Autorin: Regina Kühnle

Ein überreich gefüllter, freudiger Jubiläumstag war das, der am 7. April 2018 im Charismatischen Zentrum in München unter dem Motto „70 Jahre Israel – Ein Wunder der Treue Gottes“, stattfand. Harald Eckert eröffnete diese Regionalkonferenz, die von Christen an der Seite Israels (CSI) ausgerichtet wurde. Durch den Tag führte das Moderatoren-Team Markus Neumann, Vorstandsmitglied von CSI, sowie Luca-Elias Hezel, Co-Leiter der Arbeit für junge Erwachsene „Israel Connect“ sowie Initiator des bundesweiten  Netzwerks „ReformaZION“.

Harald Eckert bei seinem Vortrag. Foto: Regina Kühnle

 

Das Wunder 70 Jahre Israel 

Den Anfang machte Harald Eckert, 1. Vorsitzender von CSI: Mit spürbar großer Begeisterung stimmte er ein auf das Wunder „70 Jahre Israel“: Eine Nation wurde 1948 neu geboren! Eine besondere Nation, die Innovationen, Erfindungen und Startups ins Leben gerufen und gegründet hat – zum Segen für die ganze Menschheit, für die ganze Zivilisation: Landwirtschaft, Medizin, Wirtschaft, Technologie. 70 Jahre lang hat Israel nicht nur überlebt, sondern ist aufgeblüht in der Mitte unglaublichster Anfeindungen und Drohungen!

Die 1998 gegründete Organisation Christen an der Seite Israels steht seit nunmehr  zwei Jahrzehnten an der Seite Israels. Der Leitfaden, der sich dabei durchzog, war „Tröstet, tröstet mein Volk“ (Jesaja 40,1). Nach 1800 Jahren antisemitischer Kirchengeschichte und der Katastrophe der Schoah hat es uns tief ergriffen im Herzen, dass wir Buße tun über unsere Sünde und dass wir Gottes Volk trösten gemäß dieses biblischen Auftrags von Jesaja 40,1.

Hinzugekommen in den letzten Jahren ist ein zweiter Leitfaden, nämlich „Um Zions Willen schweige ich nicht“ (Jesaja 62,1). Aus dem Trost erwächst die offensive, positive, zukunftsorientierte Verbundenheit mit Zion. Hier in Deutschland sind wir einen Weg geführt worden. Dieser Weg stand unter der Inspiration und der Überschrift von Daniel 9: „Ende des Exils nach 70 Jahren“. Auf der Grundlage von Buße und unter dieser Federführung ist „Christen an der Seite Israels“ geleitet worden. Es begann mit einem kleinen Treffen bei den Marienschwestern im Januar 2003, 70 Jahre nach der Machtergreifung Hitlers. Der Weg führte über Nürnberg im September 2005 (70 Jahre Rassegesetzgebung), über München im November 2008 (70 Jahre Reichspogromnacht) weiter nach Berlin 2012 (70 Jahre Wannsee-Konferenz) und dann zwischen 2012 und 2015 in 70-Jahres-Etappen hin zu 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges und Ende des Holocausts. Diese Linie verlängert sich jetzt in Richtung 70 Jahre Israel.

Das ist unser spezifisch deutscher Weg, inspiriert von Daniel 9: Buße zu tun und aus der Buße heraus sich ausstrecken nach Gottes Erlösungsgedanken und Erlösungsabsichten. Von daher haben die 70 Jahre eine ganz eigene, brisante Bedeutung für uns Christen aus Deutschland. Diese Zeit ist dabei, zu einem Höhepunkt und zu einem Doppelpunkt zu kommen: 70 Jahre Staatsgründung Israels  am 19. April 2018 im jüdischen Kalender, am 14. Mai im gregorianischen Kalender!

Letztes Jahr im Oktober gab es einen Höhepunkt der Jubiläums-Jubeljahr-Reihe „50 Jahre“: 500 Jahre Reformation (50 mal 10), 100 Jahre Balfour-Erklärung (50 mal 2), 100 Jahre Sieg in Be‘er Scheva (50 mal 2), die Öffnung des Tores nach Jerusalem, 50 Jahre wiedervereintes Jerusalem. Diese 50-Jahres-Linie und die 70-Jahres-Linie (insbesondere aus deutscher Perspektive) kommen jetzt zusammen in diesem hebräischen Kalenderjahr 5778 zwischen Rosch ha-Schana 5778 (2017) und Rosch ha-Schana 5779 (2018). Von daher hat dieses Jahr 5778 noch einmal ein ganz besonderes prophetisches Gewicht, weil sich die Jubeljahrlinie (50 Jahre) und die Befreiungslinie aus dem Exil (70 Jahre) in diesem jüdischen Kalenderjahr in einer besonderen Weise treffen.

Wir leben in einem besonderen Zeitfenster. Wir feiern die 70 Jahre mit all den Wundern für Israel und wir verbinden uns die nächsten Jahre auf einem viel engeren gemeinsamen Weg, als wir ihn je miteinander gegangen sind.

Das Moderatoren-Team (von links): Luca-Elias Hezel, Markus Neumann und Harald Eckert. Foto: Regina Kühnle

Israel und die Gemeinde – Israel und die Nationen

Nach einem kurzen Lobpreis-Teil von der wunderbaren Lobpreis-Band unter der Leitung von Amber Sutter fuhr Harald Eckert fort, über Israel im Blick auf die Gemeinde sowie infolgedessen im Blick auf die Nationen (und damit auch auf Deutschland) zu lehren. Zunächst geht es um die Frage: „Was ist die Botschaft Israels an die Gemeinde Jesu?“ Danach soll die Frage „Was ist die Botschaft Israels an die Nationen?“ behandelt werden.

Die Einheit von Altem und Neuem Testament

Die grundlegendste Erkenntnis für die Gemeinde Jesu lautet: Die Wiederherstellung Israels ist ein Zeugnis dafür, dass Altes Testament und Neues Testament eine Einheit bilden (vgl. 2. Tim 3,16). Diese Tatsache ist über die Kirchen- und Theologie-Geschichte hinweg weitgehend vergessen oder verzerrt worden in einer Art und Weise, die die Gesamtbotschaft des Wortes Gottes vernebelt oder verengt hat. Die Botschaft Israels an die Gemeinde ist: Gottes Wort ist wahr, und zwar das ganze Wort von Genesis bis Offenbarung. Was Gott in Genesis ins Leben gerufen hat, das wird Er mit Offenbarung 22 zum Abschluss bringen. Wir leben in der Zeit dazwischen und zwar in einem sehr entscheidenden Moment, wo die Wiederherstellung Israels und die Wiederherstellung der Gemeinde Hand in Hand ihrem Ziel entgegenstreben. Dabei ist das eine mit dem anderen verbunden – so wie das Alte Testament mit dem Neuen Testament verbunden ist, und unter Gottes souveräner Führung und seiner Herrschaft und seiner Kraft wirken die Dinge zusammen, beeinflussen sich gegenseitig, sind miteinander verwoben auf ein gemeinsames großes Ziel hin!

Es ist wünschenswert, dass die Christenheit in aller Welt zu dieser Wahrheit eine positive Beziehung findet. Dass sie da, wo sie abgeschottet war von dieser simplen, aber mächtigen Wahrheit, sagt: „Herr, erbarme Dich über uns! Vergib uns, dass wir schmalspurig in unserem Denken und Glauben und schmalspurig in unserem Verständnis von Dir und von Deinen Plänen waren.“

Harald Eckert. Foto: Regina Kühnle

Der Abraham-Bund

Die zweite Aussage betrifft den Abraham-Bund und seine Bedeutung. Über diesen Abraham-Bund lesen wir in Römer 11,25-29 in Zusammenhang mit dem berühmten Ölbaum-Gleichnis: „Denn ich will Euch, liebe Brüder, über dieses Geheimnis nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr Euch selbst nicht für klug haltet: Blindheit ist Israel zum Teil widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen hinein gekommen ist und so ganz Israel gerettet wird, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion der Erlöser, und er wird die Gottlosigkeit von Jakob abwenden. Und das ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden weg nehmen werde. Nach dem Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen, nach der Auswahl aber Geliebte um der Väter willen. Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“

Mit den Vätern in Vers 28 sind die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob gemeint und das führt uns zurück zur ursprünglichen Berufung in Genesis 12,1-3. Das ist das Fundament. Das besondere am Abraham-Bund ist die Tatsache, dass es ein einseitiger Bund ist, dass es ein Bund ist, den Gott mit Abraham geschlossen hat, in den Abraham sich hat mit hineinnehmen lassen. Der Bund wurde geschlossen, jedoch einseitig und auf ewig von Gottes Seite her. Dieser Bund hängt nur am Charakter, an der Integrität und der Glaubwürdigkeit Gottes und nicht am Wohl- oder Fehlverhalten Abrahams oder seiner Nachkommen. Auf dieser Grundlage wird dieser Bund zum Ziel kommen, ganz Israel wird gerettet werden und der Messias wird nach Jerusalem zurückkehren und sein Königreich des Friedens und der Gerechtigkeit aufrichten auf der Grundlage des Abraham-Bundes, der ein einseitiger und ewiger Bund ist, der nur an Gott hängt. Das ist das Fundament, der Fels. Bestätigt worden ist dies nochmals an anderer Stelle in Römer 15,8.

An dieser Zäsur, an der wir stehen – nämlich 70 Jahre Israel –  im jüdischen Jahr 5778, in diesem prophetischen Moment, in diesem Kairos-Moment, wollen Dinge, die im Geist vorbereitet sind, noch einmal vom Herrn geöffnet werden. Der Herr ist sehr willig und sehr bereit, neue Wellen der Offenbarung, der Erkenntnis und des Zugangs freizusetzen, auch für unsere lieben Geschwister in den Gemeinden und in den verschiedenen Strömungen der Christenheit – insbesondere hier in Deutschland. Es geht um die Freisetzung einer neuen Offenbarungswelle in die bibelgläubige Christenheit, in unser Land hinein.

Dabei stellt sich die Frage, ob es sein könnte, dass ein Teil der Blockade auf unserer Seite liegt, nämlich da, wo wir frustriert und bitter geworden sind und wo wir den Glauben verloren haben, dass der Herr sich der Gemeinde noch einmal neu zuwenden kann mit seiner Offenbarung. Hier gilt die Einladung, unser Herz zu prüfen und da, wo wir frustriert und bitter geworden sind gegenüber denen, die es nicht „kapieren“, dass wir uns da eine neue Weichheit zulegen und uns neu ausstrecken zum Herrn, dass der Herr unser Herz verändern möge, damit er uns nochmal gebrauchen kann mit Einfühlungsvermögen, mit Wertschätzung, mit Demut und auch mit innerer Vollmacht, damit sich der Herr der Gemeinde in Deutschland in Bezug auf Israel (auch durch uns) neu zuwenden kann. So kann dieser 70. Jahrestag, dieser Kairos-Moment, als ein Signal vom Herrn gesehen werden. Er will sich der Gemeinde zuwenden und Er will uns als ein Gefäß gebrauchen, das zuvor gereinigt werden will.

Der Sinai-Bund

Neben dem Abraham-Bund wurde später ein zweiter Bund geschlossen, der so genannte Sinai-Bund. Die Frage lautet: Wie sind Abraham-Bund und Sinai-Bund aufeinander bezogen, wie gehören beide zusammen? Der Sinai-Bund (auch: Mose-Bund) ist ein zweiseitiger Bund, den Gott mit den Kindern Israels beim Durchzug durch die Wüste geschlossen hat. Beim ersten Mal mit der ersten Generation, 40 Jahre später mit der zweiten Generation, die dann ins verheißene Land gegangen ist. Dieser Sinai-Bund ist wie schon erwähnt ein zweiseitiger Bund, in dem Gott den Kindern Israels eine Wahl lässt: Segen oder Fluch. Gott sagt zu den Israeliten, dass Segnungen über sie kommen werden, wenn sie seinem Wort gehorchen und wenn sie ihm nachfolgen in Gottesfurcht und in Treue. Das finden wir in 5. Mose 28,1-14, wo die Segensverheißungen aufgeführt sind. Dann geht es allerdings weiter in Vers 15 mit den Folgen und Fluch des Ungehorsams. An dieser Stelle sagt Gott zu den Israeliten, dass Gerichte und Flüche über sie kommen werden, wenn sie seiner Stimme nicht gehorchen und sie ihre Herzen verhärten und seine Gebote, seine Thora, seine Wegweisung zum Leben, nicht halten. Diesen Kelch musste Israel bis zur bitteren Neige austrinken, weil es sich mehrheitlich und kollektiv immer wieder auch von Gott und seiner Thora abgewandt hat. Dieses Verhältnis von Gnade und Gericht, von Segen und Fluch, von Abraham-Bund und Sinai-Bund ist so fundamental und so entscheidend und das wiederum steht hinter dem, was Jesus prophetisch seinem Volk vorher gesagt hat. Er hat nämlich über beides geredet: Über Gericht und über endgültige Zuwendung Gottes. Seine Rede über Gericht in seiner Generation basiert auf dem Sinai-Bund: Weil Israel dem Herrn nicht gehorcht hat, war Gericht von den Propheten verheißen. Das hat Jesus bestätigt und das ist auch so eingetreten.

Aber das war nur die eine, die zeitlich begrenzte Seite auf der Grundlage des Sinai-Bundes. Auf der anderen Seite hat Jesus auch die ewigen Heilsverheißungen auf der Grundlage des Abraham-Bundes bestätigt und bekräftigt. Das sind die triumphierenden Verheißungen, das sind die, mit denen Gott letztendlich ans Ziel kommt mit seinem Volk Israel, und 70 Jahre Israel ist eine sehr mächtige Botschaft genau in diese Richtung, in die Richtung der Treue Gottes, der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, der Kraft und Freude Gottes, dass Er mit seinem Volk zum Ziel kommen wird, trotz allem, was schief gelaufen ist auf ihrer Seite und auf unserer Seite im Verlauf der Geschichte. Das ist das Verhältnis von Sinai-Bund zu Abraham-Bund.

Endzeitverheißungen Jesu

Dann gibt es noch die beiden Hinweise aus den Evangelien, aus Jesu Endzeitreden, nämlich Lukas 21,24. Ca. 1800 Jahre lang wurde Jerusalem zertreten von den Heidenvölkern, aber dann kommt das entscheidende „bis“, nämlich „bis die Zeiten der Heiden (gemeint sind die Zeiten der Herrschaft der Heidenvölker) erfüllt sind“. Das passierte zum 1. Teil 1948, zum 2. Teil 1967, mit einer einzigen Ausnahme: dem Tempelberg. Sowohl die Gerichtsverheißung gegenüber Jesu Generation wie auch die Endzeitverheißung, was die letzte Generation betrifft, ist von Jesus bestätigt im Einklang mit allen Propheten des Alten Testaments, die genau diesen Dualismus verkündet haben: Auf der Grundlage des Sinai-Bundes die Gerichtsverheißungen, auf der Grundlage des Abraham-Bundes die endgültigen und bleibenden Heilsverheißungen.

Zum Schluss Matthäus 23,37-39: Der Beginn der Endzeitprophetien Jesu: „Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu Dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt! Seht, euer Tempel soll euch wüst hinterlassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sagt: ‚Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!‘“.

Jerusalem wurde „judenrein“ für eine Genration zu Lebzeiten Hadrians. Juden wurde es verboten, ihren Fuß nach Jerusalem zu setzen. Das ist die buchstäbliche Erfüllung dessen, was Jesus für seine Generation vorher gesagt hat. Somit dürfen wir davon ausgehen, dass auch das andere buchstäblich in Erfüllung kommen wird, nämlich, die Worte Jesu: „Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sagt: ‚Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn – baruch ha ba be schem adonai‘“ (Mt 23,39).

Genauso wie der 1. Teil dieser Prophetie in Erfüllung gekommen ist, wird der 2. Teil dieser Prophetie in Erfüllung kommen. Dieses Erfüllungshandeln sehen wir schon jetzt nach und nach vor unseren Augen in unserer Generation. Jesus wird zum Ziel kommen, das Wort Gottes wird zum Ziel kommen, Gott wird zum Ziel kommen.

Israel und die Nationen

In Johannes 10,14-16 heißt es: „Ich bin der gute Hirte (…). Ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch diese muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde unter einem Hirten sein.“ Das ist die große Vision Jesu! Er hat zuerst zu den Schafen im jüdischen Stall gesprochen, dann hat Er zu dem anderen Stall gesprochen, zu den Nichtjuden aus den Nationen. Er ist zuerst für sein eigenes Volk gekommen, aber auch für die Nationen, für uns! Er hat uns eingeladen in seine Herde, die schon seit Abraham seine Herde war, und seine Vision, sein großes Ziel ist: Eine Herde unter einem Hirten! Daraufhin sind wir unterwegs, daraufhin ist Israel unterwegs mit allen Verheißungen, die für Israel gelten, und daraufhin ist die Gemeinde unterwegs mit allen Verheißungen, die für die Gemeinde aus der Völkerwelt gelten. Dafür dürfen wir dem Herrn danken. Dafür sind diese 70 Jahre ein Kristallisationspunkt, an dem wir uns dieser Offenbarungen vergegenwärtigen dürfen, so Harald Eckert.

Die Menora: Zurück von Rom nach Jerusalem

Nachdem sich Josias Terschüren, Mitarbeiter von CSI, in einer Videobotschaft aus Berlin, in der er kompetent über komplexe politische Zusammenhänge bezüglich des Staates Israel informierte, an die Teilnehmer der Konferenz gewandt hatte, stellte Luca-Elias Hezel ein neues Projekt vor, das an diesem Tag sozusagen „Premiere“ hatte: Mit mehreren Freunden aus dem ReformaZION-Netzwerk war er über Neujahr in Rom gewesen. Der geschichtliche Hintergrund dazu ist der, dass 70 nach Christus Titus nach Jerusalem kam, die Stadt eroberte, den Tempel zerstörte, Gegenstände aus Jerusalem raubte und nach Rom brachte. Diese unerträgliche Szene, in der die Römer die Menora aus Jerusalem rauben und nach Rom tragen, ist am Titus-Bogen in Rom bildlich dargestellt. Dieser Raub ist symbolisch gleichzusetzen mit dem Raub des jüdischen Erbes durch die Christenheit (vgl. Ersatztheologie). Gott hat dem jüdischen Volk Dinge anvertraut, Er hat ihm ein Erbe zugedacht, doch die Christenheit beanspruchte dieses Erbe für sich und behauptete, Gott habe sein Volk verworfen und die Verheißungen für das jüdische Volk seien nun an die „Kirche“ übergegangen – ein fataler Irrtum und Fehler, mit dem die „Kirche“ große Schuld am jüdischen Volk auf sich geladen hat.

Wir leben in Zeiten, wo es darum geht, diesen Platz des erstgeborenen Sohnes, des jüdischen Volkes, den die Christenheit über Jahrhunderte für sich beansprucht und unrechtmäßig besetzt hat, wieder frei zu machen und das Geraubte wieder zurückzugeben, denn: In Gottes Orchester spielt das jüdische Volk die 1. Geige und die Christenheit die 2. Geige. Und wenn die 2. Geige ihre Arbeit gut macht und die 1. Geige endlich ihre Arbeit tun kann, dann klingt das ganze Orchester gut. Die „Kirche“ jedoch hat zu lange versucht, die 1. Geige zu spielen. Deshalb geht es nun darum, dass die Christenheit einen Schritt zurücktritt, damit das jüdische Volk in die Bestimmung, die Berufung hineinkommen kann, die Gott ihm zugedacht hat.

Das soll dieses Jahr sichtbar gemacht werden – nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten: Die Menora wird dieses Jahr von einer Gruppe von Anhängern der ReformaZION-Bewegung in einem symbolischen Akt zurückgebracht werden von Rom nach Jerusalem! In Römer 9,4f zählt Paulus das Erbe Israels auf, welche die „Kirche“ geraubt und in ihre Regale gestellt hat und die es gilt, dem jüdischen Volk zurückzugeben, damit alle Dinge wieder in ihre göttliche Ordnung hineinkommen: „(…) denen die Sohnschaft und die Herrlichkeit und die Bündnisse gehören, die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen; deren die Väter sind, und aus denen Christus herkommt nach seiner natürlichen Abstammung, der Gott ist über alles, gepriesen in Ewigkeit. Amen.“

Tröstet mein Volk

Sehr bewegend war der Nachmittag, bei dem zwei Projekte vorgestellt wurden, die gemäß unseres Auftrags „Tröstet mein Volk“ (Jesaja 40,1) unserer tatkräftigen Unterstützung bedürfen. Delly Hezel, Mitarbeiterin von CSI, führte in die Thematik ein und stellte die Gastsprecherinnen vor: Zum einen informierte Anemone Rüger über ihren ganz praktischen Dienst an verarmten, vereinsamten, beinahe in Vergessenheit geratenen Holocaust-Überlebenden in der Ukraine, von denen es nach Schätzungen noch mehr als 17.000 Überlebende gibt. Das Projekt steht unter dem Bibelvers Jesaja 58,10: „Wenn Du den Hungrigen Dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen.“ (In den letzten Israelaktuell-Ausgaben berichteten wir ausführlich über dieses sehr wichtige Hilfsprojekt.)

Natalija Krizhanowski.

Zum anderen informierten Natalija Krizhanowski („Christians for Israel Ukraine“) sowie Orly Wolstein („The Jewish Agency for Israel“) über ihre Alijah-Arbeit, die unter dem Motto „Zeit, nach Hause zu kommen“ steht. Welch großen Anteil wir Gläubigen aus den Nationen an diesem „Nachhausekommen“ des jüdischen Volkes haben, wird in Jesaja 49,22 deutlich: „Siehe, ich werde meine Hand zu den Nationen erheben und zu den Völkern hin mein Feldzeichen aufrichten. Und sie werden deine Söhne auf den Armen bringen, und deine Töchter werden auf der Schulter getragen werden“. Zum Abschluss dieses sehr bewegenden und gleichzeitig informativen Teils wurden Anemone Rüger, Natalija Krizhanowski und Orly Wolstein in die Mitte geholt und das ganze Team von Christen an der Seite Israels versammelte sich um sie und zusammen mit allen Konferenzteilnehmern wurden sie gesegnet.

Das Team um Natalija Krizhanowsk (2. von rechts), Anemone Rüger (3. v. r.) und Orly Wolstein (4. v. r.). Foto: Ralf Hermann

Zwei jüdische Violinen

Das musikalische Highlight und zugleich den Abschluss dieses Jubiläumstages bildete das Musiker-Duo und Ehepaar Shaul und Julia Ben-Har aus Israel, das mit seinen „jüdischen“ Violinen und Melodien israelische Lebensfreude und Temperament versprühte. Das Publikum kam dabei in den Genuss von traditionellen jüdischen Liedern wie „Schalom aleichem“, beschwingten Melodien aus dem Musical „Fiddler on the roof“ sowie auch klassischen Melodien wie zum Beispiel des Komponisten Schostakowitsch. Viele Konferenzteilnehmer wurden dabei dazu bewegt, spontan mitzusingen, zu klatschen und zu tanzen. So schließt sich hier wiederum der Kreis hin zu zwei jüdischen Violinen, die an diesem Abend sozusagen die „1. Geige“ im Orchester spielten. –

Shaul und Julia Ben-Har. Foto: Regina Kühnle

 

 

 

 

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