Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat eine „neue Ära“ der Beziehungen zu Lateinamerika verkündet. „Es ist unglaublich, dass in den 70 Jahren der Existenz Israels kein israelischer Regierungschef ein Land der westlichen Hemisphäre südlich der Vereinigten Staaten besucht hat“, betonte er am 12. September 2017 in Buenos Aires gegenüber dem argentinischen Präsidenten Mauricio Macri.

Israels Premier Netanjahu (links) und Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri (rechts) am 12. September 2017 in Buenos Aires. Foto: GPO/Avi Ohayon

Netanjahu sagte weiter, Israel und Argentinien könnten in vielen Bereichen zusammenarbeiten. Als Beispiele nannte er die Landwirtschaft, die Digitale Gesundheit und die Sicherheit. Beim Themenfeld Sicherheit erwähnte er insbesondere den Iran und die Terrormiliz Hisbollah. Er betonte laut Mitteilung seines Büros, Israel betrachte das Atomabkommen nach wie vor als einen „schlechten Deal“. „Entweder man verbessert ihn, oder man gibt ihn auf.“

Netanjahu: Wir sind eine Familie

Bereits am 11. September 2017 hatte Netanjahu in Buenos Aires jüdischer Anschlagsopfer gedacht. Bei den Terrorakten 1992 auf die israelische Botschaft und 1994 auf ein jüdisches Gemeindezentrum in der argentinischen Hauptstadt kamen insgesamt 115 Menschen ums Leben. Netanjahu machte den Iran für die Angriffe verantwortlich. Bei der Kranzniederlegung am Botschaftsplatz betonte er, er verstehe den Schmerz der Angehörigen: „Wir sind eine Familie. Die Narbe bleibt, aber wir haben die Fähigkeit, einander zu unterstützen.“

Aus den Anschlägen sei jedoch auch eine Lektion zu lernen, sagte Netanjahu weiter: Gegen Terrorismus müsse man entschlossen vorgehen. Dies gelte sowohl für schiitischen Extremismus, wie ihn der Iran und die Hisbollah verbreiteten, als auch für sunnitischen Extremismus, wie ihn die Terrormiliz Islamischer Staat verbreite. Er dankte den argentinischen Behörden und dem Staatspräsidenten für das Engagement in der Aufklärung der Anschläge. „Die Zeit ist gekommen, den Verantwortlichen die volle Verantwortlichkeit aufzuerlegen und sie ein für alle Mal zu verurteilen.“

Um die Aufklärung der Fälle ranken sich Ungereimtheiten. Im Jahr 2015 beging der Ermittler Alberto Nisman Selbstmord. Die Staatsanwaltschaft vermutet, Nisman sei bedroht worden. Er hatte geplant, Vorwürfe gegen argentinische Politiker zu erheben. Diese hatten seiner Ansicht nach eine iranische Beteiligung an dem Attentat auf das jüdische Gemeindezentrum im Jahr 1994 verschleiern wollen.

Von Südamerika nach New York

Nachfolgend traf Netanjahu Vertreter der jüdischen Gemeinschaft in Argentinien. Er nannte die Gemeinschaft die „menschliche Brücke“ zwischen Israel und dem südamerikanischen Land. Mit Blick auf den weltweiten Antisemitismus sagte er, selbst die Zionisten der ersten Stunde hätten nicht geglaubt, der Staat Israel würde zu einer Abnahme des Judenhasses führen. Doch mit dem Staat hätten Juden die Fähigkeit, zurückzuschlagen.

Ebenfalls in Buenos Aires traf sich Netanjahu am 12.September 2017 mit dem paraguayischen Präsidenten Horacio Cartes. In der argentinischen Hauptstadt vereinbarten die beiden, die Zusammenarbeit zwischen Israel und Paraguay zu verbessern.

Weitere Stationen der Lateinamerika-Reise sind Kolumbien und Mexiko. Danach reist der Premier weiter nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen. Dort wird er nach Angaben des Außenministeriums am 19. September 2017 eine Rede halten.  (Israelnetz)

 

 

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