Unbefristeter Waffenstillstand: Gaza-Krieg vorerst beendet

Der Gaza-Krieg ist vorerst beendet. Am Abend des 26. August 2014 um 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) ist ein von Ägypten ausgehandelter, zeitlich unbegrenzter Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas in Kraft getreten.

Der Gaza-Krieg ist vorerst beendet. Am Abend des 26. August 2014  um 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) ist ein von Ägypten ausgehandelter, zeitlich unbegrenzter Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas in Kraft getreten.

Bis zum Inkrafttreten zum Waffenstillstand ertönte überall in Israels Süden Raketenalarm. Die Hamas übernahm die Verantwortung für eine Rakete, die auf Tel Aviv abgefeuert worden war. Kurz vor 18.00 Uhr Ortszeit waren Ze’ev Etzion, 55, und Shachar Melamed, 43, aus dem Kibbuz Nirim bei einem Mörsergranatenangriff auf die Region Eshkol getötet worden. Vier weitere Menschen wurden dabei verletzt

Am Morgen des 26. August 2014 waren bei einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus in Aschkelon mehr als 20 der Bewohner verletzt worden, darunter sechs Kinder. (Außenministerium des Staates Israel, 27.08.14)

Bild: An der Grenze zum Gazastreifen, im Vordergrund zwei israelische Panzer. Foto: Flash90

 

Waffenruhe weckt weltweit Hoffnung

Politiker in aller Welt haben die Feuerpause zwischen der Hamas und Israel begrüßt. Der Iran lobte das „heldenhafte palästinensische Volk“ für dessen Sieg über das zionistische Regime.

US-Außenminister John Kerry äußerte die Hoffnung auf ein dauerhaftes Ende des Konfliktes infolge der Waffenruhe, die am Abend des 26. August 2014 in Kraft getreten war. Zudem kündigte er eine schnelle Lieferung dringend benötigter humanitärer Hilfe für die Menschen in Gaza an. Die USA würden sich dabei eng mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) absprechen, teilte er laut der Online-Zeitung „Times of Israel“ mit.

Der britische Nahostminister Tobias Ellwood ließ verlauten: „Die Feuerpause sorgt für ein entscheidendes und willkommenes Fenster der Gelegenheit, um ein umfassendes Abkommen zu erreichen, das sich die grundlegenden Ursachen des Konfliktes vornimmt.“

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon reagierte ebenfalls erfreut auf die Feuerpause. Gleichzeitig warnte er am Abend des 26. August 2014: „Jegliche Friedensbemühung, die nicht die tiefen Ursachen der Krise in Angriff nimmt, wird lediglich die Bühne für den nächsten Kreislauf der Gewalt stellen.“ Gaza müsse „wieder unter eine legitime palästinensische Regierung gebracht werden“, teilte sein Sprecher mit. Die Blockade sei zu beenden. Ferner müssten Israels Sicherheitsbedenken angesprochen werden.

Steinmeier: Wieder über zwei Staaten verhandeln

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Einigung: „Nach zahlreichen Anläufen scheint es nun gelungen zu sein, eine unbefristete Waffenruhe in Israel und Gaza zu vereinbaren“, erklärte der SPD-Politiker am 27. August 2014 in Berlin. „Vor allem für die vielen Menschen, die nun schon seit 50 Tagen unter der Gewalt leiden, wäre es existenziell, dass diese Waffenruhe sich endlich als belastbar erweist.“ Nun müssten unter der Vermittlung Ägyptens weitere Verhandlungen über Gaza geführt werden mit dem Ziel, einen dauerhaften Waffenstillstand zu erreichen.

Wichtig sei „die Perspektive für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung“, ergänzte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes. „Wir haben gemeinsam mit unseren französischen und britischen Partnern dafür Vorschläge gemacht, und wir sondieren gemeinsam auch Wege zu einer Resolution des Sicherheitsrats.“

Iran und Katar begeistert über „Sieg“ der Hamas

Das iranische Außenministerium wiederum kommentierte die Einigung mit den Worten: „Das heldenhafte palästinensische Volk hat eine neue Ära geformt mit dem Sieg des Widerstands, der das zionistische Regime in die Knie gezwungen hat.“ Dieser Sieg ebne den Weg für die endgültige Befreiung aller besetzten Gebiete, vor allem Jerusalems. Der Iran gratulierte den Palästinensern und den militanten Gruppen in Gaza.

Aus Katar hieß es, der Sieg der Hamas sei zuerst dank „des Widerstandes und der Opfer“ der Palästinenser erreicht worden. Dem Golfstaat bot schnellstmögliche Hilfe für den Wiederaufbau an.

Vor Feuerpause: Tote auf beiden Seiten

Kurz vor der Waffenruhe waren zwei Israelis bei einem palästinensischen Angriff auf den Kibbutz Nirim ums Leben gekommen. Der 52 Jahre alte Sicherheitschef der Gemeinschaftssiedlung, Se‘ev Etzion, war sofort tot. Der 43-jährige Mechaniker Schahar Melamed starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein weiterer Israeli wurde schwer verwundet.

Im Gazastreifen gab es vor Eintreten der Feuerpause vier Tote bei Luftangriffen auf Terrorziele in Rafah und Beit Hanun. Einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma‘an“ zufolge handelt es sich bei den Opfern um Jussif Ghannam, Muhammad al-Ribati, Ahmad Dscharbu und Muhammad Sa‘anin.

Wie die Hamas zivile Einrichtungen missbraucht

Moscheen, Krankenhäuser und Kindergärten: Die Hamas nutzt im Gazastreifen zivile Orte für militärische Zwecke. Diesen israelischen Vorwurf haben verhaftete Aktivisten der sunnitischen Organisation nun bestätigt.

Im Rahmen der Operation „Starker Fels“ gegen die Terrorinfrastruktur im Gazastreifen haben die israelischen Sicherheitskräfte zahlreiche Hamas -Vertreter festgenommen. Diese lieferten den Israelis im Verhör Informationen, durch die sie unter anderem Tunnel und Sprengfallen aufdecken konnten. Dies rettete Soldaten vor Ort das Leben. Überdies führten die Hinweise zu gezielten Tötungen von Führern und Kommandeuren der Organisation, wie die israelische Tageszeitung „Ma‘ariv“ berichtet.

Mehrere der verhafteten Palästinenser sagten aus: „Es ist allen bekannt, dass sich ranghohe Hamas -Führer in Krankenhäusern verstecken.“ Am Eingang dieser Kliniken seien bewaffnete Wachen aufgestellt, die in der Regel Polizeiuniform trügen. Die Hamas -Führung, mit dem früheren Regierungschef Ismail Hanije an der Spitze, habe sich im Schifa-Krankenhaus in Gaza versteckt.

Ein Trainingsgelände, das als Basis für Kurse des bewaffneten Hamas -Flügels dient, befindet sich demzufolge in einem Saal unter einer Moschee in der Stadt Chan Junis. In Moscheen lagere die Organisation ferner Panzerabwehrraketen, schwere Munition oder Sturmgewehre. Weitere Verstecke für Kampfmittel seien Schulen und Krankenhäuser.

Hamas -Anhänger aus Beit Lahija gaben zu Protokoll, sie hätten geholfen, einen Angriffstunnel neben einem Kindergarten zu graben. Ein weiterer Palästinenser sagte, er habe an einem unterirdischen Gang nahe einer Poliklinik und eines Kindergartens gearbeitet. Die Hamas -Kommandeure hätten angeordnet, dass nach einer erfolgreicher Entführung die Soldaten in den Kindergarten zu bringen seien.

Der Schabak folgerte: „Bei den Verhören der unterschiedlichen Verhafteten kam eine schwerwiegende und besorgniserregende Tendenz zutage, nach der die Hamas bewusst und absichtlich in einer klar zivilen Umgebung agiert, wie Kindergärten, Krankenhäusern und Moscheen, um ihre militärische Tätigkeit auszuüben. Dadurch setzt die Hamas die Zivilbevölkerung einer Gefahr aus, die auch in der Zeit der Ruhe besteht, wenn Kampfmittel, die an diesen Orten versteckt werden, betätigt werden und Menschenleben kosten können.“

Raketen aus Schulen

Auch die israelische Botschaft in Berlin weist darauf hin, dass die Palästinenser viele Raketen von zivilen Einrichtungen aus auf Israel abgefeuert haben. Während der Operation „Starker Fels“ hätten die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte den systematischen Missbrauch dieser Einrichtungen offengelegt. „Dabei verzeichneten sie mehr als 260 Raketen, die aus Schulen aus abgefeuert wurden, mehr als 50 Raketen aus medizinischen Einrichtungen und mehr als 130 Raketen, die von Friedhöfen aus abgefeuert wurden.“

Ein Beispiel ist eine Abschussrampe nahe der Dschafar-Ali-Ibn-Taleb-Schule in Gaza-Stadt, von der aus Raketen auf den Kibbutz Nachal Os abgefeuert wurden. Dabei wurde der vierjährige Daniel Tragerman getötet. Die Hamas -Behörden selbst hätten die betreffende Schule als Flüchtlingsaufnahmeeinrichtung eingerichtet. Die Luftwaffe hat den Abschussort einige Tage nach dem tödlichen Angriff bombardiert. (Israelnetz)

 

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