Seit dem 1.März 2018 ist das umstrittene „Holocaust-Gesetz“ in Polen in Kraft: Demnach ist es künftig unter Strafe verboten, der polnischen Nation die Verantwortung oder Mitverantwortung für vom nationalsozialistischen Deutschland begangene Verbrechen zuzuschreiben.

In Israel sieht man das kritisch. Ebenfalls am 1. März 2018 haben sich hochrangige israelische und polnische Diplomaten in Jerusalem getroffen, um Differenzen zu diskutieren und Missverständnisse auszuräumen. Dabei wurde die polnische Delegation von Vize-Außenminister Bartosz Cichocki geleitet, der höchste israelische Vertreter war der Leiter des Außenministeriums, Juval Rotem.

Der Leiter des israelischen Außenministeriums, Juval Rotem (links), und der polnische Vize-Außenminister Bartosz Cichocki. Foto:MFA/Israel

 

Erinnerung an Holocaust wichtig

Juval Rotem sagte bei dem Treffen in seiner Einleitung u.a.:
„Es ist mir eine Ehre und eine Freude, diesen Dialog zwischen Israel und Polen zu eröffnen.
Ich begrüße den stellvertretenden Außenminister Polens, Herrn Bartosz Chichoki und sein Team, in Israel und zu diesem Dialog.
Israel und Polen verfügen über starke politische bilaterale Beziehungen, die auf gemeinsamen Werten beruhen.
Es ist kein Geheimnis, dass die Frage der polnischen Gesetzgebung in Bezug auf den Holocaust Israel und dem jüdischen Volk weltweit Sorgen bereitet.
Wir müssen sicherstellen, dass historische Wahrheiten bewahrt werden, dass die Freiheit der Forschung und der Redefreiheit nicht eingeschränkt werden und dass die große Gefahr der Kriminalisierung in dieser Hinsicht angegangen und gelöst wird.
Wir werden auch unsere Bedenken in Bezug auf einen beobachteten Anstieg antisemitischer Äußerungen in der letzten Zeit äußern. Wir anerkennen und erkennen die Tatsache an, dass die Führung Polens sich gegen diese hässlichen Erscheinungen ausgesprochen hat, aber wir werden dieses Thema weiter diskutieren.
Die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren, ist eine Frage, die über die bilateralen Beziehungen zwischen Israel und Polen hinausgeht. Es ist ein Kernproblem, das sich auf das Wesen des jüdischen Volkes konzentriert.
Ich freue mich auf einen offenen, aufrichtigen und freundlichen Dialog zwischen Israel und Polen, wie er von Freunden und Verbündeten erwartet wird.
Nochmals begrüße ich das polnische Team in Israel. Danke.“

Der Israeli sagte zuvor laut einem Bericht der Online-Zeitung „Times of Israel“, es habe mehrere antisemitische Vorfälle in Polen gegeben, die von der dortigen Regierung aber verurteilt worden seien. Cichocki versicherte, man wolle an den Wahrheiten des Holocaust festhalten und die jahrhundertealte Beziehung zwischen Polen und Israel bewahren. (Israelnetz/Reaktion/MFA)

 

 

 

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