Zum ersten Mal nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen ist in Israel eine Delegation der Vereinigten Arabischen Emirate eingetroffen. Am 20. Oktober 2020 nahm sie der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) am internationalen Flughafen Ben-Gurion feierlich in Empfang. Begleitet wurde die Delegation vom amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin.

Israels Premier Netanjahu mit US-Finanzminister Steven Mnuchin (links) und VAE-Finanzminister Obaid Humaid Al Tayer (rechts) bei dem Gipeltreffen am 20. Oktober 2020 auf dem Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv. Foto: GPO/Amos Ben Gershom

 

Nach der Landung unterzeichneten die Vertreter der Emirate mehrere bilaterale Abkommen mit Israel, unter anderem die Abschaffung der Visumspflicht. Das berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“. Die Delegation, die aus hochrangigen Beamten, sowie dem Wirtschafts- und Finanzminister besteht, gründete außerdem den „Abraham-Fonds“. Gemeinsam mit Bahrain soll mit Hilfe des 3 Milliarden Dollar schweren Fonds‘ die regionale Zusammenarbeit und der Wohlstand der Region gefördert werden.

„Heute schreiben wir Geschichte“, sagte Netanjahu nach der Landung des Flugzeugs in Tel Aviv. „Die Begeisterung für dieses Friedensabkommen bei unserem Volk ist enorm.“ Weiterhin erklärte Netanjahu, dass die Abkommen mit den Emiraten „unseren Völkern, der Region und der ganzen Welt“ zum Vorteil dienen würden. „Ich glaube, dass immer mehr Regierungen im gesamten Nahen Osten verstehen, dass wir als Freunde viel besser zusammenarbeiten können.“ Sowohl Juden als auch Araber stammten vom Patriarchen Abraham ab. Daher sei das Abkommen nach ihm benannt worden. „In seinem Geist wollen wir einen Nahen Osten der Koexistenz und Zusammenarbeit, des gegenseitigen Verständnisses und des gegenseitigen Respekts fördern.“

Mnuchin bezeichnete den „Abraham-Fonds“ als „Grundlage für wirtschaftliches Wachstum, Chancen, Innovation und Wohlstand“. Das Abkommen schaffe direkte Wirtschaftsbeziehungen zwischen „zwei der blühendsten und fortschrittlichsten Volkswirtschaften des Nahen Ostens“. Der Sitz des „Abraham-Fonds’“ soll in Jerusalem sein.

Öl- und Luftverkehrsabkommen

Wegen der anhaltenden Pandemie fand das Treffen ausschließlich auf dem Gelände des Ben-Gurion-Flughafens statt. Netanjahu lud die Mitglieder der Delegation daher zu einem zusätzlichen Besuch ins Land ein, sobald die Corona-Beschränkungen dies zuließen.

Wie das Wirtschaftsmagazin „Globes“ berichtet, unterzeichneten die Vertreter der beiden Länder zudem ein Luftverkehrsabkommen. Dieses sieht bis zu 112 wöchentliche Flüge vor. Nach Angaben eines hochrangigen Beamten der Vereinigten Arabischen Emirate könne diese Zahl nach dem Ende der Corona-Pandemie zu niedrig sein. Daher sei das Ziel, bereits ab August 2021 die angebotenen Flüge weiter aufzustocken.

Im Zuge der Normalisierung der beiden Länder unterzeichnete die israelische Firma „Europe-Asia Pipline Co.“ am 20. Oktober 2020 eine Absichtserklärung, um den Öltransport der Vereinigten Arabischen Emiraten nach Europa zu unterstützen. Eine Pipeline, die von Aschkelon nach Eilat verläuft, soll demnach bis in die Emirate verlängert werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. Das Abkommen soll demnach 700 bis 800 Millionen Dollar schwer sein. (Israelnetz)