Rivlin und Netanjahu: Gemeinsam für Meinungsfreiheit eintreten

Führende israelische Politiker haben den Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ scharf verurteilt. In Kondolenzschreiben riefen sie zur Einheit im Kampf gegen den islamistischen Terror auf.

Führende israelische Politiker haben den Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ scharf verurteilt. In Kondolenzschreiben riefen sie die westliche Welt zur Einheit im Kampf gegen den islamistischen Terror auf.

Das Attentat auf die Mitarbeiter der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris hat weltweit Entsetzen hervorgerufen. Wegen Drohungen anlässlich islamkritischer Karikaturen stand die Redaktion des Magazins seit mehreren Jahren unter Polizeischutz. Dennoch konnten die offenbar gut informierten Täter am 7. Januar 2015 dort ihr Massaker verüben. Zwölf Menschen wurden erschossen, unter ihnen zwei Polizisten. 20 Opfer werden noch in Krankenhäusern behandelt, vier von ihnen sind schwer verwundet.

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin bekundete den Franzosen nach dem Anschlag sein Beileid. In dem Kondolenzbrief schrieb er weiter: „Wir alle in der freien Welt sind mit der Bedrohung des Terrors konfrontiert. Wir müssen vereint im Kampf gegen diejenigen stehen, die gegen die freie Meinungsäußerung kämpfen und das Leben so vieler zerstören wollen. Leider sind mir das Entsetzen und die Trauer nach solch mörderischen Angriffen nicht fremd. Wir stehen an der Seite Frankreichs in seiner Entschlossenheit, die Redefreiheit und die Pressefreiheit zu verteidigen, welche die Hauptstützpfeiler jeder Demokratie sind.“

Auch Regierungschef Benjamin Netanjahu äußerte seine Anteilnahme „angesichts der brutalen Akte der Barbarei heute im Herzen von Paris“. „Die Angriffe des radikalen Islam kennen keine Grenzen – es sind internationale Angriffe, und die Antwort muss international sein“, wird er in einer Mitteilung des israelischen Außenministeriums zitiert. „Die Terroristen wollen unsere Freiheiten und unsere Zivilisation zerstören. Deshalb müssen sich alle freien Länder und die zivilisierten Gesellschaften zusammenschließen, um dieses Übel zu bekämpfen. Wenn wir zusammenstehen und nicht gespalten sind, können wir diese Tyrannei besiegen, die alle unsere Freiheiten auslöschen will.“

Außenminister Avigdor Lieberman teilte mit: „Ich sende dem französischen Volk und der französischen Regierung meine Beileidswünsche. Israel teilt Frankreichs Schmerz. Terror und Terroristen dürfen nicht die Erlaubnis erhalten, die freie Welt zu terrorisieren. Der Westen muss gegen diese Bedrohung fest vereint stehen.“

Abbas und Arabische Liga verurteilen Attentat

Verurteilungen kamen auch aus der islamischen Welt. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sandte am 7. Januar 2015 ein Telegramm an den französischen Staatspräsidenten François Hollande. Palästina „verurteilt auf das Schärfste das abscheuliche Verbrechen, das im Widerspruch zu Religion und Moral steht“, heißt es darin laut der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma‘an“. Abbas bekundete sein herzliches Beileid für die Franzosen und die Angehörigen der Todesopfer, verbunden mit der Hoffnung auf baldige Genesung für die Verletzten.

Die Arabische Liga verurteilte das Attentat auf die Journalisten ebenfalls. Die Al-As‘har-Universität in Kairo wiederum sprach von einem „verbrecherischen Angriff“, schreibt die ägyptische Nachrichtenagentur MENA. Die Vereinigung der islamischen Organisationen in Europa ließ verlauten, die Täter hätten keine Verbindung zum Islam und zu den Muslimen.

Ein 18-jähriger Täter hat sich mittlerweile der französischen Polizei gestellt, zwei Brüder algerischer Abstammung mit französischer Staatsangehörigkeit sind noch auf der Flucht. Medienberichten zufolge waren sie in jüngster Zeit aus Syrien zurückgekehrt, wo sie offenbar für den „Islamischen Staat“ gekämpft hatten.

„Juden bleiben bedroht“

Der jüdische Abgeordnete Meyer Habib vertritt französische Staatsbürger, die in Israel und sieben weiteren Mittelmeerländern leben, in der Pariser Nationalversammlung. Er sagte dem israelischen Fernsehsender „Kanal 2“: „Dies ist ein sehr trauriger Tag. Es ist unser 11. September.“ Er fügte an: „Wir befinden uns in einem Kampf gegen den Dschihadismus, gegen diese Finsternis. Wir müssen unsere Augen öffnen.“

Eines der Todesopfer ist Georges Wolinski, der Sohn einer Jüdin aus Tunesien und eines polnischen Juden. Er arbeitete seit 1960 für unterschiedliche Medien und galt als einer der einflussreichsten Karikaturenzeichner in Frankreich. Habib verwies auf die Anschläge auf eine jüdische Schule in Toulouse von 2011 und auf das Jüdische Museum in Brüssel vom vergangenen Mai. Zwar seien Juden diesmal nicht speziell im Visier der Attentäter gewesen, betonte der Politiker. Aber „die Juden sind immer in der Frontlinie. Ich bin bedroht, wie alle Juden“. Die Dschihadisten wollten die Infrastruktur in Frankreich zerstören. Die jüdische Führung sei besorgt, weil 200 Synagogen und zahlreiche Schulen beschützt werden müssten.

„Mutige Journalisten“

Der israelische Karikaturist Amos Biderman äußerte sich nach dem Pariser Anschlag besorgt: „Ich persönlich habe mich seit dem Sturm angesichts der dänischen Karikaturen, die 2005 Mohammed darstellten, bedroht gefühlt“, schrieb er in der Tel Aviver Tageszeitung „Ha‘aretz“, für die er tätig ist. Damit bezog er sich auf Abbildungen in der Zeitung „Jyllands-Posten“, die eine Welle islamistischer Gewalt ausgelöst hatte.

Der Zeichner sieht in dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ einen Erfolg der Bösen: „Lasst uns nicht versuchen, die Dinge schönzufärben. Die bösen Kerle haben gewonnen – jene Kerle vom Islamischen Dschihad, Al-Qaida, dem Islamischen Staat, wie immer man sie nennen möchte. Sie haben im Kampf um die freie Meinungsäußerung einen großen Sieg errungen.“

Biderman stellte außerdem fest: „Die französische Regierung hatte in der Vergangenheit die Leute von ‚Charlie Hebdo‘ aufgefordert, damit aufzuhören, Bilder zu veröffentlichen, die die Empfindlichkeiten des radikalen Islam ignorierten. Keine ähnlichen Anfragen wurden zu Karikaturen gemacht, die das Rabbinat oder den Vatikan verspotteten, und natürlich gab es solche Karikaturen.“

Der Israeli würdigte die Opfer: „Jeder hat Angst, aber es wird immer diese Kamikazeflieger geben, wie die Journalisten von ‚Charlie Hebdo‘. Sie sind äußerst dünn gesät und wirklich mutig. Ich hatte ihre Ausgaben verfolgt und gewusst, dass es böse enden würde. Es hätte nicht anders sein können.“ (Israelnetz)

Bild:Israels Premier Benjamin Netanjahu (rechts) hat sich am 9. Januar 2015 mit dem französischen Botschafter in Israel, Patrick Maisonnave (links), getroffen. Foto: Haim Zach/GPO

 

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