Notleidende Holocaust-Überlebende in Israel

Rund 45.000 Holocaust-Überlebende in Israel leben an oder unter der Armutsgrenze. Die Zeitspanne, ihnen zu helfen, wird immer kürzer – aber noch können wir viel tun!

 Notleidende Holocaust-Überlebende in Israel

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Das letzte Kapitel heißt Würde

Wie Holocaustüberlebenden in Not geholfen werden kann

 „Ich bin heute hier, um meinen persönlichen Sieg zu verkünden!“ ruft Asher Aud in die Dunkelheit des Zuschauerraums und reckt seine Faust in die Luft. „Heute ist mein zweiter Geburtstag, denn vor 70 Jahren wurde ich aus der Gewalt der Nationalsozialisten befreit und konnte ein neues Leben beginnen!“ Der 86-jährige Holocaustüberlebende strahlt in die Menge. Er ist an diesem Abend nach Bonn gekommen, um 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs über sein Lebensthema zu sprechen: Wir dürfen nicht vergessen, aber das Leben muss weitergehen. Und am besten geht es gemeinsam – versöhnt und im Dialog, zwischen einzelnen Menschen, Ländern und Generationen.

Deshalb erzählt Asher Aud seit einigen Jahren in Israel und auf der ganzen Welt seine Geschichte. Er spricht zu Schülern, Lehrern, Soldaten, jungen und alten Menschen, Israelis und Deutschen, vor großen Zuschauermengen und im kleinen Kreis. Er schildert nicht nur anschaulich die Stationen seines Lebens und seines Leidensweges in jungen Jahren. Er spricht auch über das Leben im jungen Staat Israel, erzählt von Hoffnung, Lebensfreude und Aufbruchstimmung. Er hat viel zu sagen und die Zuhörer hängen an seinen Lippen, trotzdem verzichtet er auf belehrende Lebensweisheiten und großväterlichen Rat. Seine Geschichtespricht für sich.

Asher Aud lässt seine Zuhörer am Ende eines Abends mit ihm nicht einfach mit einem flauen Gefühl im Magen nach Hause gehen. Vielmehr bietet er eine ausgestreckte Hand, eine praktische und für jeden Menschen umsetzbare Antwort auf das Gehörte: 70 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten kann jeder Einzelne noch etwas tun– und zwar in einem Zeitfenster, das sich zunehmend schließt. Denn viele Holocaustüberlebende in Israel leben heutzutage in großer sozialer Not. Durch praktische Unterstützung dieser Menschen kann ein konkreter Beitrag zur Wiederherstellung von Würde und Versöhnung geleistet werden.

Unter dem Titel „Aktion Würde und Versöhnung“ wurde aus diesem Grund im Jahr 2012 ein deutsch-israelisches Aktionsbündnis ins Leben gerufen, für das Asher Aud wirbt und das er nach Kräften unterstützt. Ziel ist es, in Deutschland über die Situation bedürftiger Holocaustüberlebender in Israel zu informieren und in der deutschen Zivilgesellschaft zu Spenden für die Hilfsprojekte der israelischen Partnerorganisationen aufzurufen. Partner sind die deutsche Initiative 27. Januar e.V. und die israelischen Organisationen Hadassah, Helping Hand Coalition und Keren Hayesod.

Die Notwendigkeit der Hilfe ist angesichts der Notlage, in der sich viele Holocaustüberlebende in Israel befinden, offensichtlich. Nach aktuellen Zahlen leben in Israel heute noch etwa 190.000 Menschen wie Asher Aud, die der Mordmaschinerie der Nazis entkommen sind. Ungefähr 45.000 von ihnen leben an oder unter der Armutsgrenze und benötigen Unterstützung für Lebensmittel und Medikamente. Zudem benötigen viele von ihnen psychologische Hilfe und betreuten Wohnraum.

Zwar konnten seit Bestehen der „Aktion Würde und Versöhnung“ bereits etwa 200.000 EUR Spendengelder aus Deutschland zugunsten bedürftiger Holocaustüberlebender nach Israel weitergegeben werden. Da vielfach jedoch weiterhin Not besteht und die Zeit für die Hilfe drängt, wurde im Jahr 2015 von diesem Aktionsbündnis eine besondere bundesweite Kampagne ins Leben gerufen: „Auschwitz70 – Höchste Zeit für Würde und Versöhnung“.

Der Kampagnentitel nimmt Bezug auf den 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz im Januar 2015. Anlässlich dieses Gedenktages und weiterer denkwürdiger Daten bis hin zum 8. Mai, dem 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa, mit dem der Holocaust endete, wurde öffentlich für das Anliegen der „Aktion Würde und Versöhnung“ geworben. Mit Infoständen in Fußgängerzonen, Briefkastenaktionen und weiteren Aktivitäten konnten Menschen in ganz Deutschland für die Situation bedürftiger Holocaustüberlebender sensibilisiert und Spenden gesammelt werden. Die frühere Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth hatte die Schirmherrschaft für die Kampagne übernommen.

Asher Aud, der auch Leiter eines Verbands von Holocaustüberlebenden in Jerusalem ist, sprach im Rahmen der Kampagne auch in Berlin über die „Aktion Würde und Versöhnung“ – auf Einladung der Bundespressekonferenz und Seite an Seite mit dem Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich und dem Vorsitzenden der Initiative 27. Januar e.V., Harald Eckert. Am folgenden Tag erzählte er vor der gesamten Redaktion der BILD einmal mehr die eindrucksvolle Geschichte seines Lebens, worüber die Zeitung bundesweit berichtete.

Das Interesse ist groß – 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschäftigt die Menschen in Deutschland noch immer, wie sie mit der schwierigen Vergangenheit ihres Landes umgehen sollen. Viele suchen nach einer Möglichkeit, in heutiger Zeit einen Beitrag zur Aufarbeitung der Vergangenheit zu leisten. Die „Aktion Würde und Versöhnung“ bietet einen praktischen Weg, um Überlebenden des Holocaust zu ermöglichen, das letzte Kapitel ihres Lebens in Würde zu verbringen.

Weitere Informationen zum Aktionsbündnis, zur Kampagne und zu Asher Aud

unter www.aktion-wuerde-und-versoehnung.de

Matthias Böhning, Kampagnenmanager der „Aktion Würde und Versöhnung“

 

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