Vor fünfzehn Jahren, am 12. September 2005, verließ der letzte israelische Soldat den Gazastreifen. Die Formel für den Nahost-Friedensprozess „Land für Frieden“ ging nicht auf, ganz im Gegenteil: Israel bekam noch mehr Terror – mit Tausenden von Raketen und Brandballons.

Eine Bewohnerin des Gazastreifens wird bei der Zwangsräumung im August 2005 von einer israelischen Soldatin getröstet. Foto: ISRANET

 

Insgesamt lebten 2005 mehr als 8.000 Israelis im Gazastreifen, aufgeteilt auf 21 Orte („Siedlungen“). Um sie herum siedelten etwa 1,3 Millionen Palästinenser. Lange Zeit gab es relativ gute Beziehungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung. Doch mit den Jahren – und den beiden palästinensischen „Intifadas“ – änderte sich das. Terroranschläge nahmen zu, ebenso Raketen- und Mörserbeschuss.

Mit einer Mehrheit der israelischen Bevölkerung im Rücken entschied die Regierung 2004 trotz starker Widerstände, alle Orte im Gazastreifen zu evakuieren und die Armee abzuziehen. Premierminister Ariel Scharon (Likud) erhoffte sich davon unter anderem mehr Sicherheit und eine Stabilisierung der jüdischen Mehrheit Israels.

Am 15. August 2005 begann die Armee, den Rückzugsplan umzusetzen. Innerhalb einer Woche waren alle Zivilisten evakuiert. Viele Bewohner gingen, ohne körperlichen Widerstand zu leisten, andere ließen sich von der Armee aus ihren Häusern tragen. Wieder andere zündeten Barrikaden an. Am 12. September, gegen 7 Uhr morgens, verließ dann der letzte israelische Soldat den Gazastreifen.

Mit den Folgen der Evakuierung war die Regierung überfordert. Viele Familien wurden in mobilen Wohnhäusern untergebracht, andere zogen für mehrere Monate in Universitäten, Schulen oder Hotels ein und Kompensationsgelder flossen direkt in die Miete. Viele der Evakuierten waren lange arbeitslos. 2010 warf ein Bericht einer Untersuchungskommission der Regierung Versagen vor. Selbst heute gibt es Familien, die immer noch in temporären Häusern wohnen.

Noch mehr Terror

Die Hoffnung, der Abzug könne sich sicherheitspolitisch positiv auswirken, erfüllte sich nicht. Zahlreiche Palästinenser begriffen den Schritt als Verdienst des Terrorismus, als ein Zurückweichen Israels. Innerhalb des Gazastreifens wurden Synagogen zerstört und israelische Gewächshäuser niedergerissen, die den Palästinensern überlassen worden waren. Schon am 12. September 2005, nur wenige Stunden nach Beendigung des Abzugs, ertönte der erste Raketenalarm der neuen Zeit. Bis jetzt sind mehr als 12.000 Geschosse auf Israel abgefeuert worden. Mehr als 100 Israelis verloren ihr Leben, Tausende wurden verletzt, hinzu kommt immenser Sachschaden. Seit 2018 wurden zudem Tausende Brandballons vom Gazastreifen aus nach Israel geschickt und haben ebenfalls sehr viel Schaden angerichtet.

Heute, fünfzehn Jahre danach, gilt der Gaza-Abzug nicht nur der politischen Rechten in Israel als Beweis für das Scheitern der Formel „Land für Frieden“. (Israelnetz/Redaktion)