In Israel leben etwa 1,6 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze. 400 000 Familien – unter ihnen etwa 700 000 Kinder – leiden darunter, dass ihre Ernährung nicht gesichert ist. Christen an der Seite Israels unterstützt deshalb die Arbeit der jüdischen Hilfsorganisation Hineni, welche täglich über 200 Portionen warmes Essen kostenlos an hilfsbedürftige Menschen im Raum Jerusalem verteilt. Jerusalem ist die bevölkerungsreichste und zugleich auch ärmste Stadt Israels, in der viele Einwohner auf Hilfe angewiesen sind.

Benjamin Philip, der Leiter von Hineni, hat uns zur aktuellen Situation in Israel einen persönlichen Brief zukommen lassen, den wir gerne an Sie weiterleiten:

„Wie in den meisten Ländern ist auch in Israel das alltägliche Leben durch COVID-19 stark eingeschränkt. Alle öffentlichen Aktivitäten wie Hochzeiten, Beschneidungen oder die Gebete in den Synagogen sind zum Erliegen gekommen. Die Schulen sind geschlossen und Besuche bei älteren Menschen in Altersheimen und Krankenhäusern sind nicht mehr erlaubt. Kurz gesagt, das alltägliche Leben ist für die israelische Bevölkerung und insbesondere für die älteren Menschen aktuell eine große Herausforderung. Auch in unserem Hineni-Zentrum waren wir durch die vielen Einschränkungen mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Eine Schließung der Suppenküche konnten wir durch eine Sondergenehmigung der Stadtverwaltung jedoch vermeiden.“

Benjamin Philip berichtet aus Jerusalem (Hinweis: Video auf Englisch)

„Aufgrund des eingeschränkten öffentlichen Verkehrs und der Abriegelung einzelner Wohngebiete haben wir allerdings manchmal Schwierigkeiten genug Mitarbeiter zu finden. Außerdem wurde unseren ausländischen freiwilligen Helfern geraten, das Hineni-Zentrum zu verlassen. Zu Beginn von COVID-19 gab es einen Mangel an Lebensmitteln und Verpackungsmaterial sowie an Masken, Handschuhen und Kopfbedeckungen. Auslöser waren die Hamsterkäufe in den Supermärkten, welche von einem Großteil der israelischen Bevölkerung getätigt wurden. Ältere und sozial benachteiligten Menschen mit geringem Einkommen waren hier die größten Opfer, weshalb die Nachfrage in unserer Suppenküche nach kostenlosen Mahlzeiten in dieser Zeit gestiegen ist. Da die Regierung die Empfehlung ausgesprochen hat die eigene Wohnung nicht zu verlassen, haben viele ältere Menschen Angst zu unserer Suppenküche zu kommen. Wir erhalten deshalb viele Anfragen, ob wir die Mahlzeiten auch nach Hause liefern können.“

Ein Lebensmittelpaket vor der Auslieferung. (Foto: Hineni)

Die Lebensmittelpakete werden trotz COVID-19 verteilt. (Foto: Hineni)

„Normalerweise werden die älteren Menschen von ihrer Familie oder von Freunden unterstützt. Da diese Form der Unterstützung in Zeiten von COVID-19 jedoch so nicht mehr gewährleistet werden kann, ist eine extreme Zunahme des Holocaust-Wiedererlebungs-Syndroms zu verzeichnen. Viele der älteren Menschen, die wir versorgen, sind Holocaust-Überlebende und durch die Isolationsmaßnahmen haben diese das Gefühl, wieder von ihrer Familie und der Gesellschaft getrennt zu sein. Gleichzeitig wissen sie nicht, ob sie rechtzeitig Hilfe und ausreichend Nahrung bekommen. Die Stadtverwaltung hat uns eine Liste mit Hunderten Holocaust-Überlebenden zur Verfügung gestellt. Bei unseren täglichen Essenslieferung haben diese nun Priorität. Als Folge hat sich unsere Menge an kostenlosen Mahlzeiten von etwa 7000 auf fast 9000 pro Monat erhöht. Wir sind dankbar, dass Gott es uns ermöglicht, unserem Volk in diesen schwierigen Zeiten zu dienen und wir sind dankbar für Ihre Unterstützung, durch die wir den betroffenen Menschen helfen können. Möge der Herr all jene segnen, die Israel in diesen schwierigen Zeiten beistehen.“

Mit herzlichen Grüßen
Benjamin Philip

Teamarbeit bei der Zubereitung. (Foto: Hineni)

Kostenlose leckere Mahlzeiten. (Foto: Hineni)