Israels Premier Netanjahu, der griechische Premier Alexis Tsipras und der zypriotische Präsident Nicos Anastasiades (von rechts nach links) am 15. Juni 2017 in Thessaloniki. Foto: GPO/Amos Ben Gershom

Die Planung für die Mittelmeer-Gasleitung aus Israel nach Europa soll beschleunigt werden. Das haben der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, der griechische Premier Alexis Tsipras und der zypriotische Präsident Nicos Anastasiades am 15. Juni 2017 auf einem Gipfel in Thessaloniki beschlossen.

Netanjahu zeigte sich „begeistert“ von der Gasleitung, welche die drei Länder und Italien miteinander verbinden soll. Die 2.000 Kilometer lange Konstruktion soll im Jahr 2025 fertiggestellt sein und insgesamt umgerechnet 6 Milliarden Euro kosten.

Israel ein Erdgas-Exporteur

Aufgrund der Entdeckung der Leviathan- und Tamar-Gasfelder im Mittelmeer ist Israel ein Exporteur von Erdgas geworden, was wegen der israelischen Demokratie für Europa reizvoll ist. Die arabischen Nachbarn sind weniger begeistert: Jordanien hatte früher Erdgas aus Ägypten bezogen. Doch diese Lieferungen wurden eingestellt, nachdem Terroristen die Pipeline im Sinai mehrfach gesprengt und Pumpstationen zerstört hatten. Im vergangenen Monat wurde berichtet, dass Israel im Januar mit der Lieferung von Gas nach Jordanien begonnen habe, was zu anti-israelischen Protesten in der jordanischen Bevölkerung führte.

Technische Probleme

Im israelischen Fernsehen präsentierte der Konstruktionsingenieur Avi Scheffler die technischen Probleme beim Bau einer solchen Unterwasser-Gas-Pipeline: Für eine etwa 400 Kilometer lange Leitung im Schwarzen Meer von Russland in die Türkei hat man erstmalig ein Rohr in 2150 Metern Tiefe verlegt. Dazu seien nur zwei Spezialschiffe weltweit fähig. Jeder Kilometer koste vier bis fünf Millionen Dollar. „Das Problem ist nicht die Länge des Rohres, sondern die Wassertiefe“, sagte Scheffler. Zwischen Israel und Zypern sei das Mittelmeer etwa 3.000 Meter tief. Um in solcher Tiefe ein Rohr zu verlegen, gebe es bis heute keine „geprüfte Technologie“.

Die Rohre müssten einen Durchmesser von 24 Inch – das entspricht mehr als 70 Zentimeter – haben, um wirtschaftlich Gas zu transportieren. Die Rohre aus einem Spezialstahl würden auf dem Schiff verschweißt und senkrecht zum Meeresboden herabgelassen. Dort mache das Rohr eine „Biegung“, um flach auf dem Meeresgrund zu liegen. Problematisch sei vor allem der Berührungspunkt zwischen dem schon auf dem Boden liegenden Rohr und dem senkrechten neuen Rohr bei einem Druck von 300 Bar in einer Triefe von 3.000 Metern. Schluchten oder andere Hindernisse müssten vorher ermittelt und umgangen werden. Falls das Rohr beschädigt sei, könnten in einer Tiefe von über 2.000 Metern nur Roboter Reparaturen durchführen. Noch nie seien diese Roboter in solchen Tiefen eingesetzt worden. Scheffler hat seine 40-jährigen Erfahrungen unter anderem bei der Verlegung eines 800 Kilometer langen Rohres vom chinesischen Hainan nach Hongkong gesammelt. (Israelnetz)

 

 

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