Das Pessach-Fest (Passah) erinnert das jüdische Volk an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten unter der Führung von Moses. Es beginnt am Vorabend des 15. Tages im Monat Nissan (Aviv), in diesem Jahr am Abend des 8. April, und dauert sieben Tage, in der Diaspora acht Tage, also bis zum 15. bzw. 16. April 2020. Damit überschneiden sich in diesem Jahr Pessach und das christliche Ostern, das auf den 12. April fällt (orthodoxe Kirchen feiern das Fest eine Woche später). Angesichts der starken Einschränkungen wegen der Corona-Krise verbreitet Israels Staatspräsident Rivlin Zuversicht. 

Ungesäuertes Brot (Matzen). Foto: ISRANET

 

Im biblischen Buch Exodus (2. Mose) wird geschildert, wie sich die Israeliten auf den Auszug aus Ägypten vorbereiteten. Weil sie keine Zeit hatten, um Sauerteig anzusetzen, aßen sie ungesäuerte Brote (Matzen). Aus diesem Grund müssen während des Festes alle Speisen ohne Sauerteig zubereitet werden. Bereits mehrere Wochen vor Pessach beginnen Juden, das ganze Haus zu putzen, bis kein Sauerteig mehr zu finden ist. Das Alltagsgeschirr wird gegen spezielles Pessach-Geschirr ausgetauscht.

Seder-Abend

Vor dem Seder-Abend, der das Fest eröffnet, werden die Sauerteigreste symbolisch verbrannt. „Seder“ ist das hebräische Wort für „Ordnung“. Die Bezeichnung bezieht sich auf den festen Ablauf des ersten Festabends, der in der Haggadah (Erzählung) aufgeschrieben ist. Die Haggadah enthält Lobgebete, Lieder, Bibeltexte und weitere liturgische Elemente. Wichtig sind die vier Fragen, die traditionell der jüngste Sohn stellt. Darin wird geklärt, worin sich diese Nacht von allen anderen Nächten des Jahres unterscheidet. Der Familienvater antwortet, indem er die Geschichte von der Sklaverei des Volkes Israel und vom Auszug aus Ägypten erzählt. Matzen, vier Gläser Wein und symbolische Speisen gehören zum Seder. Sie deuten unter anderem auf die Fronarbeit in Ägypten und das einstige Opfer im Tempel. Zudem gibt es auch eine Festmahlzeit. Ein Weinglas steht für den Propheten Elia bereit. Er soll die Ankunft des von den Juden erwarteten Messias ankündigen, sobald sie unmittelbar bevorsteht.

 

Pilgern nach Jerusalem

Als der israelitische Tempel noch stand, pilgerten viele gläubige Menschen nach Jerusalem, um das Pessach-Lamm zu opfern. Nach Schätzungen des römisch-jüdischen Geschichtsschreibers Josephus Flavius kamen im Jahr 65 vor Christus drei Millionen Menschen zum Fest. Heute schlachten nur noch die Samaritaner zum Fest ein Lamm. Sie leben als kleine Gruppe auf dem Berg Garizim in der Nähe von Sichem (jetzt Nablus) sowie in der israelischen Stadt Holon. Jeder Jude, der Pessach feiert, soll so sein, als wäre er selbst aus Ägypten ausgezogen. Vor allem in Zeiten der Unterdrückung hoffen Juden darauf, dass Gott sie auch aus dieser Sklaverei befreien wird.

Am ersten und am siebten Tag der Festwoche wird in Israel nicht gearbeitet. Die Schüler haben Pessach-Ferien. Auch die meisten säkularen Juden in Israel begehen die Pessach-Bräuche (laut einer Umfrage essen 67% der jüdischen Israelis nichts Gesäuertes in dieser Zeit) und feiern einen mehr oder weniger traditionellen Seder-Abend (90% halten ihn für wichtig) – nur die vollständige Lesung der Haggadah ist vielen zu lang.

Rivlin: Juden sind eine Familie

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin sagte am 5. April 2020, dass sich das diesjährige Pessach „sehr von allen anderen Passahfesten unterscheiden“ werde: „Statt sich mit Familie und Freunden zu versammeln, werden wir alle die Richtlinien für soziale Distanz befolgen. Trotzdem werden unsere Werte von gegenseitiger Verantwortung und der Weitergabe unserer Traditionen von Generation zu Generation weitergehen.“

Rivlin verbreitete zugleich auch Zuversicht: „Keine Plage der modernen Zeit kann die Kette zerbrechen, die bis zum Auszug aus Ägypten zurückreicht und unser Volk zusammenschweißt“, nahm er Bezug auf die zehn Plagen, die im zweiten Buch Mose überliefert sind. Er spüre mehr denn je, „dass wir eine Familie sind, mit einer gemeinsamen Geschichte, gemeinsamen Werten und einem gemeinsamen Schicksal“.

 

Pessach und Ostern

Das christliche Osterfest hat seinen Ursprung im letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern zu Pessach (Lukas 22,1-20 u.a.). In den ersten Jahrhunderten gab es viele Christen, die das Osterfest zeitgleich mit den Juden ab dem 14. Nissan feierten – als Erfüllung alttestamtlicher Prophetie durch das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi.

Allerdings setzten sich mehrheitlich diejenigen Christen und Kirchen durch, die die Verbindung mit dem Pessach-Fest aufheben wollten. So ist beim Konzil von Nizäa 325 festgelegt worden, das Osterfest immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling zu feiern, was bedeutet, dass das Fest frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April fallen kann (wobei der 21. März als Frühlingsanfang vorausgesetzt wird, was astronomisch aber nicht in jedem Jahr der Fall ist).

Allerdings feiern viele Juden, die an Jesus/Jeschua als verheißenen Erlöser glauben (messianische Juden) weiterhin bzw. wieder das Pessach-Fest – und mit ihnen auch Christen aus den anderen Völkern.-