Frankreichs Präsident Macron hat die Verantwortung seines Landes für die größte Massenverhaftung von Juden während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich bekräftigt. Zudem verurteilte er bei dem Gedenken in Paris, das auch der israelische Premier Netanjahu besuchte, Anti-Zionismus als neuen Antisemitismus.

Israels Premier Netanjahu (links) und Frankreichs Präsident Macron am 16. Juli 2017 in Paris. Foto: GPO/Haim Zach

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Anti-Zionismus als eine neue Form des Antisemitismus verurteilt. „Wir werden uns niemals einer Botschaft des Hasses ergeben, wir werden Anti-Zionismus nicht nachgeben, weil es eine Neuerfindung des Antisemitismus ist“, sagte das französische Staatsoberhaupt laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ am 16. Juli 2017 bei einer Gedenkveranstaltung zur Massendeportation französischer Juden in Paris. Beobachter werten diese Worte als beispiellose Äußerungen des französischen Politikers zur Unterstützung des jüdischen Staates. Macron richtete sich mit seinen Worten direkt an den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, der mit seiner Frau Sara zu dem Gedenken eingeladen war.

Frankreichs Präsident bekräftigte zudem die Verantwortung seines Landes für die größte Massenverhaftung von Juden während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich. Im Auftrag der deutschen Besatzer hatten französische Polizisten am 16. und 17. Juli 1942 bei der „Razzia vom Vél d’Hiv“ 13.152 Juden verhaftet. Darunter waren 4.000 Kinder. Anschließend wurden die Juden von der nationalsozialistischen SS in Sammel- und Konzentrationslager in Frankreich verschleppt, später in Vernichtungslager. Weniger als 100 Juden überlebten.

Kritik an Le Pen: Keine Wahrheit umkehren

„In der Tat ist es Frankreich, das das organisierte“, erklärte Macron. „Nicht ein einziger Deutscher“ habe sich daran beteiligt. „Die Zeit tut ihre Arbeit“, sagte der Präsident, „Archive öffnen sich, die Wahrheit kommt heraus. Sie ist krass, unwiderruflich.“ 1995 war der damalige Staatspräsident Jacques Chirac der Erste, der öffentlich die Beteiligung Frankreichs zugab und sich dafür entschuldigte.

In Bezug auf die rechtsgerichtete Vorsitzende des Front National, Marie Le Pen, verurteilte Macron „Politiker, die bereit sind, die Wahrheit umzukehren“. In ihrer Kampagne um das Präsidentenamt hatte Le Pen, die gegen Macron unterlag, darauf bestanden, dass Frankreich nicht für die Taten des Vichy-Regimes verantwortlich gemacht werden könne.

Werte unter „Stiefel des Antisemitismus“ zerdrückt

Auch Netanjahu sprach bei dem 75. Gedenktag der „Razzia vom Vél d’Hiv“. Er war laut „Times of Israel“ der erste israelische Staats- oder Regierungschef, dem diese Ehre zu teil wurde. „Vor 75 Jahren stieg eine schwere Dunkelheit auf die Stadt der Lichter herab. […] Die Nazis, ja, die Nazis und ihre Kollaborateure in Frankreich […] zerstörten die Leben tausender französischer Juden im ,Vél d’Hiv‘. Es scheint, dass die Werte der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – zerdrückt wurden, brutal zerdrückt wurden unter dem Stiefel des Antisemitismus.“ Der ehemalige Präsident „Chirac und seine folgenden Präsidenten verdienen viel Anerkennung für das Aussprechen der Wahrheit“.

Nach dem „schrecklichen Zweiten Weltkrieg baute sich Frankreich wieder auf zu einer erfolgreichen Demokratie mit Unternehmen und Kultur. So taten es auch die Juden von Frankreich“. Für viele symbolisierte Simone Veil genau diese Wiedergeburt. Die Jüdin überlebte Auschwitz und Bergen-Belsen. Als Ministerin in einem „erfolgreichen französischen Parlament“ und als Präsidentin des Europäischen Parlamentes habe Veil ihre Verfolger besiegt, erklärte Netanjahu – wie auch das jüdische Volk.

Islamisten wollen „europäische Zivilisation beseitigen“

Bei seiner Rede warnte Netanjahu auch vor der Terrororganisation „Islamischer Staat“ und vor militanten Schiiten, angeführt durch den Iran. Für sie gelte es, „die europäische Zivilisation zu besiegen, zu überwinden, zu unterwerfen und schließlich zu beseitigen“. Israel sei nur das erste westliche Ziel, was ihnen im Weg stehe. „Militante Islamisten hassen den Westen nicht wegen Israel. Im Gegenteil, sie hassen Israel wegen des Westens.“ Sie würden in Israel eine Bastion der gemeinsamen Werte Freiheit, Humanismus, Demokratie sehen. „Sie versuchen, uns zu zerstören, aber sie versuchen auch Sie zu zerstören, und Frankreich ist eine führende Macht in der Welt, eine führende Demokratie, so wird es nicht verschont bleiben.“

„Ihr Kampf ist unser Kampf“, betonte Netanjahu. Er rief dazu auf, gemeinsam gegen die Eiferer des militanten Islam zu kämpfen. „Für die geheiligte Ehre derer, die hier umgekommen sind, und für die Generationen, die kommen – lassen Sie uns einen Sieg erringen – den Sieg von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

An der Veranstaltung nahmen Leiter der französischen jüdischen Gemeinde und zahlreiche Holocaust-Überlebende teil. (Israelnetz)

 

 

 

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