Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat angeordnet, den illegalen Außenposten Havat Gilad an das nationale Stromnetz anzuschließen. Mit der Maßnahme reagierte er auf den Mord an Rabbi Rasiel Schevach, der in dem Ort südwestlich von Nablus in Samaria wohnte. Politiker und Bewohner verlangen jedoch mehr.

An der Beisetzung von Rabbi Rasiel Schevach am 10. Januar 2018 im Außenposten Havat Gilad bei Nablus nahmen neben den Familienangehörigen auch viele Trauergäste teil. Foto: Miriam Alster /Flash90

Palästinensische Terroristen hatten am 9. Januar 2018 in der Nähe des Außenpostens Havat Gilad 22 Kugeln auf den 35-jährigen Rabbi abgefeuert, der gerade in seinem Auto unterwegs war. Der Schwerverletze wurde in ein Krankenhaus in Kfar Saba gebracht, konnte aber nicht wiederbelebt werden.

Rasiel Schevach war Rabbi und Mohel, beschnitt also jüdische Knaben. Er hinterlässt seine Ehefrau Jael Schevach und sechs Kinder im Alter zwischen zehn Jahren und zehn Monaten. Der Rabbi arbeitete auch als Freiwilliger für den Rettungsdienst „Magen David Adom“. Die Witwe erzählte nach dem Anschlag, er habe sie noch angerufen und gesagt: „Man hat auf mich geschossen. Bestelle einen Krankenwagen.“ Sie ergänzte: „Ich bin immer noch entsetzt und erregt darüber, mit welcher Leichtigkeit man auf uns schießt.“

Der Knessetabgeordnete Bezalel Smotritsch (HaBeit HaJehudi) war am Abend in der Nähe des Tatortes unterwegs und hielt nach eigenen Angaben an, um zu helfen. „Herr Verteidigungsminister, das muss aufhören!“, appellierte er laut der Tageszeitung „Ma’ariv“ an Avigdor Lieberman. „Weisen Sie die Sicherheitskräfte an, mit strenger Hand zu agieren! Machen Sie den Palästinensern klar, dass sie für jede derartige Aktion einen hohen Preis zahlen müssen.“

Premierminister Benjamin Netanjahu kondolierte den Angehörigen in einer Mitteilung seines Büros. Er versicherte, die Sicherheitskräfte würden alles tun, um den „abscheulichen Mörder“ aufzuspüren.

Amerikanischer Botschafter: Klar, warum es keinen Frieden gibt

Die radikal-islamische Hamas indes bekundete Unterstützung für den Anschlag: „Wir preisen die heldenhafte Operation von Nablus, die eine Reaktion auf die Verstöße und Verbrechen der zionistischen Besatzung auf Kosten unseres Volkes im Westjordanland und in Jerusalem ist“, wird sie von der Tageszeitung „Jerusalem Post“ zitiert.

Der US-Botschafter in Israel, Daniel Friedman, kritisierte auf Twitter die Hamas und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA): „Ein israelischer Vater von sechs Kindern wurde letzte Nacht kaltblütig von palästinensischen Terroristen getötet. Die Hamas preist die Mörder und die PA-Gesetze werden ihnen finanzielle Belohnungen gewähren. Suchen Sie nicht weiter danach, warum es keinen Frieden gibt. Ich bete für die trauernde Familie Schevach.“

Deutsches Außenministerium: Wer den Anschlag begrüßt, schürt Gewalt“

Das Auswärtige Amt in Berlin teilte am 10. Januar mit: „Der tödliche Anschlag gestern auf einen Bewohner eines israelischen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland bestürzt uns sehr. Wir verurteilen diesen hinterhältigen Mord auf das Schärfste. Der Familie und den Angehörigen des Opfers gilt unser tiefstes Mitgefühl.“ Weiter heißt es: „Diejenigen, die dafür Verantwortung tragen oder diesen Anschlag begrüßen, schüren die Gewalt, die eine Lösung des Nahostkonflikts auf dem Verhandlungsweg erschwert.“

Unterstützung von Politikern

Die Bewohner des Außenpostens haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Abrissmaßnahmen durch den israelischen Staat gewehrt. Der Gründer des Ortes, Mosche Zar, behauptet, das Land von Palästinensern gekauft zu haben. Palästinenser aus umliegenden Ortschaften bestreiten das jedoch.

Bildungsminister Naftali Bennett (HaBeit HaJehudi) forderte bei der Beerdigung des Rabbis am 10.Januar Netanjahu auf, die Legalisierung vorzunehmen, wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet. Prominente Politiker wie Knessetsprecher Juli Edelstein (Likud) und Kulturministerin Miri Regev (Likud) unterstützen die Bewohner ebenfalls in dem Anliegen.

Der Außenposten Havat Gilad ist derzeit nur provisorisch mit dem israelischen Stromnetz verbunden. Mit dem Anschluss würde der Strom zuverlässiger und auch mit einer höheren Spannung fließen. Die Maßnahme sehen Beobachter als Schritt zur Legalisierung der 2002 gegründeten Ortschaft. Bereits am 10. Januar 2018 teilte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu) mit, er lasse eine Legalisierung prüfen.

Mutmaßliche Täter aufgespürt

In der Nacht zum 19. Januar 2018 haben israelische Sicherheitskräfte die mutmaßlichen Täter aufgespürt. Beim Schusswechsel in Dschenin starb einer der Männer, zwei weitere konnten festgenommen werden. Ein Polizist wurde schwerverwundet in ein Krankenhaus eingeliefert. (Israelnetz)

 

 

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