Petition gegen Absperrungen an der Grabeskirche

Da 2014 das Osterfest der orthodoxen Ostkirchen mit dem Ostern der Westkirchen zusammenfällt – auf den 20. April -, werden zu den Feiertagen besonders viele Christen in der Grabeskirche in Jerusalem erwartet. Die Absperrungen bei der Grabeskirche sind allerdings für viele Gläubige ein Ärgernis.

Da 2014 das Osterfest der orthodoxen Ostkirchen mit dem Ostern der Westkirchen zusammenfällt – auf den 20. April -, werden zu den Feiertagen besonders viele Christen in der Grabeskirche in Jerusalem erwartet. Bei der Kirche befinden sich seit 2001 Absperrungen – aus Sicherheitsgründen. Palästinensische Christen haben beim Obersten Gericht Israels eine Petition gegen diese Absperrungen eingereicht.

Die Osterfeuerzeremonie in der Jerusalemer Grabeskirche zählt zu den Höhepunkten christlicher Feiern. Ein Feuer fällt vom Himmel herab zu einem griechisch-orthodoxen Priester im versiegelten Grab Jesu, und der reicht es hinaus zu Tausenden mit Kerzenbündeln wartenden Gläubigen. In Sekundenschnelle breitet sich das Feuer unter lautem Jubelgeschrei und bimmelnden Kirchenglocken aus. Aufgrund des Gedränges kann es durchaus passieren, dass Haare und Kleider Feuer fangen.

Früher war der Zugang zur relativ kleinen Grabeskirche aus der Kreuzfahrerzeit noch unbeschränkt. Ab dem Jahr 2001, wenige Monate nach Ausbruch des zweiten Palästinenseraufstands „Intifada“, meldete die Feuerwehr Bedenken an. Die sechs in dem Gotteshaus vertretenen christlichen Gemeinschaften wurden aufgefordert, wenigstens einen Notausgang zu schaffen. Doch wegen Machtkämpfen konnten sich die Kirchen nicht einigen. Heute gibt es nur ein einziges Tor zur Kirche, über das zwei muslimische Familien die Schlüsselgewalt haben. Selbst die christlichen Patriarchen müssen anklopfen und den muslimischen Wächter um Einlass bitten.

Die Israelis, stets um „Sicherheit“ besorgt, haben ab Ostern 2001 den Zugang zur Kirche großräumig mit Gittern gesperrt. Nur noch abgezählte Pilger durften seitdem das Gotteshaus betreten, während nahe der Kirche Rettungskräfte Bahren und Erste-Hilfe-Stationen „für den Notfall“ bereitstellten. Tausende aus aller Welt angereiste Pilger wurden abgewiesen und verpassten das „wichtigste Erlebnis“ ihres Lebens am Grab Jesu. Das führte immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen, etwa wenn vor laufenden Kameras ein 80 Jahre alter Priester unbeirrt versuchte, die Absperrungen zu durchbrechen und daraufhin von israelischen Polizisten unsanft zurückgedrängt wurde.

Klage gegen Absperrung
Im Februar haben palästinensische Christen beim Obersten Gericht eine Petition gegen die Absperrungen eingereicht. Die christlichen Kirchenführer, also die Griechisch-Orthodoxen, Armenier, Syrer, Äthiopier und der franziskanische Custos schlossen sich an. In einem internen EU-Report, am 18. März 2014 veröffentlicht, wurde schon zuvor die „Aggressivität“ der israelischen Polizei und das Tragen von Waffen im Gotteshaus als „sehr beunruhigend“ verurteilt.

Vor dem Obersten Gericht argumentierte der Vertreter des Staates, dass das Gericht sich nicht in „vernünftige Überlegungen der Polizei“ einmischen solle. Die Polizei erklärte, dass sie die Religionsfreiheit garantiere, gleichzeitig aber auch Verantwortung für die „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ trage. Straßensperren rund um die Grabeskirche und eine Überwachung des Zugangs seien notwendig, „um ein Desaster abzuwenden und die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten“.

Pater Ibrahim Schomali aus Beit Dschala bei Bethlehem bezeichnete es gegenüber „Radio Vatikan“ als “frustrierend”, bei den Israelis einen Passierschein beantragen zu müssen, um in der Osterwoche von den palästinensischen Autonomiegebieten nach Jerusalem reisen zu können. In den vergangenen Jahren hat Israel Christen, sogar aus dem sonst blockierten Gazastreifen, bevorzugt Einreisegenehmigungen ausgeteilt. Schomali behauptet: „Das sitzt tief in der israelischen Mentalität drin, dass die Kirche in Jerusalem nur eine Kirche für die Ausländer ist!” Für ihn sei es ein “Menschenrecht”, an der Liturgie in Jerusalem teilnehmen zu dürfen. „Wir sind hier geboren, und man lässt uns nicht passieren“, meint er,

In diesem Jahr 2014 werde alles „noch schlimmer“, weil das Osterfest der orthodoxen Ostkirchen mit dem Ostern der Westkirchen zusammenfällt. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr die Juden in der gleichen Woche ihr Pessachfest begehen und zu Tausenden zur Klagemauer in Jerusalem pilgern.
Von: Ulrich W. Sahm/Israelnetz

Bild: An der Grabeskirche in Jerusalem. Foto: ISRANET

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