Nach der Tötung des iranischen Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh verdächtigt der Iran Israel der Tat. Außenminister Dschavad Sarif sprach am 29. November 2020 von „ernsthaften Hinweisen auf Israels Rolle“. Die Tötung sei „Ausdruck von Kriegstreiberei der Täter aus Verzweiflung“.

Israels Premier Netanjahu enthüllte am 30. April 2018 geheime Informationen über das iranische Atomprogramm. Foto: Miriam Alster/Flash90

 

Fachrisadeh galt als zentrale Figur des iranischen Atomwaffenprogramms. Am 27. November 2020 war der 59-Jährige bei einem Anschlag auf sein Auto ums Leben gekommen. Der Vorfall ereignete sich nahe der Stadt Absard rund 40 Kilometer westlich von Teheran. Die israelische Regierung äußerte sich bislang nicht zu dem Vorfall.

 

„Merken Sie sich diesen Namen“

Über den Verlauf des Angriffs gibt es noch keine bestätigten Erkenntnisse. Die iranische Nachrichtenagentur „Tasnim“ nannte einen Holzlaster, der in der Nähe des Autos explodiert sei. Anschließend seien Bewaffnete auf Motorrädern angerückt, die das Feuer eröffneten. Ein Bericht der Nachrichtenagentur „Fars“ legt nahe, dass bei der Tötung ein ferngesteuertes Maschinengewehr zum Einsatz kam. Es war demnach an einem Auto befestigt, das nach dem Angriff explodierte.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu erwähnte Fachrisadehs Namen im Jahr 2018, als er ein Geheimarchiv zum iranischen Atomprogramm präsentierte. „Merken Sie sich diesen Namen“, sagte Netanjahu damals. Fachrisadeh leitete nach israelischer Darstellung das „Amad“-Programm des Iran zur Entwicklung von Atomwaffen. Aufgrund dieser Aktivität war er seit Jahren im Visier des Auslandsgeheimdienstes Mossad.

EU: Krimineller Akt

Mehrere Länder verurteilten die Tötung, darunter Großbritannien, Jordanien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Europäische Union sprach von einem „kriminellen Akt“. Der Außenbeauftragte Josep Borrell bekundete den Angehörigen sein Beileid.

Unterdessen äußerte sich die Witwe des ermordeten Wissenschaftlers am Wochenende im iranischen Fernsehen. Sie bekräftigte, ihr Mann habe „Märtyrer werden wollen, und sein Wunsch wurde erfüllt“. Sie forderte Revanche gegen Israel.

Weiterer Rückschlag

Fachrisadeh gehörte seit der islamistischen Revolution von 1979 den Revolutionsgarden an und hatte den Rang eines Brigadegenerals. Zuletzt leitete er die iranischen Bemühungen, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln.

Die Tötung Fachrisadehs bedeutet für den Iran einen weiteren Schlag gegen sein Atomprogramm. Erst im Juli 2020 zerstörte eine Explosion die Atomanlage Natanz. Hinzu kommt eine Reihe mysteriöser Explosionen, unter anderem im Parchin-Militärkomplex.(Israelnetz)