Unser Anliegen ist, den Gästen aus Israel, die sehr Schweres erlebt haben, eine Zeit der Erholung, der Entspannung, des Abstandes zu geben. Manche der Gäste, die eine traumatische Erfahrung durchleben mussten, befinden sich auch danach weiter unter der täglichen Bedrohung. Dies macht eine Verarbeitung des Erlebten besonders schwer, manchmal unmöglich. Psychologen und Trauma-Spezialisten raten in diesem Fall oft zu einer Zeit der Erholung und Regeneration mit Ortswechsel. Christen an der Seite Israels unterstützt den Besuch von Terroropfern und deren Angehörigen in Deutschland und Österreich, damit sie eine Auszeit von der täglichen Terrorbedrohung nehmen können.

Aus dem Brief von Silpa

Mein Name ist Silpa Yoos, ich bin 56 Jahre alt und ich habe drei erwachsene Kinder. Ich lebe in einem Kibbuz in der westlichen Negev-Wüste in Israel, 4,5 Kilometer entfernt von der Grenze des Gazastreifens. Vor einem Jahr schlug eine Rakete, die aus dem Gazastreifen abgefeuert wurde, in mein Haus ein. Es war sieben Uhr morgens als der Alarm im Kibbuz ausgelöst wurde. Ich stieg aus dem Bett, ging in den Flur und schloss die Tür des Schlafzimmers. Wir haben in unseren Häusern keine Schutzräume. Das Einzige von dem Vorfall, an das ich mich erinnern kann, ist absolute Stille. Ich habe nicht gehört (oder ich kann mich nicht erinnern), wie die Rakete fiel.

Silpa Yoos hat den Raketenangriff überlebt

Ein paar Sekunden später gab es einen Stoß voll von Staub und Bleikugeln, die im Inneren der Bombe waren. Mir wurde klar, dass die Rakete die Grundmauern des Hauses genau unter meinem Schlafzimmer getroffen hat. Mein Schlafzimmer, das Kinderzimmer und das Badezimmer waren vollständig zerstört. Im Rest des Hauses waren alle Fensterscheiben zerbrochen.

Von diesem Tag an hat sich mein Leben verändert. Ich war körperlich nicht verletzt, aber seelisch war ich schwer verletzt. Die Ängste und Unsicherheiten, die mich im letzten Jahr begleiteten, haben mir nicht erlaubt, mein gesellschaftliches, berufliches und auch persönliches Leben wie zuvor zu leben. Eines Tages im November bekam ich einen Anruf von jemandem, der mich im letzten Jahr auf Grund meiner Situation begleitet hat, und bot mir an, mit einer Begleitperson meiner Wahl zu einer Familie in Deutschland zu fahren. Er erklärte mir, dass es in Deutschland Menschen gibt, die Gäste des israelischen Volkes, die während ihres Militärdienstes oder durch Feindseligkeiten gegen Israel verletzt wurden, für einen Urlaub aufnehmen.

Jay ist mit ihrer Mutter Silpa nach Deutschland geflogen

Kurz darauf sind meine Tochter und ich nach Leipzig geflogen, wo wir von unserer Gastgeberin Alice und ihrer Schwester Alexandra empfangen wurden und zu ihrer Mutter Regine  gebracht wurden. So groß unsere Bedenken waren, so groß war auch unsere Überraschung. Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Liebe und Bereitschaft zu geben erfahren, wie bei meiner Gastgeberfamilie. Wir haben neun perfekte Tage mit ihnen verbracht, in denen es viele Gespräche und Ausflüge gab. Wir haben Alice, Regine (Alice hat die ganze Zeit Deutsch-Englisch übersetzt) und ihre Schwester Alexandra mit ihrer charmanten Familie kennengelernt.

Vor dem Abschied wusste ich schon, dass ich eine neue Familie in Deutschland gefunden habe. Ich kam aus Deutschland als ein gestärkter Mensch zurück. Die Erfahrung erhöhte mein Selbstvertrauen das ich im letzten Jahr verloren hatte. Ich hoffe ich werde auch in Zukunft meine neuen Familien in Israel und Deutschland treffen. Vielen Dank an alle die uns diesen Aufenthalt ermöglicht haben, einschließlich für die finanzielle Hilfe für die Flüge und auch die Kontaktherstellung.

Und nicht zuletzt sehr herzlichen Dank an unsere wunderbaren Gastfamilien für die Liebe, die sie uns gezeigt haben.

Mit herzlichen Grüßen

Silpa Yoos

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