Nazar wurde 2004 als jüngstes von drei Kindern in der Ukraine geboren. Seinen Vater bekam er nie zu Gesicht; seine Mutter war alkoholabhängig und konnte sich nicht um ihn kümmern. So blieb für Nazar nur das Kinderheim. Für ihn war seit früher Kindheit klar: Niemand will mich haben. Das änderte sich, als die jüdische Schule in Belaja Zerkow von seinem Schicksal erfuhr und ihn in das schuleigene Internat aufnahm. Zum ersten Mal in seinem Leben war Nazar von Fürsorge und Liebe umgeben. Nun hat er ein großes Ziel: nach Israel zu gehen und Kindern zu helfen, die einen ähnlich schweren Start im Leben hatten.

Endlich war es soweit
Am 3. November um 19 Uhr war es soweit – der inzwischen 16-jährige Nazar besteigt ein Flugzeug nach Israel. Er ist einer von 140 jüdischen Jugendlichen, die an diesem Tag Alijah machen und nach Israel ausreisen. Ihr Flug wurde von Christians for Israel gesponsert, dem Dachverband von CSI, anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Werkes. Der historische Charterflug hat 120 Jugendliche und 20 junge Erwachsene in das verheißene Land gebracht. Zu einer Zeit wie dieser, in der auch die Ukraine von der weltweiten Corona-Pandemie schwer betroffen ist, ist das alles andere als selbstverständlich.

Logistische Herausforderung
Die 140 Neueinwanderer kommen aus 27 verschiedenen Städten aus der ganzen Ukraine – ein Land, das zwanzigmal größer ist als Israel. Man kann sich unschwer vorstellen, dass die Logistik dieses Unterfangens keine leichte Aufgabe war. Dutzende von Minibussen waren in allen Himmelsrichtungen unterwegs, damit alle Passagiere rechtzeitig am Kiewer Flughafen eintreffen. Dabei konnte man die Fahrzeit oft schwer vorhersagen, da ein Großteil des ukrainischen Straßennetzes in einem desolaten Zustand ist. Auch die rasante Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie hat die Planung erschwert – jeden Moment konnte es zu einem neuen Lockdown kommen und die von langer Hand vorbereitete Pläne hätten über den Haufen geworfen werden müssen. Natürlich waren alle um höchstmögliche Sicherheit auf dem Weg zum Flughafen bemüht und die Jugendlichen befinden sich in Israel aktuell in einer zweiwöchigen Quarantäne. Danach aber kann endlich ihr neues Leben in Israel beginnen.

Am 3. November ging Nazar an Bord eines CSI-Charterflugzeugs nach Israel.
Foto: Jüdische Gemeinde Belaja Zerkow