Russland und Israel haben sich auf einen Plan geeinigt, nach dem sich iranische Truppen schrittweise von der syrisch-israelischen Grenze zurückziehen sollen. Das berichtet unter anderen die in London ansässige Zeitung „A-Scharq al-Awsat“ und beruft sich auf eine russische Quelle. Demnach sollen sich iranische Einheiten zunächst mindestens 20 Kilometer von der Grenze entfernen, später soll der Abstand auf 60 bis 70 Kilometer erhöht werden.

Israels Premier Benjamin Netanjahu (links) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin am 9. Mai 2018 in Moskau. Foto: GPO/Amos Ben Gershom

Die arabische Zeitung bringt die Nachricht in Zusammenhang mit einem Treffen des israelischen Verteidigungsministers Avigdor Lieberman und seines russischen Amtskollegen Sergej Schoigu. Die beiden Politiker waren am 31. Mai 2018 in Moskau zusammengetroffen. Dabei sagte Lieberman laut Mitteilung seines Ministeriums: „Der Staat Israel schätzt Russlands Verständnis für unsere Sicherheitsbedürfnisse, vor allem in der Lage an unserer Nordgrenze. Es ist wichtig, den Dialog zwischen uns fortzusetzen und die offene Leitung zwischen der israelischen und der russischen Armee zu wahren – bei allen Themen, die anstehen.“

Schoigu legte nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums dar, die Lage in Syrien wende sich zum Besseren: „Sie hat sich infolge der fast unblutigen Versöhnung in Ost-Ghuta und Homs verbessert, ebenso wie nach der Befreiung von Al-Jarmuk, der südlichen Vorstadt von Damaskus, vom IS.“ Das Klima in Regionen, die nun von den syrischen Behörden kontrolliert würden, verbessere sich, so dass Flüchtlinge aufgenommen werden könnten und ein Leben in Frieden entstehen könne. Der Minister äußerte sein Bedauern darüber, dass Lieberman den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu nicht am 9. Mai zur Siegesparade nach Moskau begleitet hatte – und lud ihn für 2019 zu der Feier ein.

Lawrow für Abzug ausländischer Truppen in Syrien

Ebenfalls am 31. Mai 2018 sprach Netanjahu mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. In dem Telefonat ging es ebenfalls um die Lage in Syrien, schreibt die Onlinezeitung „Times of Israel“. Bereits 30. Mai 2018 hatte der russische Außenminister Sergej Lawrow gemäß der staatlichen Nachrichtenagentur TASS gefordert, ausländische Milizen sollten so bald wie möglich Südwestsyrien verlassen.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London teilte mit, iranische Berater und Hisbollah-Kämpfer bereiteten einen Abzug aus den südlichen Regionen Daraa und Quneitra vor. Diese befinden sich nahe der Grenze zu Israel. In Syrien selbst wurde die Information nicht bestätigt.

„A-Scharq al-Awsat“ berichtet weiter, außerdem habe Russland Israel „grünes Licht“ erteilt, in Syrien zu agieren, ohne allerdings syrische Regierungszentren zu treffen. Eine offizielle Bestätigung aus Moskau gibt es hierzu jedoch nicht.

Assad: Keine syrischen Truppen in Syrien

Indes meldeten mehrere Medien, Israel sträube sich nicht grundsätzlich dagegen, dass der syrische Präsident Baschar al-Assad im Amt bleibt. „Selbst wenn es Zeit braucht und selbst wenn wir akzeptieren müssen, dass Assad zurückkehrt – am Ende dieser Gespräche wird die iranische Bedrohung in Syrien aufgehoben“, zitierte der Sender „Hadaschot TV“ am 31. Mai 2018 eine diplomatische Quelle in Israel mit Bezug auf israelisch-russische Hintergrundgespräche. Der Fernsehsender „Kanal 10“ berief sich auf den israelischen Berater für nationale Sicherheit, Meir Ben-Schabbat. Dieser hatte sich am 27. Mai 2018 in Jerusalem mit seinem französischen Kollegen Philipp Etienne getroffen, um Netanjahus für den 5. Juni 2018 geplantes Treffen mit Präsident Emmanuel Macron in Paris vorzubereiten. Dabei habe Ben-Schabbat gesagt, Israel sei nicht gegen Assads Verbleib im Amt.

Assad selbst äußerte sich gegenüber der russischen Nachrichtenseite RT. In dem Interview bestritt er, dass es iranische Truppen auf syrischem Staatsgebiet gebe. Solche Behauptungen seien Lügen. Er fügte an, die USA verlören in Syrien an Boden. „Je mehr Eskalation wir haben, desto entschiedener sind wir, das Problem zu lösen, weil man keine andere Wahl hat: Entweder man hat ein Land oder man hat kein Land.“ (Israelnetz)


 

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