Am 9. Tag des jüdischen Monats Aw trauern Juden weltweit, in diesem Jahr am 30. Juli 2020. Es ist der Gedenktag anlässlich der Zerstörung des ersten und zweiten jüdischen Tempels in den Jahren 586 vor Christus durch die Babylonier und 70 nach Christus durch die Römer. Aber es gab am 9. Aw noch weitere traurige Ereignisse für das jüdische Volk.

Juden an der Westmauer in Jerusalem am 9.Aw (Archivbild). Foto: ISRANET

 

Im Jahre 135 n. Chr. wurde am 9. Aw im Bar Kochba-Aufstand die letzte jüdische Festung (Betar) von den Römern erobert und ein Jahr später ließ Kaiser Hadrian auf dem Tempelberg in Jerusalem einen Tempel zu Ehren des heidnischen Gottes Jupiter errichten; während des ersten Kreuzzuges 1096 verübten die Kreuzfahrer am 9. Aw Pogrome in Speyer und Worms; 1492 begann die Vertreibung der Juden aus Spanien am 9. Aw; 1914 trat das Deutsche Reich am 9. Aw in den Ersten Weltkrieg ein, in dessen Verlauf etwa 130.000 jüdische Soldaten fielen, unter ihnen rund 12.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit; am 9. Aw 1942 begannen die Deportationen aus dem Warschauer Ghetto in die Vernichtungslager der Nazis in Polen.

Der 9. Aw ist ein strenger Fastentag, von Sonnenuntergang am Vorabend bis Sonnenuntergang des Tages, ähnlich wie der große Versöhnungstag, der Jom Kippur (10. Tischri). Juden sollen sich aller „weltlichen Freuden“ enthalten, auch die Thora darf nicht studiert werden, da „die Befehle des HERRN das Herz erfreuen“, wie es in Psalm 19,9 heißt. Gelesen werden dürfen nur die Klagelieder, das Buch Hiob, die Flüche in 3. Mose (26,14-42) und einige Kapitel aus dem Buch Jeremia.