Mit der Bundestagswahl am 24. September 2017 schaute die Welt auf Deutschland. Aus Israel erhielt die Kanzlerin Angela Merkel Glückwünsche. Die Zeitungen im Land thematisieren vor allem zwei Punkte: den Einzug der AfD in den Bundestag und Merkels schwierige Bildung einer Koalition.

Israels Premier Netanjahu und Bundeskanzlerin Merkel im Historischen Museum in Berlin in der Sonderausstellung „Kunst aus dem Holocaust“ am 16. Februar 2016, zwischen den beiden die Ehefrau des Premiers, Sara Netanjahu. Foto: Amos Ben Gershom/GPO

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu gratulierte Merkel über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er schrieb: „Glückwünsche für Angela Merkel, eine wahre Freundin Israels, zu ihrer Wiederwahl als Kanzlerin von Deutschland.“

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, gratulierte Merkel laut einer Erklärung zum Erfolg bei der Bundestagswahl. „Merkel ist ein wahrer Freund Israels und des Jüdischen Volkes“, hieß es darin. Er lobte, wie sie den Staat Israel verteidige, sowie ihren Einsatz im Kampf gegen den Antisemitismus. Den Einzug der AfD in den Bundestag verurteilte er als „verabscheuungswürdig“.

AfD-Spitzenkandidat Gauland: „Wir stehen an der Seite Israels“

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat das Existenzrecht Israels bekräftig. Seine Partei sei zudem nicht gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet. „Es gibt nichts, was jüdische Menschen in Deutschland beunruhigen könnte oder sollte“, sagte Gauland auf einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. Weiter erklärte er, die AfD stehe an der Seite Israels. Es sei jedoch schwierig zu beantworten, ob das Existenzrecht zur deutschen Staatsräson gehöre. Denn dies bedeute, dass deutsche Soldaten zur Verteidigung Israels eingesetzt werden müssten. „Wenn es wirklich zum Schwur kommt, wird das schwierig“, sagte Gauland.

Zeitung: Lange Regierungszeit bringt „Stagnation und Lähmung“

Die linksorientierte Tageszeitung „Ha‘aretz“ schreibt in ihrer Onlineausgabe: „Die Zahlen zeigen, dass viele Deutsche ihr Vertrauen in Merkels Führung verloren haben. Nun bleibt sie mit einer einzigen und schwer zu organisierenden Koalitionsoption zurück.“ „Ha’aretz“ betitelt eine Analyse mit den Worten: „Eine Katastrophe für Merkel“.

Noch am Sonntag schrieb die Zeitung: „Merkel ist jetzt der deutsche Netanjahu.“ Beide politische Anführer bewiesen, „dass Langlebigkeit und Stabilität in der Politik zu oft ein Rezept für Stagnation und Lähmung sind“.

Auch interessant für „Ha‘aretz“ ist AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel. Mit dieser Überschrift stellt sie die Politikerin vor: „Lernen Sie Alice Weidel kennen, die ehemalige Goldman-Sachs-Bankerin und lesbische Leitern von Deutschlands Rechtsextremen“.

Jagd auf Merkel

Die Zeitung „Yediot Aharonot“ thematisiert den Einzug der AfD in den Bundestag: „Merkel behält die Macht, blutet aber Unterstützung wegen des rechtsextremen Aufstiegs“. Die „Anti-Immigrations-Partei AfD überwältigt das Establishment mit dem Gewinn von prognostizierten 13,1 Prozent der Stimmen, ein Ergebnis, das seit mehr als einem halben Jahrhundert eine rechtsextreme Partei in das Parlament bringt“.

Die „Jerusalem Post“ schreibt über eine „gezüchtigte Merkel“: „Beschädigt durch ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise 2015, gewinnt Merkels konservativer Block 32,9 Prozent der Stimmen.“

Als „einen der größten Schocks“ bezeichnete die Zeitung „die Stärke der AfD“. Sie zitiert den AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland. Er kündigte am Sonntagabend an, er wolle mit seiner Partei Merkel „jagen“ und „unser Land und unser Volk zurückholen“. (Israelnetz)

 

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