Nach den jüngsten massiven Angriffen gegen Israel mit mehr als 150 Geschossen aus dem Gazastreifen stellt sich die Frage, ob der neue Waffenstillstand vom 10. August 2018 von der radikal-islamischen Hamas eingehalten wird. In der Nacht zum 9. August 2018 und am Morgen des Tages hatten Palästinenser die Raketen und Granaten auf Südisrael abgefeuert. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt und es entstand erheblicher Sachschaden. 

Einige der Zerstörungen nach den Angriffen aus dem Gazastreifen in der israelischen Stadt Sderot am 9. August 2018. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

 

Armeeangaben zufolge schlugen die meisten Geschosse aus dem Gazastreifen auf offenem Feld ein, ohne Schaden anzurichten. 25 Raketen wurden abgefangen. Eine Rakete traf ein Wohnhaus in der Region Eschkol. Dadurch wurde eine 30-jährige Gastarbeiterin aus Thailand schwer verwundet. Vier weitere Israelis erlitten bei palästinensischen Angriffen Verletzungen. Zudem entstanden weitere Sachschäden, unter anderem an Häusern und Fabriken.

Die radikal-islamische Hamas, die im Gazastreifen herrscht, übernahm die Verantwortung für die Angriffswelle. Es handele sich um Rache für den Tod zweier Kämpfer, die am Vortag bei einem israelischen Beschuss getötet wurden. Die Armee hatte hinter den Schüssen der beiden Palästinenser in der Nähe des Grenzzaunes einen Angriff vermutet. Doch später stellte sich heraus, dass die Getöteten offenbar an einer Übung der Hamas beteiligt waren. „Als Antwort auf Israels Aggression hat der palästinensische Widerstand in den letzten Stunden eine große Zahl Raketen auf den Feind abgefeuert“, heißt es in einer Mitteilung der Terrorgruppe. „Es gab ein Versprechen, und jetzt ist es erfüllt worden.“

Waffenruhe

Die Hamas hat nach eigenen Angaben eine Feuerpause mit Israel erreicht, die Ägypten und andere internationale Akteure vermittelt hätten. Diese sei seit dem 10. August 2018 in Kraft, sagte ein Vertreter der Terrorgruppe am selben Tag. Israel bestritt hingegen, dass es ein Abkommen gebe. Dennoch kehrte nach dem bislang heftigsten Schlagabtausch seit der Operation „Starker Fels“ im Sommer 2014 relative Ruhe in dem Gebiet ein.

Bereits am 9. August 2018 hatte die Hamas von einer Feuerpause gesprochen. Doch zwei Stunden später schlug eine Rakete aus dem Gazastreifen in der 40 Kilometer entfernten Wüstenhauptstadt Be’er Scheva ein.

Armee: Wir beschießen nur militärische Ziele der Hamas

Als Reaktion auf die Raketensalven beschoss das Militär nach eigenen Angaben mehr als 100 „Terrorstätten“ im Gazastreifen, darunter Tunnel und Waffenfabriken. Auch ein Fahrzeug, das zum Abschuss von Raketen verwendet wurde, gehörte zu den Zielen. Bei diesem Angriff starb der 30-jährige Hamas-Agent Ali al-Ghandur.

Zwei zivile Tote gab es bei einem Angriff in Dschafarawi im Zentrum des Gazastreifens: Die schwangere 23-jährige Inas Chammasch kam ebenso ums Leben wie ihre 18 Monate alte Tochter Bajan. Der Ehemann Mohammad Chammasch wurde verletzt. Die Armee betonte anschließend, sie beschieße nur militärische Ziele, die eindeutig von der Hamas genutzt würden.

Angesichts der Eskalation kamen Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman mit Offizieren und anderen Vertretern des Sicherheitsapparates zu Beratungen in Tel Aviv zusammen. Bewohner im Gebiet um den Gazastreifen wurden aufgerufen, sich in der Nähe der Schutzräume aufzuhalten.

UN-Gesandter verurteilt Raketenbeschuss

Indes verurteilte der UN-Gesandte Nickolay Mladenov die Hamas-Angriffe: „Ich bin zutiefst alarmiert durch die jüngste Eskalation der Gewalt zwischen Gaza und Israel, und vor allem durch die zahlreichen Raketen, die heute auf Gemeinden in Südisrael gefeuert wurden“, erklärte er und rief beide Seiten auf, die Ruhe wiederherzustellen.

Der Gesandte von US-Präsident Donald Trump, Jason Greenblatt, verurteilte am 9. August 2018 in einem Tweet ebenfalls die Hamas: „Eine weitere Nacht von Terror & Familien, die sich in Furcht zusammendrängen, während Israel sich verteidigt. Das ist die Entscheidung des Hamas-Regimes. Die Hamas setzt Menschen erneut den furchteinflößenden Bedingungen des Krieges aus.“

Deutschland und USA betonen Israels Recht auf Selbstverteidigung

Das Auswärtige Amt in Berlin kritisierte die Angriffe auf Israel ebenfalls: „Den massiven Raketen- und Mörserbeschuss auf israelische Städte und Dörfer aus Gaza heraus verurteilen wir auf das Schärfste. Solche Handlungen, die Leib und Leben Unschuldiger in Gefahr bringen, sind nicht zu rechtfertigen“, sagte die Sprecherin von Bundesaußenminister Heiko Maas, Maria Adebahr, laut einer Mitteilung des Ministeriums. Zudem unterstrich sie das Selbstverteidigungsrecht Israels. Wichtig sei jedoch auch, dass alles getan werde, um eine Zuspitzung der Lage zu verhindern.

Auch das US-Außenministerium verurteilte die palästinensischen Angriffe am 9. August 2018. Sprecherin Heather Nauert wurde in einer Pressekonferenz um eine Reaktion auf die Langstreckenrakete und den darauf folgenden israelischen Luftangriff gebeten. „Wir verurteilen die Raketenangriffe auf Israel und fordern ein Ende der zerstörerischen Gewalt“, sagte sie laut der Nachrichtenseite „The Washington Free Beacon“. „Wir unterstützen vollkommen Israels Recht, sich zu verteidigen und zu handeln, um derartige Provokationen zu verhindern.“ Die Hamas sei verantwortlich für die Gewalt in Gaza und für die dortige humanitäre Lage.

Kritik an einseitiger BBC-Schlagzeile

Unterdessen beschwerte sich das israelische Außenministerium bei der britischen Rundfunkanstalt BBC über eine Schlagzeile auf Twitter: „Israelische Luftschläge töten schwangere Frau und Kleinkind“. Denn jeder Hinweis auf den vorausgegangen Raketenhagel mit elf Verletzten fehlte. Der Sprecher des Ministeriums, Emmanuel Nahschon, antwortete: „@BBCWorld dies ist eine formelle Beschwerde von @IsraelMFA. Diese Überschrift ist eine absichtliche Falschdarstellung der Wirklichkeit (das ist die höfliche Entsprechung von ‚dies ist eine LÜGE‘, wenn Sie es nicht verstehen). Israelis wurden von der Hamas angegriffen, und die israelische Armee handelt, um sie zu schützen. Ändern Sie das SOFORT!!!“

Daraufhin blieb die Schlagzeile bei Twitter. Aber die von der BBC verbreitete Fassung erhielt den Zusatz: „nachdem Raketen Israel trafen“. Auf Anfrage des israelischen Senders „i24News“ teilte die britische Rundfunkanstalt mit: „Obwohl die ursprüngliche Schlagzeile nicht sachlich falsch war, haben wir sie aktualisiert, um mehr Kontext hinzuzufügen.“ Der Sprecher der israelischen Botschaft in London, Jehuda Aviv, hakte nach. Er lobte die Änderung, kritisierte aber, dass die Reihenfolge verkehrt sei. Auch habe die BBC im Tweet nicht über den Hamas-Terror informiert.

Veranstaltungen abgesagt

Da sich die Lage am 10. August 2018 beruhigte, kehrten die meisten Israelis in der Region um den Gazastreifen zur Routine zurück. Der Bahnverkehr zwischen Aschkelon und Sderot wurde wiederaufgenommen. Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden allerdings mehrere kulturelle Veranstaltungen abgesagt. In Aschkelon verschoben die Veranstalter eine Queen-Tribut-Show mit 2.500 Besuchern auf einen noch nicht genannten Termin. Im Bsor-Nationalpark findet das für das Wochenende geplante Heißballonfestival nicht statt. „Monate der Vorbereitung sind in Rauch aufgegangen; 4.000 Tickets für das Festival wurden bereits verkauft, und der Schaden für den Tourismus in der Region dürfte in die Millionen gehen“, kommentierte die Tageszeitung „Yediot Aharonot“.

Zunächst hieß es ferner, das Qualifikationsspiel für die Fußball-Europa-League zwischen dem israelischen Meister Hapoel Be’er Scheva und dem zypriotischen Verein Apoel Nicosia müsse verschoben werden. Die beiden Mannschaften traten aber am Donnerstagabend in Be’er Scheva vor etwa 10.000 Zuschauern gegeneinander an. Das Spiel endete mit einem 2:2-Unentschieden.

Eine besondere Herausforderung stellte sich einer Cateringfirma im Kibbutz Sa’ad, fünf Kilometer von der Grenze zum Gazastreifen entfernt: Sie konnte wegen der Angriffe 2.000 bestellte Mahlzeiten nicht an Kindergärten und Sommerlager ausliefern. Die Mitarbeiter beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen: Sie spendeten das Essen an die Tafel und an andere Einrichtungen, die Bedürftige unterstützen, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Dass die Portionen zur Verfügung standen, gaben sie über Facebook bekannt. Der Eintrag endete mit einem Zitat aus dem Gebet, das Juden im Gedenken an Verstorbene sprechen, dem Kaddisch: „Der Frieden schafft in Seinen Höhen, Er schaffe Frieden über uns.“ (Redaktion/Israelnetz)

 


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