Im Verlauf des Sechs-Tage-Krieges 1967 war der Munitionshügel in Jerusalem der Schauplatz einer der heftigsten Schlachten zwischen Israelis und Jordaniern. Nach drei Jahren Umbau ist dort ein Museum wiedereröffnet worden.

Der Eingangsbereich des wiedereröffneten Museums auf dem Munitionshügel in Jerusalem. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Wer mit der Straßenbahn aus dem Jerusalemer Stadtzentrum nach Norden fährt, gelangt an der Station „Ammunition Hill“ zum Munitionshügel. Circa 400 Meter sind es dann noch bis zur Gedenkstätte „Givat HaTachmoschet“. Auf diesem Hügel kommen Geschichtenerzähler auf ihre Kosten. Denn dieser Ort ist voller Geschichte und Geschichten. Zwischen dem Jerusalemer Wohnviertel Ramat Eschkol und dem Giva HaZarfatit, dem Französischen Hügel, liegt der Hügel, den schon die Makkabäer im Jahr 165 vor Christus als Zugang nach Jerusalem genutzt hatten, ebenso die Römer unter Kaiser Titus im Jahr 70 nach Christus.

Zwischen 1948 und 1967 war der Hügel unter jordanischer Herrschaft. Im Sechs-Tage-Krieg war er bei der Eroberung Ostjerusalems der entscheidende strategische Punkt, zwischen dem Westen der Stadt und der israelischen Enklave auf dem Skopusberg im Osten. Eine der heftigsten Schlachten hat während des Sechs-Tage-Krieges hier stattgefunden, bei der 37 israelische Soldaten ums Leben kamen. Während der Kampfhandlungen verhinderten israelische Fallschirmjäger das Eindringen der jordanischen Legion in das Stadtzentrum.

Ein Monument erinnert an die Soldaten, die beim Kampf um Jerusalem ihr Leben verloren. Der Eintritt zum Hügel ist frei, viele Schulklassen und Familien kommen. Väter erzählen ihren Kindern die Geschichte von diesem geschichtsträchtigen Ort. Alte Panzer stehen auf dem Hügel, die Kinder klettern darauf herum und turnen in den gut erhaltenen Schützengräben.

Der Eintritt zum neuen Museum im Bunker ist kostenpflichtig. Nach drei Jahren Umbau hätte es eigentlich zum Jerusalemtag im vergangenen Mai fertiggestellt sein sollen. Dass es letztlich ein paar Monate länger gedauert hat, stört Geschäftsführer Katri Moas nicht: „Wir erzählen die Geschichte dieses Ortes. 19 Jahre war dieser Berg unter jordanischer Herrschaft, Israelis und Jordanier trafen sich am Zaun, um sich gegenseitig Kaffee einzuschenken.“

Persönliche Geschichten und Radioaufnahmen

Bevor der Besucher das Museum betritt, wird über einen Audioguide die Melodie des berühmten Liedes von Naomi Schemer eingespielt: „Jerusalem aus Gold“. Danach erklärt Moas: „Das Museum erzählt die einzelnen Stationen des Sechs-Tage-Krieges nach.“ Er ergänzt: „Zum Beispiel erzählen wir von Sara Cohen aus der Altstadt. Als sie 1948 ihr Haus in der Altstadt verlassen musste und in den Westteil der Stadt zog, nahm sie eine israelische Flagge und gab sie den jungen Soldaten mit den Worten: ‚dass ihr wisst, dass alle Juden hinter euch stehen. Gott wird euch schützen.‘“

Etwa eine Stunde dauert die Museumsführung. Neben den persönlichen Geschichten von Zeitzeugen werden Original-Radio- und Fernsehaufnahmen eingespielt. Moas erzählt euphorisch: „Wir haben lange und viel recherchiert. Viel Material haben wir vom Militär, vom Radio und von ausländischen Korrespondenten bekommen.“ Die Ausstellung durchziehen Zitate des israelischen Journalisten und Schriftstellers Chaim Guri. In Tagebuchform erzählt er poetisch seine Geschichte. Ehrlich lässt er an seinen Gefühlen teilhaben: „Auf dem Munitionshügel gab es keine fröhliche Siegesfeier. Hier war Krieg Wirklichkeit: Furchterregend, grausam und wahnwitzig.“

Und trotz der schlimmen Geschichten gibt es Lichtblicke, kleine Hoffnungsschimmer inmitten des Leides. So wird an einer Stelle berichtet, wie israelische Soldaten ihre Feinde, die Jordanier, beerdigten. Moas erzählt: „Sie sollten zeigen, dass sie Menschen sind, die die menschliche Würde anerkennen.“ Als 1995 Premierminister Jitzhak Rabin den jordanischen König Hussein traf, soll dieser ihn gebeten haben, ihm die sterblichen Überreste der Soldaten zu bringen, die 1967 gegen seine Armee kämpften. Er dankte ihnen mit den Worten: „Was ihr uns mit dem Begräbnis unserer Toten getan habt, war das Größte, das ihr für uns tun konntet.“

Gegen Ende der Ausstellung taucht auch Sara Cohen wieder auf. Ein Soldat berichtet über den Audioguide: „Mit zitternden Händen hissten wir die Flagge von Sara Cohen, als wir in der Altstadt ankamen. Mein Kamerad Stempel hatte die Hand am Helm. Er zitterte und Tränen rannen über sein Gesicht. Niemals werden wir das hier verlassen.“ Auf großen Wänden sind Fotos von Soldaten und der Klagemauer zu sehen. Gleichzeitig wird das Lied „Jerusalem aus Gold“ eingespielt, diesmal mit Text.

Einladung zum Nachdenken

Von den 600 im Sechs-Tage-Krieg gefallenen israelischen Soldaten kamen 182 in Jerusalem ums Leben. In der Ausgangshalle liegen unter den Namen der Gefallenen 182 Steine von den unterschiedlichen Kampforten in Jerusalem. Moas schließt mit den Worten: „Dieser Ort ist nicht Latrun und nicht Yad Vashem. Der Munitionshügel ist etwas ganz anderes. Er will zum Nachdenken einladen und die menschliche Würde anerkennen.“ (Israelnetz)

 

 

 

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