Ein Palästinenser ist am Abend des 21. Juli 2017 in ein Haus in der Siedlung Halamisch nordwestlich von Ramallah eingedrungen und hat dort drei Israelis erstochen. Die jüdische Familie hatte sich zum Zeitpunkt des Anschlags zu einem Festessen versammelt, um neben dem Schabbat die Geburt eines Enkelsohnes zu feiern.

Israels Verteidigungsminister Lieberman (mit Sonnenbrille) und Armeechef Eisenkott (4. von rechts) nach einem Besuch im Haus der Familie in der Siedlung Halamisch bei Ramallah am 22. Juli 2017, wo am Abend zuvor drei Israelis ermordet wurden. Foto: Ariel Hermoni/Ministry of Defense/Flash90

Bei dem Attentäter handelt es sich um den 19-jährigen Omar al-Abed aus der benachbarten Ortschaft Kobar. Ihm war es gelungen, unbemerkt in die Siedlung und in das Haus einzudringen. Dort stach er auf mehrere Israelis ein und ermordete den Hausbesitzer, dessen Sohn und eine Tochter. Die 68-jährige Ehefrau wurde bei dem Angriff schwer verletzt.

Die Schwiegertochter konnte sich mit fünf Kindern in ein anderes Zimmer retten. Von dort aus rief sie Nachbarn um Hilfe und alarmierte die Polizei. Wie die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet, setzte ein Nachbar den Terroristen außer Gefecht, in dem er durch ein Fenster im Haus auf ihn schoss. Dies habe weitere Todesopfer verhindert. Der Terrorist wurde mittelschwer verletzt und in ein Krankenhaus nach Petah Tikva gebracht.

Lieberman ordnet Hauszerstörung an

Am 22. Juli 2017 besuchten Israels Generalstabschef Gadi Eisenkot und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman Halamisch. Lieberman ordnete verstärkte Militärpräsenz in der Umgebung an. Er forderte den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, auf, „das Massaker, das vergangene Nacht an einer unschuldigen Familie begangen wurde, die niemanden bedroht hat“, zu verurteilten. Zudem ordnete Lieberman die Zerstörung des Hauses von Al-Abeds Familie an – eine Maßnahme, mit der Israel versucht, potentielle Terroristen abzuschrecken. Ein 21-jähriger Bruder des Terroristen wurde festgenommen. Er wird verdächtigt, bei dem Anschlag geholfen zu haben.

Wie die Polizei mitteilte, wurde die Tat offenbar nicht im Auftrag einer Terrorgruppe begangen. Allerdings sympathisiere die Familie Al-Abed mit der radikal-islamischen Hamas. Die Terrorgruppe begrüßte „den heldenhaften Anschlag“, der auf Israels Verletzung der palästinensischen Rechte auf Jerusalem und die Al-Aksa-Moschee folge.

Die neuen Metall-Detektoren am Löwentor in Jerusalem, die nach dem Anschlag am 14. Juli 2017 aufgestellt wurden. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Rache für Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg

Ersten Angaben zufolge verübte Al-Abed den Anschlag als Reaktion auf die neuen Sicherheitsmaßnahmen am Jerusalemer Tempelberg, die Israel nach dem Terrorangriff am 14. Juli 2017 in Jerusalem verordnet hat. Bei dem Anschlag nahe des Löwentors unweit des Tempelberges sind zwei israelische Polizisten ermordet worden, ein weiterer erlitt Verletzungen. Die drei geflüchteten Attentäter wurden auf dem Tempelberg erschossen.

Nachfolgend hatten israelische Sicherheitskräfte den Tempelberg zunächst für alle Besucher abgesperrt und dann Metall-Detektoren am Löwentor aufgestellt, die Muslime durchqueren müssen, wenn sie auf den Tempelberg möchten. Ferner wurden zusätzliche Überwachungskameras installiert. Als Reaktion kam es zu heftigen Protesten von Tausenden Arabern gegen diese Sicherheitsmaßnahmen.

Der israelische Bildungsminister Naftali Bennett bezeichnete die muslimische Reaktion auf die Sicherheitsschleusen als „Sturm im Wasserglas“. Auch jüdische Besucher der Klagemauer und muslimische Besucher der Kaaba in Mekka müssten Metall-Detektoren durchqueren, sagte er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. Israels Premierminister Netanjahu versicherte, dass der Status quo auf dem Tempelberg  beibehalten werde.

Bei Massenprotesten vor dem Freitagsgebet am 21. Juli 2017 war es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Muslimen gekommen. Dabei wurden drei Palästinenser getötet. Die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma’an“ spricht von rund 390 Palästinensern, die verletzt wurden.

Erklärung auf Facebook

Vor der Ermordung der Israelis hinterließ Omar al-Abed auf seiner Facebook-Seite eine Art Testament. „Ich habe das Leben geliebt, und liebte es, Menschen zum Lächeln zu bringen. Aber was ist das für ein Leben? Sie töten unsere Frauen und junge Menschen, beschmutzen den Boden von Al-Aksa, während wir schlafen“, schrieb der 19-Jährige. In den darauffolgenden Worten rief er zum Krieg für Allah auf. Weiter heißt es in dem Eintrag: „Ich habe nur ein Messer, und das wird auf die Rufe von Al-Aksa reagieren. […] Die Söhne von Affen und Schweinen öffnen die Tore von Al-Aksa nicht.“ Danach kündigte der Palästinenser an, dass er „in den Himmel geht“.

UN-Chef verurteilt Anschlag

UN-Generalsekretär Antonio Guterres verurteilte den Terroranschlag in Halamisch. Er äußerte zudem sein „tiefes Bedauern“ über den Tod der drei Palästinenser bei den Protesten in Jerusalem. Der UN-Chef forderte politische und religiöse Führer auf, dabei zu helfen, die angespannte Lage zu entschärfen.

Israels UN-Botschafter Danny Danon rief den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, den Anschlag auf die jüdische Familie zu verurteilen. „Die hasserfüllte Hetze und die Verherrlichung der Gewalt durch die Palästinensische Autonomiebehörde hat zur Ermordung unschuldiger Israelis geführt, die in ihrem Haus erstochen wurden“, sagte Danon laut der Onlinezeitung „Times of Israel“. (Isaelnetz)

 

 

 

 

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