Rekord bei der 14. Europäischen Makkabiade in Berlin

Erstmals fand die Europä­ische Makkabiade, der Sportwettbewerb für Juden aus aller Welt, in Deutschland statt. Dabei gab es auch einen besonderen Rekord.

Erstmals fand die Europä­ische Makkabiade, der Sportwettbewerb für Juden aus aller Welt, in Deutschland statt. Dabei gab es auch einen Höhepunkt, der ins „World Guinness Buch der Rekorde“ eingegangen ist.

Vom 28. Juli bis zum 5. August 2015 wurde in Berlin die 14. Europä­ische Makkabiade ausgetragen. Erstmals fand der Sportwettbewerb für Juden aus aller Welt in Deutschland statt – 70 Jahre nach Ende der Schoah, 50 Jahre nach der Aufnahme der diplomatischen Bezie­hungen zwischen Deutschland und Israel sowie 50 Jahre nach der Wiedergründung von Makkabi Deutschland als Dachverband des jü­dischen Sports im Land.

Die offizielle Eröffnungsfeier wurde am 28. Juli in der Berliner Wald­bühne vom Schirmherrn der Spiele, Bundespräsident Joachim Gauck, eröffnet. Der Einmarsch der nationalen jüdischen Sportdelegationen sowie der gemeinsame Auftritt der Künstler Matisyahu und Adel Tawil (Ich+Ich) waren Teil des festlichen Programms.

Die traditionelle Entzündung des Makkabi-Feuers übernahm erst­mals eine Gruppe von Motorradfahrern. Sie stehen in der Tradition jener Motorradfahrer, die 1931 in einer Tour durch ganz Europa die Nachricht der erstmals in Tel Aviv stattfindenden Makkabiade in die Welt trugen. Als Symbol für das 50-jährige Jubiläum deutsch-israelischer Beziehun­gen trat ein 50-köpfiges Jugendorchester auf, das jeweils zur Hälfte aus Deutschen und Israelis besteht. Die Berliner Band „Jewdyssee“ sang die offizielle Hymne der Makkabiade, „Maccabi Chai“.

Besonderer Ort

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte im Vorfeld in einem Gruß­wort, Deutschland sei „zutiefst dankbar“, dass nach der Schoah wieder Vertrauen in das Land da sei, das so einen Wettbewerb möglich mache. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, stellte in diesem Sinne die Bedeutung des Ortes heraus: Den Olympia­park nutzten die Nazis einst für ihre Propagandashow. Heute wetteifern Juden an selber Stelle.

Bei den Spielen traten rund 2.300 Sportler aus 36 Ländern in 19 ver­schiedenen Sportarten an. Die größte Delegation mit 365 Teilnehmern kam aus Deutschland. Israel entsandte 118 Athleten. 300 freiwillige Hel­fer betreuten Sportler und Zuschauer. Der zentrale Wettkampfort war der Olympiapark, der Eintritt zu den Wettbewerben war frei.

Politischer Sport

Die Makkabiade ist benannt nach dem jüdischen Freiheitskämpfer Judas Makkabäus, der im 2. Jahrhundert vor Christus den Aufstand der Makkabäer anführte. Die Sportbewegung entstand im frühen 20. Jahr­hundert. Kerngedanke war dabei, Juden körperlich auf die landwirt­schaftliche Erschließung Palästinas vorzubereiten.

1929 fand die erste Makkabiade bei Prag statt. Seit 1979 gab es alle vier Jahre eine Makkabiade in verschiedenen europäischen Städten. Neben der europäischen Variante gibt es seit 1966 auch eine panameri­kanische, die in diesem Jahr in Chile stattfindet.

Im heutigen Israel wurde zum ersten Mal 1932 eine Makkabiade ver­anstaltet. 1953 legten sich die Veranstalter auf den Vier-Jahres-Rhyth­mus fest. An der bislang letzten Makkabiade in Israel im Jahr 2013 nah­men 9.000 Sportler teil.

Rekord

In ihrer Bedeutung sehen Beobachter den Sport bei der 14. Europäischen Makkabiade als Nebensache. Im Kern ging es um das gewachsene Selbstbewusstsein der Juden.

In einem Artikel vom Ende eines Sportfestes sind handfeste Zahlen zu den Ergebnissen schicklich – zumal, wenn ein Weltrekord zu vermelden ist: Am 31. Juli 2015 fanden sich 2.322 Juden in Berlin zu einem Sabbatmahl ein. Es war Teil und Höhepunkt der 14. Europäischen Makkabiade. Das Sabbatmahl fand Eingang in das „World Guinness Buch der Rekorde“. Die Berliner übertrumpften den Tel Aviver Rekord vor einem Jahr: Damals nahmen 2.226 Menschen an einem Sabbatabend teil.

Mit dieser Nachricht ist das Wesentliche der Spiele erfasst: Sport stand bei dem Sportfest eher im Hintergrund. Entsprechend wenig ist die offizielle Webseite des Ereignisses auch bemüht, mit Statistiken aufzuwarten, und sei es nur ein Medaillenspiegel. Zumindest die Wochenheitung „Jüdische Allgemeine“ (JA) hält fest: Deutschland hat mit 144 die meisten Medaillen erzielt, die USA und Großbritannien folgen. Israel landete mit 21 Medaillen auf Platz 5. Aber ist das am Ende wichtig? „Wir sind alle entfernte Cousins“, sagte ein Italiener während des Sabbatmahls“, wie die „Guinness“-Seite festhält.

Selbstbewusstsein geschöpft

Im Kern ging es bei dem Ereignis also um das jüdische Wir-Gefühl. So sieht es jedenfalls die JA, die in der Makkabiade vor allem ein „großes, buntes, jüdisches Fest“ sieht, das ein „Ausdruck von gewachsenem Selbstbewusstsein“ war. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, denkt in die gleiche Richtung, wie er der JA sagte. „Wichtig ist mir, dass die Sportler sich als Teil einer großen, weltweit jüdischen Gemeinschaft fühlen können und daraus Selbstbewusstsein schöpfen.“

Völlig ungetrübt war die Freude jedoch nicht. Während der Spiele wurden Juden auf den Straßen Berlins angegangen, fanden sich antisemitische Schmierereien an der East Side Gallery. Der Vorsitzende der Makkabiade in Deutschland, Alon Meyer, gab eine Warnung an Juden aus, den Stadtteil Neukölln zu meiden – jener Stadtteil also, in dem das weltgrößte Sabbatmahl stattgefunden hatte.

Vorfreude auf 2017

Diese Vorkommnisse waren es dann auch, die den israelischen Medien aufgefallen sind. „Europäische Makkabiade durch Antisemitismus ruiniert“, titelte die „Jerusalem Post“. „Juden in Deutschland belagert“, hieß es in einem Gastbeitrag bei „Arutz Scheva“.

Für die Teilnehmer überwog am Ende dann aber doch die Freude über das (Sport-)Fest. Trotz allem, so war bei der Abschlussfeier zu hören, sei jüdisches Leben in Berlin eine Selbstverständlichkeit. „Es war wirklich Zeit, die Spiele hier in der Stadt zu veranstalten“, sagte Meyer laut JA. Und nach dem Fest ist vor dem Fest: Im Jahr 2017 geht es zu den Makkabi-Spielen wieder nach Israel. (Israelnetz/Redaktion)

Mehr Infos und Videos von der Makkabiade hier

Bild: Während der Eröffnungsfeier der Makkabiade am 28. Juli 2015 in der Berliner Waldbühne. Foto: Martin Lehmann

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