Die israelische Regierung hat am 7. April 2020 die ohnehin schon strikten Maßnahmen gegen das Coronavirus vor dem Passahfest noch einmal verschärft. Ab dem Abend des 7.April 2020, 19 Uhr Ortszeit, darf niemand seinen Wohnort verlassen; im Falle Jerusalems gilt dies auch für einige kritische Wohngegenden. Diese Regelung wird bis zum 10. April 2020, 6 Uhr, in Kraft sein. Ab dem Abend des 7.April 2020 bis zum Morgen des 12.April 2020 (8 Uhr) pausiert auch der öffentliche Nahverkehr, internationale Flüge finden nur mit vorheriger Genehmigung der Regierung statt. Am 12. April 2020 soll zusätzlich eine allgemeine Maskenpflicht eingeführt werden.

Ultra-orthodoxe Juden stehen in Elad (Zentral-Israel) Schlange vor einem Supermarkt, links ein Polizist, der die Corona-Sicherheitsvorschriften kontrolliert, aufgenommen kurz vor dem Pessach-Fest am 7. April 2020. Foto: Yossi Aloni/Flash90

 

Für die Zeit des Sederabends am 8. April 2020 gibt es eine besonders strenge Regelung: Ab dem Nachmittag (15 Uhr) darf sich niemand außerhalb seines Zuhauses aufhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt bleiben die Geschäfte noch offen; an einem Sederabend schließen sie in der Regel erst um 18 Uhr. Diese Maßgabe gilt bis zum Morgen des 9.April 2020 (7 Uhr) und nur für Ortschaften mit überwiegend jüdischen Einwohnern. Den Beginn des Passahfestes dürfen die Israelis damit nur im engsten Kreis der Familie oder Mitbewohner feiern.

Die Maßnahmen hatte der israelische Premier Benjamin Netanjahu mit Abweichungen bezüglich der Uhrzeiten bereits am 6. April 2020 angekündigt. In einer knapp 13-minütigen Ansprache bat er um Verständnis für die neuen Regelungen. Er verwies dabei auf das Purimfest Mitte März: Viele Israelis waren damals trotz des bereits bekannten Risikos zum Feiern auf die Straßen gegangen. Auf diese Weise konnte sich das Virus gut verbreiten. Dies werde nicht noch einmal passieren, betonte Netanjahu: „Ich sage es so deutlich wie möglich: Pessach wird nicht Purim sein.“

Notfallbudget freigegeben

Aus Sicht des Premierministers steht nun eine „Schicksalswoche“ für die Welt und für Israel an. Denn in den kommenden Tagen werde sich zeigen, in welche Richtung der Kampf gegen Corona geht: „Fortschritt oder Rückzug – und für viele Menschen, Leben oder Tod.“ Je nach Entwicklung stellte er auch eine stufenweise Lockerung der Einschränkungen in Aussicht; in jedem Fall werde es erst nach Pessach dazu kommen. Das Fest endet am 15. April 2020.

Netanjahu merkte außerdem an, dass die Regierung am 6. April 2020 für ein Notfallbudget in Höhe von umgerechnet 23 Milliarden Euro gestimmt hat. Damit will sie die wirtschaftlichen Folgen der Krise für Selbstständige, Angestellte und Arbeitslose abmildern. Er rief die Bewohner des Landes zudem auf, verstärkt israelische Produkte zu kaufen, um der heimischen Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen.

Hilfen aus dem Ausland

Unterdessen ist am 7. April 2020 die Zahl der mit Corona-Infekt Verstorbenen auf 60 gestiegen. Das Gesundheitsministerium vermeldete zudem mehr als 9.000 Personen mit Infekten. Davon befinden sich 153 in kritischem Zustand, 113 von ihnen werden beatmet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums verfügt Israel inzwischen über 3.000 Beamtungsgeräte, weitere würden ins Land gebracht. Das sagte der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Mosche Bar Siman-Tov, im Armeeradio „Galei Zahal“. Allerdings gab er nicht an, woher die Geräte stammen.

Fest steht, dass Israel auf ausländische Hilfen zurückgreift. Dieser Tage bringt eine Flotte von 11 El-Al-Flugzeugen medizinische Ausrüstung aus China. Netanjahu sprach am Montag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin; dabei ging es auch um die Besorgung von medizinischer Ausrüstung. Bereits zuvor hatte der Auslandsgeheimdienst Mossad eine große Zahl an Testsätzen ins Land gebracht. (Israelnetz)