Die Europäische Investitionsbank unterstützt den Bau einer neuen Entsalzungsanlage in Israel mit 150 Millionen Euro. Sie hat einen entsprechenden Vertrag mit dem israelischen Unternehmen IDE Technologies unterzeichnet, wie die Bank am 15. Juni 2020 mitteilte.

Arbeit in der Entsalzungsanlage in Aschdod, wo jährlich rund 100 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus Meerwasser aufbereitet werden. Foto: Edi Israel/Flash90

 

Die „Sorek II“ genannte Anlage wird den Angaben zufolge zu den größten und modernsten ihrer Art zählen, was Energieverbrauch und Kohlenstoffdioxid-Ausschuss betrifft – und damit ein „Meilenstein“. Sie soll bis 2023 fertiggestellt sein und wäre dann die sechste Entsalzungsanlage im Land.

Effizienteste Anlagen der Welt

Fünf Entsalzungsanlagen sind bisher in Israel zwischen 2005 und 2015 in Betrieb gegangen und gelten als die effizientesten der Welt. In jeder Anlage werden je nach ihrer Leistungsfähigkeit zwischen 90 und 150 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr aufbereitet. „Israel führt den Beweis, dass das Zeitalter der Entsalzung da ist“, stellte das amerikanische Wissenschaftsmagazin „Scientific American“ schon vor vier Jahren fest.

Das dahinterliegende Prinzip, die (Umkehr-) Osmose, ist schon seit 270 Jahren bekannt: Wasser wird mit hohem Druck durch eine teilweise durchlässige Membran, also eine dünne Material­schicht, geschleust. Dabei bleiben die ungewünschten Stoffe – vor allem Salz – zurück, und übrig bleibt „sauberes“ Wasser. Wirklich anwendbar wurde dieses Prinzip aber erst in den 1950er Jahren durch die Erfindung des amerikanisch-israelischen Wissenschaftlers Sidney Loeb (1917–2008). Zusammen mit seinem Kollegen Srinivasa Sourirajan baute er in Los Angeles eine Membran, die so viel Wasser durchließ, dass sich der Prozess rechnete.

1965 wurde diese Erfindung erstmals im kalifornischen Coalinga angewendet, damals allerdings mit Brackwasser, das weniger salzig ist als Meerwasser. Zwei Jahre später ging Loeb nach Israel an das Negev-Institut für Trockenzonenforschung, das später in die Ben-Gurion-Universität des Negev in Be’er Scheva eingegliedert wurde. In der Wüstenstadt entstand unter seiner Aufsicht eine Fabrik für Membrane. 1973 erfand er dort die Druckverzögerte Osmose, bei der sich durch den Unterschied von Salz- und Süßwasser Energie gewinnen lässt. 2009 wurde in Norwegen der erste Prototyp eines Osmosekraftwerks in Betrieb genommen, das dieses Prinzip nutzt.

Anlass waren Dürrejahre

Die Anfänge der groß angelegten Entsalzung von Meerwasser in Israel gehen auf das Jahr 2000 zurück. Damals initiierte die Regierung den Plan, mit Entsalzungsanlagen entlang der Mittelmeerküste der Wasserknappheit zuvorzukommen. Damals war eine Dürre­periode der Anlass. Heute beziehen die Israelis 70 Prozent ihres Heimverbrauchs aus den Entsalzungsanlagen.

Doch die letzten Dürrejahre 2013 bis 2018 zwangen die Regierung zu weiteren Maßnahmen: Im Juni 2018 beschloss sie, dem Wassernotstand, den die Dürre mit sich brachte, mit zwei weiteren Anlagen beizukommen. Wenn die sechste Anlage, die „Sorek II“, fertiggestellt ist, werden die Israelis 85 Prozent des Heimverbrauchs durch Entsalzung gewinnen, hieß es beim Finanzministerium. Für eine siebte Anlage gibt es zunächst eine Ausschreibung.

Lernprozess

Entsalztes Wasser hat aber auch seine Tücken: Dem gefilterten Nass fehlen Stoffe wie Magnesium oder Jod, die der Körper für seine Funktionen benötigt. Im März 2017 veröffentlichte die Hebräische Universität eine Studie zum Jodmangel im Land, den die Forscher als „großes nationales Gesundheitsproblem“ ansehen. Als einen der Gründe dafür nannten sie die hohe Abhängigkeit von entsalztem Wasser. Eine Studie der Bar-Ilan-Universität vom Juli 2018 wies darauf hin, dass fehlendes Magnesium in entsalztem Wasser zu Herzproblemen führen kann. Nicht zuletzt benötigen auch Pflanzen das lebenswichtige Mineral.

Experten streiten sich derzeit jedoch, wie das Problem am besten anzugehen ist. Es gäbe die Möglichkeit, dem Wasser Magnesium zuzugeben. Schon bei der Kostenfrage herrscht keine Einigkeit: Die Wasserbehörde geht von umgerechnet 150 Millionen Euro pro Jahr aus, das Gesundheitsministerium von 45 Millionen Euro pro Jahr. Die Wasserbehörde gibt zudem zu bedenken, dass nur 5 Prozent des entsalzten Wassers tatsächlich getrunken werden, hat also Zweifel, ob das Geld gut angelegt ist. Die Alternative wäre, dass die Menschen das Magnesium selbst ihrem Trinkwasser beimischen.

Wie kompliziert das Thema ist, zeigt der Umstand, dass ein 2016 von der Regierung angeordnetes Pilotprojekt zur Magnesiumfrage immer noch nicht in die Gänge gekommen ist. Doch an Beispielen wie diesem wird deutlich: Israel mag im Bereich der Entsalzung führend sein, befindet sich selbst aber inmitten eines Lernprozesses, vor allem was die längerfristigen Folgen der Verwendung von entsalztem Wasser angeht.

400 israelische Entsalzungsanlagen weltweit

Doch es ist ein Lernprozess, von dem letztlich andere Länder profitieren können. Schon jetzt ist die israelische Wassertechnologie ein Exportschlager. Das israelische Unternehmen IDE Technologies hat inzwischen etwa 400 Entsalzungsanlagen in aller Welt gebaut, darunter in Kalifornien, Mexiko, Venezuela und Chile. (Israelnetz/Redaktion)