Für den israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz stellt Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah das größte Problem des Libanons dar. Der Blau-Weiß-Chef verwies damit am 10. August 2020 vor dem Knesset-Verteidigungsausschuss auf die Gefahr von gelagerter Munition im Südlibanon.

Blick auf ein zerstörtes Gebäude im Hafen von Beirut nach der Mega-Explosion vom 4. August 2020. Bei dem Unglück kamen mindestens 158 Menschen ums Leben, mehr als 6000 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Foto: Zaatari Lebanon/Flash90

 

Wie der Ersatzpremier ausführte, gebe es in einigen Häusern im nördlichen Nachbarland neben dem Gästezimmer auch einen Lagerraum für Raketen – dies sei ein „Fakt“. Mit Blick auf die Mega-Explosion am 4. August 2020 in Beirut sagte er: „Stellen Sie sich vor, was passieren würden, wenn sich das mit iranischen Waffen in libanesischen Dörfern wiederholt. Wir haben es mit Feinden zu tun, die in einer zivilen Umgebung Waffen lagern und Operationen ausführen. Wenn wir keine Wahl haben als zu kämpfen, könnte das schwierige Folgen haben.“

Nasrallah selbst wies am 7. August 2020 Vorwürfe zurück, die Hisbollah habe im Hafen von Beirut Waffen oder das explodierte Ammoniumnitrat gelagert. Am selben Tag sagte zudem der libanesische Präsident Michel Aun, die genaue Ursache der Explosion sei noch nicht bekannt. Eine Bombe oder eine Rakete schloss er dabei nicht aus.

Reformen gefordert

Am 9. August 2020 haben 28 Länder und zusätzliche Staaten- und Hilfsorganisationen rund 250 Millionen Euro an Hilfen für den Libanon zugesagt. Die Geberkonferenz organisierte der französische Präsident Emanuel Macron zusammen mit UN-Generalsekretär António Guteres. Deutschland beteiligt sich mit 20 Millionen Euro. Für weitere Hilfen verlangten die Beteiligten Reformen, wie sie das libanesische Volk derzeit fordert, teilte das französische Präsidialamt mit. Experten schätzen den Gesamtschaden auf 15 Milliarden US-Dollar.

Der libanesische Premier Hassan Diab hat seinem Kabinett am 8. August 2020 Neuwahlen vorgeschlagen. Drei Minister seiner Regierung sind bereits zurückgetreten. Zuletzt vollzog Justizministerin Marie-Claude Nadschm am Montag den Schritt. Zu den teils gewaltsamen Protesten sagte der Premier am 9. August 2020, die Menschen hätten „nach drei Jahrzehnten unglaublicher Korruption“ das Recht, wütend zu sein.

Nach gegenwärtigem Stand sind infolge der Explosion mindestens 158 Menschen gestorben, mehr als 6.000 wurden verletzt und rund 300.000 verloren ihre Unterkunft. Erst am 8. August 2020 erlag die dreijährige Alexandra Nadschar ihren Verletzungen. Im Fernsehen sagte ihr Vater an die Regierung gewandt: „Sie haben uns getötet in unserem eigenen Zuhause – ein Ort, von dem ich dachte, er würde meine Familie schützen, auch wenn in diesem Land Verbrechen geschehen und wir sonst nichts haben, dann wenigstens unser Zuhause, wo wir sicher sein könnten.“ In den Sozialen Medien wurden in großer Anteilnahme Fotos und Videos von dem Mädchen geteilt.

Synagoge mindestens beschädigt

Indes ist der Zustand der Magen-Abraham-Synagoge unklar. Das Gebäude liegt etwa 1,7 Kilometer vom Ort der Explosion entfernt und gilt als einzige Synagoge des Landes. In einem Bericht der „Jerusalem Post“ vom 8. August 2020 ist von kleineren Schäden die Rede. Die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ schrieb am 9. August 2020 unter Berufung auf lokale Berichte von „irreparablen Schäden“.

Im Libanon leben nach Auskunft des Jüdischen Weltkongresses etwa 100 Juden. Wegen der politischen Lage könnten sie aber nicht ihre Religion ausüben. Nichtsdestotrotz wurde die Synagoge vor etwa zehn Jahren mithilfe privater Gelder und mit Erlaubnis der Regierung renoviert. Das 1925 errichtete Gebäude war im libanesischen Bürgerkrieg (1975–2000) beschädigt worden.

Israel hat dem Libanon Hilfe angeboten

Nach der verheerenden Explosion in Beirut am 4. August 2020 hat Israel seine Hilfe angeboten. Dies erfolgte auf Anweisung von Außenminister Gabi Aschkenasi und Verteidigungsminister Benny Gantz. Das Außenministerium teilte noch am selben Tag mit, es habe zu diesem Zweck auf geheime und internationale Kanäle zurückgegriffen. Israel und der Libanon haben keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich offiziell im Kriegszustand.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu genehmigte nach eigenen Angaben medizinische und humanitäre Hilfen für den nördlichen Nachbarstaat. Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates, Meir Ben-Schabbat, soll auf Anweisung Netanjahus mit dem UN-Gesandten für Nahost-Verhandlungen Nickolay Mladenov klären, wie Israel darüber hinaus helfen kann.

Staatspräsident Reuven Rivlin bekundete auf Twitter sein Beileid: „Wir teilen den Schmerz des libanesischen Volkes und wenden ihm uns aufrichtig zu, um unsere Hilfe in dieser schwierigen Zeit anzubieten.“ (Israelnetz)