Israel hat international viel Unterstützung für seine militärische Reaktion auf die iranischen Angriffe aus Syrien erhalten. Selbst Bahrain verteidigt Israel. Der Golfstaat hat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel, wie Saudi-Arabien betrachtet es den Iran als Feind.

UN-Beobachter auf dem Berg Bental-Aussichtspunkt im Nordosten der Golanhöhen an der Grenze zu Syrien am 10. Mai 2018. Foto: Basel Awidat/Flash90

Iranische Streitkräfte haben in der Nacht zum 10. Mai 2018 von Syrien aus israelische Militärposten auf den Golanhöhen angegriffen. Etwa 20 Raketen hätten die Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, abgefeuert, teilte die israelische Armee mit. Vier der Geschosse wurden von der israelischen Raketenabwehr abgefangen. Die anderen schlugen noch auf syrischem Staatsgebiet ein.

Israels Luftwaffe beschoss daraufhin mehr als 50 iranische Militärziele in Syrien. Dabei wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fünf syrische Soldaten und 18 Kämpfer syrischer Verbündeter getötet. Die syrische Armee sprach hingegen von drei Toten.

Laut dem israelischen Armeesprecher Jonathan Conricus gehörten die Luftangriffe zu den größten, die Israel je gegen iranische Ziele unternommen habe. Wie Conricus laut der Deutschen Presseagentur dpa mitteilte, hat Israel Russland vor dem Beschuss informiert.

Israels Verteidigungsministers Avigdor Lieberman erklärte auf einer Konferenz in Herzlija: „Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, aber wir müssen auf jedes Szenario vorbereitet sein.“ Er fügte hinzu, es handele sich um einen punktuellen Konflikt Israels mit den iranischen Al-Quds-Brigaden. Lieberman zufolge hat die Luftwaffe fast die komplette iranische Infrastruktur in Syrien getroffen.

Bahrain verteidigt Israel

Die Reaktion Israels auf den iranischen Beschuss stieß international auf Verständnis. Bahrain verteidigte die israelischen Luftangriffe: „Solange der Iran die Region destabilisiert und Länder mit seinen Truppen und Raketen verletzt, hat jedes Land in der Region, einschließlich Israel, das Recht, sich zu verteidigen, und Quellen der Gefahr zu zerstören“, schrieb Bahrains Außenminister Chalid Bin Ahmed al-Chalifa am10. Mai 2018 auf Twitter. Bahrain hat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Wie Saudi-Arabien betrachtet es den Iran als Feind.

Bundesregierung: „Angriffe sind schwere Provokation“

Die Bundesregierung reagierte besorgt auf die iranischen Angriffe. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes erklärte dazu: „Mit großer Sorge sehen wir Berichte über iranische Raketenangriffe auf israelische Armeeposten in der vergangenen Nacht. Diese Angriffe sind eine schwere Provokation, die wir auf das Schärfste verurteilen. Israel hat, das haben wir immer betont, ein Recht auf Selbstverteidigung.‎“ Zugleich sei entscheidend, dass es jetzt nicht zu einer weiteren Eskalation komme. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte den iranischen Präsidenten Hassan Rohani in einem Telefonat dazu auf, zur Deeskalation in der Region beizutragen. Sie verurteilte die Angriffe auf Israel.

Die britische Premierministerin Theresa May betonte in einem Telefonat mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ebenfalls Israels Recht auf Selbstverteidigung gegen die „iranische Aggression“.

Die Europäische Union und die USA erklärten ebenfalls, Israel habe das Recht, sich zu verteidigen. Die Berichte über die iranischen Angriffe auf Israel seien höchst besorgniserregend, sagte EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini laut der Tageszeitung „Ha’aretz“. Aus dem Weißen Haus hieß es, die iranischen Revolutionsgarden trügen die volle Verantwortung für die Konsequenzen ihrer rücksichtslosen Aktionen. Die Angriffe auf Israel seien „inakzeptabel und hochgefährlich für den gesamten Nahen Osten“.

Russlands stellvertretender Außenminister und Sondergesandte für Nahost, Michail Bogdanov, erklärte laut der Onlinezeitung „Times of Israel“, Russland sei besorgt. Es habe Kontakt zu beiden Seiten aufgenommen und fordere Zurückhaltung von allen Parteien.

 

UN warnen vor Flächenbrand

UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einem „neuen Flächenbrand“ in der Region. Er rief die Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Feindseligkeiten und Provokationen auf, wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Israels UN-Botschafter Danny Danon fordert die Vereinten Nationen unterdessen auf, den iranischen Angriff zu verurteilen. Die internationale Staatengemeinschaft dürfe nicht zuschauen, wenn ein „tyrannisches Regime einen souveränen Staat angreift und wiederholt die Existenz eines UN-Mitgliedsstaates bedroht“. Israel sei nicht an einer Eskalation der Lage interessiert. Es werde jedoch auch nicht zulassen, dass der Iran eine militärische Präsenz in Syrien aufbaue, deren Ziel es sei, Israel anzugreifen und die ohnehin fragile Situation in der Region weiter zu verschlechtern.

Netanjahu: „Iran hat rote Linie überschritten“

Das israelische Sicherheitskabinett kam am 10.Mai 2018 zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Premierminister Netanjahu erklärte, der Iran habe mit den Angriffen eine rote Linie überschritten. „Ich habe dem Assad-Regime eine klare Botschaft übermittelt: Unsere Aktion richtet sich gegen iranische Ziele in Syrien. Wenn jedoch das syrische Militär gegen uns handelt, werden wir dagegen vorgehen. Genau das ist gestern passiert – die syrischen Militärbatterien haben Boden-Luft-Raketen gegen uns abgefeuert und deshalb haben wir sie angegriffen“, sagte Netanjahu laut „Yediot Aharonot“. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, zu verhindern, dass sich der Iran in Syrien niederlässt.

Syrien verurteilt Israel

Das syrische Außenministerium verurteilte den israelischen Beschuss. „Israels direkte Einmischung, nach Jahren der geheimen Unterstützung terroristischer Gruppen, stellt den Beginn einer neuen Stufe der Aggression dar“, heißt es in einer Erklärung.

Iran unterstellt Israel Lügen

Die Regierung in Teheran warf Israel unterdessen vor, es habe den iranischen Angriff auf die Golanhöhen erfunden, um Angriffe auf syrische Ziele zu rechtfertigen. Ein Sprecher des Außenministeriums, Bahram Ghassemi, kritisierte zudem die Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Damit würde Israel grünes Licht für weitere Aggressionen gegeben. (Israelnetz)

 

 

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