ihrer biblischen Vorgeschichte trennen zu wollen. Anders ist nun aber, dass hier direkt an der Wurzel – an der Heiligen Schrift – angesetzt wird. Diese Qualität von Antiisraelismus ist neu. Man kann dies mit Fug und Recht als Skandal bezeichnen, zumal die Herausgeber auch vor dem Alten Testament (der heiligen Schrift der Juden!) nicht Halt machen.

Tatsächlich ist es genau umgekehrt: Man kann die Existenz des heutigen Volkes der Juden und des Staates Israel nur verstehen, wenn man die geschichtliche Kontinuität sieht. Verstreut in aller Herren Länder haben die Juden ihre Traditionen und ihre Identität über zwei Jahrtausende zu bewahren vermocht – ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte. Zu dieser Identität gehört der Bezug zum Land Israel, in dem heute wieder der Staat Israel beheimatet ist, und zur Hauptstadt Jerusalem. „Nächstes Jahr in Jerusalem“ lautet der Glaubensruf der Juden weltweit, der an jedem Pessachfest erschallt.

Das Bewahren der Traditionen und der Identität lässt sich nur dann verstehen, wenn man deren Ankergrund sieht: den Gott Israels. Nach der Bibel hat Gott Israel zu seinem Eigentumsvolk erwählt und das Land Israel (Kanaan/Palästina) als Lebensraum für sein Volk bestimmt. Prophetische Texte der Bibel verheißen in großer Zahl, dass das Volk der Juden am Ende der Tage in sein Land zurückkehren wird. Volk, Gott und Land sind somit nicht voneinander zu trennen. Gott ist der Gott Israels – des Volkes und des Landes.

Fatal ist dieser Angriff auf die jüdische Identität auch im Hinblick auf die europäische Geschichte. Der Gedanke, den Staat Israel neu zu gründen, ist aus der Erfahrung jahrhundertelangen Judenhasses entstanden – insbesondere auf christlich-europäischem Boden. In erschreckender Weise hat der Holocaust gezeigt, dass Juden nirgendwo auf der Welt sicher sind – es sei denn unter eigener Herrschaft im Heimatland Israel. Diese Vorgeschichte führte auf die Staatsgründung 1948 hin, die aus der Völkergemeinschaft heraus möglich wurde. Der Holocaust ist indes nicht nur auf deutsche Schuld zurückzuführen, sondern auch auf ein Versagen Europas. Europäischer Antisemitismus, Opportunismus und europäische Gleichgültigkeit haben nicht unwesentlich zum unendlichen Leid der Juden beigetragen.

Die Christenheit Europas hat somit allen Grund, von Antiisraelismus in ihren Reihen Abstand zu nehmen. Um Gottes willen, um der Bibel willen, um des jüdischen Volkes und um der Geschichte willen. Dies gilt auch für die dänischen Geschwister.

Tobias Krämer,
Vorstandsmitglied Christen an der Seite Israels

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