Alljährlich erinnert Israel an seine Gefallenen, in diesem Jahr am 28. April. Zurzeit zwingt die Corona-Pandemie das Land, auch bei der Trauerbewältigung und dem Gedenken neue Wege zu gehen.

Israelische Soldatinnen auf dem Kirjat Schaul-Militärfriedhof in Tel Aviv am 28. April 2020, dem diesjährigen Gedenktag für Gefallene und Terror-Opfer in Israel (Jom HaSikaron), wegen der Corona-Krise mit Schutzmasken. Foto: Gili Yaari /Flash90

 

Binnen eines Jahres haben 42 israelische Polizisten, Soldaten und Zivilisten ihr Leben verloren. Dazu kommen 33, die ihren Verletzungen erlagen. Das hat das Verteidigungsministerium anlässlich des nationalen Gedenktags für Gefallene und Terror-Opfer, Jom HaSikaron, bekanntgegeben, der in diesem Jahr auf den 28. April fällt.

Damit liegt die Zahl der seit 1860 durch Terror oder in Kriegen ums Leben gekommenen Juden sowie der im Dienst getöteten oder verunglückten Soldaten und Polizisten bei 23.816. Gezählt wird ab dem Jahr 1860, da zu dieser Zeit die Jerusalemer Juden begannen, auch außerhalb der Altstadtmauern Wohngebiete zu errichten.

Seit der Staatsgründung 1948 wurden 3.153 Menschen in Israel oder Israelis im Ausland durch Terroranschläge getötet. Darunter sind 120 Ausländer sowie 100 Israelis, die außerhalb ihres Landes ums Leben kamen. Die Anschläge machten 3.241 Kinder zu Halb- oder Vollwaisen, wie die Tageszeitung „Ha’aretz“ berichtete.

Militärfriedhöfe für Zivilisten geschlossen

Anlässlich der Corona-Pandemie galten in diesem Jahr besondere Auflagen: So gab es keine öffentlichen Gedenkveranstaltungen, sondern stattdessen zahlreiche Online-Zeremonien.

Hinterbliebene wurden aufgerufen, der Verstorbenen von zu Hause aus zu gedenken. Die an diesem Tag üblichen Besuche auf den 53 Militärfriedhöfen im Land wurden für die Zivilbevölkerung untersagt. Allerdings waren Besuche vor dem Gedenktag möglich. So hatten Soldaten und Mitglieder verschiedener Jugendorganisationen unter anderem vor dem Eingang zum Militärfriedhof auf dem Herzlberg in Jerusalem Position bezogen. Sie verteilten Blumen und Wasserflaschen an Besucher.

Das Außenministerium gedachte am 27. April 2020 in einer Online-Zeremonie der 16 Diplomaten, die während ihres Dienstes getötet wurden. Zeitgleich mit Vertretern in elf Ländern, in denen die Israelis ermordet wurden, entzündeten Angehörige im Ministerium Gedenkfeuer.

Nationalhymne an offenen Fenstern singen

Zum Gedenken ertönten am Vorabend im ganzen Land um 20 Uhr eine Minute lang Sirenen. Im Anschluss sprachen Staatspräsident Reuven Rivlin und Generalstabschef Aviv Kochavi bei einer kleinen Gedenkfeier an der Klagemauer. Israelis waren aufgerufen, die Nationalhymne auf ihren Balkonen oder an geöffneten Fenstern zu singen. Im Fernsehen wurde ein Beitrag gezeigt, der im Vorfeld in der Knesset aufgezeichnet worden ist. Dabei wurden die Namen aller Gefallenen an die Wände des Parlamentsgebäudes projiziert.

Um 11 Uhr vormittags am 28. April 2020 waren erneut Sirenen zu hören, dieses Mal für zwei Minuten. Israelis legten während dieser Zeit ihre Tätigkeit nieder, Autofahrer auf Schnellstraßen hielten an. Bei einer anschließenden kleinen Zeremonie auf dem Herzlberg, die ebenfalls im Fernsehen übertragen wurde, sind die Namen aller Gefallenen verlesen worden.

Von Trauer zu Freude

Der von Trauer und Gedenken geprägte Jom HaSikaron ging am Abend nahtlos über in den fröhlichen 72. Unabhängigkeitstag, den Jom HaAtzma’ut. Israel hat seine Unabhängigkeit am 14. Mai 1948 erklärt. Damals fiel das Datum auf den fünften Tag des Monats Ijar. Der entsprechende Feiertag richtet sich nach dem jüdischen Kalender und ist im gregorianischen (westlichen) Kalender Schwankungen unterworfen. (Israelnetz)