Trilaterale Rettungsaktion für den Jordan

Israel, Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) haben eine gemeinsame Initiative zur Rettung des Jordans gestartet. Bis 2025 soll kein Abwasser mehr in den Fluss gelangen.

Israel, Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) haben eine gemeinsame Initiative zur Rettung des Jordans gestartet. Bis 2025 soll kein Abwasser mehr in den Fluss gelangen. Dem Jordantal verspricht das trilaterale Umweltschutzprojekt Frieden, wirtschaftliches Wachstum und Stabilität.

Verschmutzung und Misswirtschaft haben den Jordan in den vergangenen Jahrzehnten zu einem stinkenden Rinnsal verkümmern lassen. Der Niedergang des Flusses soll nun aufgehalten werden. Israelische, jordanische und palästinensische Aktivisten und Regierungsvertreter sowie internationale Experten haben erstmalig einen auf 35 Jahre angelegten „regionalen Masterplan für nachhaltige Entwicklung im Jordantal“ präsentiert. Am 9. und 10. Juni 2015 berieten sie im Hotel „Crowne Plaza“ am jordanischen Ufer des Toten Meeres über die Umsetzung des Planes, den die Organisation „ÖkoFrieden Naher Osten“ formuliert hatte.

„Der Fluss ist in einem furchtbaren Zustand, es ist nichts Heiliges mehr an ihm“, sagte der Israel-Direktor von „ÖkoFrieden Naher Osten“, Gidon Bromberg, laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“ bei der Konferenz. In den letzten 50 Jahren habe der Fluss 95 Prozent seines einstigen Durchflusses eingebüßt. Er sei vielmehr zur Müllhalde für Abfall, ungeklärte Abwässer und Salzwasser verkommen.

„Fruchtbarer Boden für Kooperation“

Zu den Projekten des Masterplanes gehört der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage, die den Zulauf von Abwässern von israelischer und jordanischer Seite stoppen soll. Binnen eines Jahrzehnts würde die Verschmutzung des Flusses laut „ÖkoFrieden Naher Osten“ gestoppt, wenn die in dem Plan vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt werden. Insgesamt 127 nationale und regionale Einzelprojekte mit Gesamtkosten von 4,5 Milliarden Dollar sollen das Jordantal bis 2050 zu einer „kooperativen, selbstbewussten und friedlichen Region mit gesunder Wirtschaft und starken Entwicklungsaussichten für die in ihr lebenden Menschen“ machen, wie es in dem Masterplan heißt.

„Die Anwendung der Maßnahmen wird helfen, Vertrauen zwischen den beteiligten Parteien aufzubauen, und das tägliche Leben der Palästinenser, Israelis und Jordanier verbessern“, sagte der stellvertretende PA-Agrarminister, Abdullah Lahluh, gemäß der „Jerusalem Post“ bei der zweitägigen Tagung.

„Es gibt hier fruchtbaren Boden für Kooperation“, so der stellvertretende israelische Minister für regionale Zusammenarbeit, Ajub Kara ( Likud ). Das Programm könne „Brücken des Friedens“ bauen. „Das ist einer der bedeutendsten Flüsse für Gläubige aus der ganzen Welt“, ergänzte Kara.

Plan geht von palästinensischer Souveränität aus

Die von „ÖkoFrieden Naher Osten“ in dem Masterplan formulierte Vision für 2050 basiert auf einer ganzen Reihe von Annahmen. Dazu zählt neben der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung vor allem die Realisierung der vollen trilateralen Kooperation: „Palästina wird ein unabhängiger Staat und ein gleichberechtigter Partner für sowohl Israel als auch Jordanien“, heißt es in dem Papier. Alle derzeit konkret erwogenen Projekte sparen die im Jordantal gelegenen israelischen Siedlungen im Westjordanland aus. Der Plan geht allerdings von deren vollständiger Räumung bis zum Jahr 2020 aus.

Israel hatte bereits 2013 mit der Rettung des Jordans begonnen. Unter anderem durch die Öffnung des Deganja-Dammes sollte Wasser aus dem See Genezareth den vom Austrocknen bedrohten Fluss auffüllen und reinigen. „ÖkoFrieden Naher Osten“, damals unter dem Namen „Freunde der Erde – Naher Osten“, hatte Israels Pläne dabei unterstützt. (Israelnetz)

 

Bild: Bootsfahrt auf dem Jordan 2015. Foto: Basal Awidat/Flash90

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