Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie ist am 3. Dezember 2020 eine Gruppe von 316 äthiopischen Neueinwanderern im Rahmen der Operation „Fels Israels“ bei Tel Aviv gelandet. Sie gehören den „Falasch Mura“ an – Juden, deren Vorfahren in den meisten Fällen unter Zwang zum Christentum konvertiert waren.

Angehörige der „Falasch Mura“ verlassen das Flugzeug, das sie am 3. Dezember 2020 von Äthiopien nach Israel gebracht hat. Foto: Miriam Alster/Flash90

 

Begrüßt wurden die Neuankömmlinge auf dem Ben Gurion-Flughafen bei Tel Aviv vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud), Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) und dem Vorsitzenden der Jewish Agency, Jitzchak Herzog. Einwanderungsministerin Pnina Tamano-Schata (Blau-Weiß) hatte die Gruppe auf dem Flug begleitet. Die Politikerin ist das erste Regierungsmitglied in der Geschichte Israels, das in Äthiopien geboren wurde. Bei der Ankunftszeremonie sagte sie, dass die Operation „Fels Israels“ eine der wichtigsten Errungenschaften der aktuellen Regierung sei. Dennoch würden noch viele Äthiopier auf die Möglichkeit warten, nach Israel auszuwandern. Tamano-Schata bezeichnete die Einwanderung als „nationale Pflicht“, die an das Privileg erinnere, nach Jahrtausenden des Exils in die Heimat zurückzukehren.

Insgesamt sollen im Rahmen der Operation „Fels Israels“ etwa 2.000 Neueinwanderer nach Israel einreisen. Bereits am 4. Dezember 2020 traf ein weiteres Flugzeug aus Äthiopien erwartet. Weitere Einreisen sind für Januar 2021 geplant. Das berichtet die israelische Onlinezeitung „Times of Israel“.

Tränen in den Augen

Im Rahmen der Begrüßungszeremonie sagte Netanjahu: „Ich kann mich nicht erinnern, wann mich zuletzt der Anblick von Zionismus so bewegt hat. Meine Frau Sara und ich standen mit Tränen in den Augen hier. Willkommen im Land Israel.“

„Ich bin gerührt, hier zu sein“, sagte Gantz. Er erinnerte an seine Militärzeit. 1991 nahm er als Offizier an der Operation „Salomo“ teil, bei der innerhalb von 36 Stunden 14.325 äthiopische Juden ausgeflogen wurden. Israel habe sich verpflichtet, den Wunsch der Rückkehr der äthiopischen Gemeinschaft zu erfüllen, erklärte der Verteidigungsminister.

Kritik an Regierung

Die angekommenen Äthiopier gehören den „Falasch Mura“ an. Sie sind Juden, deren Vorfahren im 19. Jahrhundert – in den meisten Fällen unter Zwang – zum Christentum konvertiert waren. Das israelische Innenministerium sieht sie nicht als Juden an. Deswegen gilt für sie auch nicht das Recht der Rückkehr, das jedem Juden auf dieser Welt die Einwanderung nach Israel erlaubt. Stattdessen erhalten die Äthiopier nach und nach spezielle Erlaubnisse von der Regierung.

Aktivisten kritisieren die Regierung, dass die Regierungsresolution von 2015, nach der alle „Falasch Mura“ bis 2020 nach Israel geholt werden sollten, noch nicht umgesetzt ist. „Die Regierung feiert ein paar hundert Einwanderer aus Äthiopien, während Tausende hier sein sollten und trotz aller früheren Zusagen des Premierministers immer noch mit ihrem fraglichen Schicksal zurückgelassen werden“, sagte Muket Fenta von der Organisation „Aktivisten für die äthiopische Alija“. (Israelnetz)