Trotz zahlreicher Neuinfektionen in Israel ist eine erneute Stilllegung des Landes derzeit nicht angedacht. Das sagte der neue Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Chesy Levy, am 21. Juni 2020. Levy macht eine gewisse Müdigkeit bei den Menschen aus, was die Corona-Einschränkungen angeht. Dennoch mahnte er, weiterhin wachsam zu sein und sich bei leichten Symptomen testen zu lassen.

Trotz des gestiegenen Infektionsgeschehens ist in Israel nach drei Monaten Pause am 22. Juni 2020 der Bahnverkehr wieder angelaufen. Auf dem Foto Reisende und ein Bahnmitarbeiter in der Jitzchak Nawon-Station in Jerusalem. Foto: Olivier Fitoussii/Flash90

 

Allein in der Woche vom 14. bis 20. Juni 2020 sind 1.700 Infektionsfälle hinzugekommen. Die Zahl der aktiven Fälle lag am 22. Juni 2020 bei 5.155, die Zahl der Toten mit Corona-Infekt bei 307. Angesichts dieser Entwicklung hat das Gesundheitsministerium die Krankenhäuser angewiesen, die Corona-Abteilungen wieder zu eröffnen.

Am 22. Juni 2020 zeigte sich Regierungschef Benjamin Netanjahu erzürnt, weil eine Aufnahme von dem Treffen des Corona-Kabinetts am 21. Juni 2020 veröffentlicht wurde. In all seinen Jahren als Premier sei ihm das nicht untergekommen, sagte er am 22. Juni 2020 vor einer erneuten Sitzung des Corona-Kabinetts. Inhaltlich geht es um die Erwägung, erneut auf eine Handyüberwachung durch den Inlandsgeheimdienst Schabak zurückzugreifen, um Infektionsketten zu erkennen. Netanjahu ist dafür, Schabak-Chef Nadav Argaman jedoch dagegen.

Westjordanland: Zwei Städte abgeriegelt

Von dem Anstieg der Infektionsfälle sind auch die palästinensisch verwalteten Gebiete betroffen. Vertreter des Gesundheitsministeriums sprachen von mehr als 100 neuen Fällen binnen eines Tages. Aus diesem Grund ordnete der Premier der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mohammed Schtaje, am 20. Juni 2020 eine fünftägige Ausgangssperre für Nablus und Hebron an. Nur Apotheken, Lebensmittelläden und „essentielle“ Fabriken bleiben demnach geöffnet.

Am 22. Juni 2020 teilte Gesundheitsministerin Mai Al-Kaila mit, es habe im Westjordanland wieder einen Anstieg von 84 Fällen gegeben. Das sagte sie laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA. Damit belaufe sich die Gesamtzahl der aktiven Infektionsfälle auf 516 – der Gazastreifen (16) und Ostjerusalem (40) mitgerechnet.

Lockerungen treten in Kraft

In Israel ist trotz des Infektionsgeschehens der Bahnverkehr am 22. Juni 2020 nach drei Monaten wieder angelaufen. Die Regierung hatte den Neustart viermal verschoben. Allerdings wurden nur 38.000 Fahrscheine verkauft. An einem normalen Montagmorgen seien es 250.000, sagten Vertreter der Bahn gegenüber der Zeitung „Yediot Aharonot“. Einer der Gründe für die geringe Nachfrage ist, dass Soldaten auf Anweisung der Armee keine Züge nutzen, um zu ihren Basen zu kommen.

Auch Kultureinrichtungen dürfen seit dem 19. Juni 2020 wieder für bis zu 250 Gäste öffnen; in Einzelfällen sind auch 500 Gäste erlaubt. Tickets müssen allerdings im Vorfeld gekauft werden. Tanzveranstaltungen bleiben weiterhin verboten.

Fortschritt bei Impfstoff-Forschung

Unterdessen gab das Israelische Institut für biologische Forschung in Nes Ziona am 19. Juni 2020 bekannt, erfolgreich einen Corona-Impfstoff getestet zu haben. Hamster mit dem Impfstoff hätten bei einem künstlich herbeigeführten Infekt nur leichte Lungensymptome gezeigt. Für die Wissenschaftler ist dies ein „sicherer, wirksamer und schützender Impfstoff gegen Corona“. Wenn das Gesundheitsministerium es genehmigt, könnten nun Versuche mit Menschen anlaufen. Ende des nächsten Winters könnte der Impfstoff dann verfügbar sein.

Für die Entwicklung nutzten die Wissenschaftler das für den Menschen ungefährliche VSV-Virus. Dieses veränderten sie genetisch, so dass die Nobben denen des Coronavirus ähneln. Der menschliche Organismus erkennt das Virus und produziert Antikörper. (Israelnetz)