„Lagerfeuerfest“: Israel feiert „Lag Ba’Omer“

„Lag Ba‘Omer“ unterbricht eine 49-tägige Trauerzeit zwischen Passafest und dem Wochenfest. Viele Israelis begehen diesen Tag mit Lagerfeuern, an denen sie Kartoffeln braten.

 

„Lag Ba‘Omer“ unterbricht eine 49-tägige Trauerzeit zwischen Passafest und dem Wochenfest. Viele Israelis begehen diesen Tag mit Lagerfeuern, an denen sie Kartoffeln braten – in diesem Jahr am 7. Mai.

„Omer“ ist der hebräische Ausdruck für „Garbe“. In 3. Mose 23,9-16 steht: „Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, und es aberntet, so sollt ihr die erste Garbe eurer Ernte zu dem Priester bringen … Danach sollt ihr zählen vom Tage nach dem Sabbat, da ihr die Garbe als Schwingopfer darbrachtet, sieben ganze Wochen … nämlich fünfzig Tage, sollt ihr zählen und dann ein neues Speiseopfer dem Herren opfern.“ Am Passafest erinnert sich das Volk Israel also nicht nur an den Auszug aus Ägypten. Pessach ist auch ein Erntedankfest.

Vom zweiten Tag des Passafestes an werden 49 Tage gezählt, bis am 50. Tag „Schawuot“, das Wochenfest, beginnt. Vom griechischen Wort für „50“ ist übrigens die Bezeichnung für das christliche „Pfingstfest“ abgeleitet. Die hebräischen Buchstaben Lamed und Gimel haben gemeinsam den Zahlenwert 33, nacheinander ausgesprochen ergeben sie „Lag“. „Lag Ba‘Omer“ ist somit der 33. Tag der Omer-Zählung.

Zu den Kindheitserinnerungen eines jeden Israeli gehört der Geruch von Feuer und gebratenen Kartoffeln genauso wie das Bild von Dutzenden riesiger Feuerstellen unter dem unendlich weiten Sternenhimmel. Am Vorabend des Halbfeiertages „Lag Ba‘Omer“ – in diesem Jahr ist das der Abend des 6. Mai – entzünden Juden in ganz Israel, in den Parks und in der Natur, aber auch am Straßenrand oder auf unbebauten Grundstücken, Lagerfeuer. Manche feiern mit Freunden, andere Feuerstellen werden von Schulklassen betreut. Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge sind allgegenwärtig, um schlimme Folgen der Feiern rechtzeitig abzuwenden.

Wie „Lag Ba‘Omer“ zum „Lagerfeuerfest“ wurde, ist unklar. Verschiedene Traditionen werden mit dem 33. der Omer-Zählung in Verbindung gebracht. Manche wollen mit dem Lagerfeuer an den Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer (132 bis 135 nach Christus) erinnern. Die aufständischen Juden hatten sich damals Nachrichten per Signalfeuer von Berg zu Berg übermittelt.

Eine traurige Erinnerung

Kabbalisten datieren den Todestag von Rabbi Schimon Bar Jochai auf „Lag Ba‘Omer“. Alljährlich versammeln sich deshalb Hunderttausende orthodoxer Juden am Berg Meron in Galiläa , wo er der Tradition zufolge beerdigt wurde. Dort findet ein riesiges Festival statt, auf dem viel getanzt und gesungen wird.

Die Omer-Zeit ist für das jüdische Volk eher eine traurige Erinnerung an die brutale Verfolgung durch die Römer. Auch der berühmte Rabbi Akiba und viele seiner Jünger wurden zur Zeit der Omer-Zählung ermordet. Einer anderen Überlieferung zufolge sollen 24.000 Torah -Schüler in dieser Zeit einer Epidemie zum Opfer gefallen sein, weil einer den anderen nicht genügend geachtet hatte. Deshalb wird während der Omerzählung eine Trauerzeit eingehalten, während der orthodoxe Juden ihr Äußeres vernachlässigen und keine Hochzeiten gefeiert werden.

Am 33. Omer soll dann aber das „Studenten-Sterben“ aufgehört haben. Deshalb wurde dieser Tag im Mittelalter zum Tag der jüdischen Studenten. Bis heute feiern die Studenten Israels Lag Ba‘Omer als ihr Fest. Nach einer Auslegung des 2. Buches Mose, Kapitel 16, von Moses Sofer fiel an diesem Tag zum ersten Mal Manna vom Himmel.

Auf jeden Fall werden am 33. Tag der Omer-Zählung die Trauerzeit und alle mit der Trauer verbundenen Sitten und Gebräuche unterbrochen. An „Lag Ba‘Omer“ darf man sich Bart und Haare wieder schneiden, und Hochzeiten können stattfinden. Deshalb ist dieser Tag in Israel als Hochzeitstag sehr beliebt. Und deshalb schneiden orthodoxe Juden an „Lag Ba‘Omer“ am Meron in einer feierlichen Zeremonie ihren dreijährigen Jungen zum ersten Mal die Haare. Orthodox-jüdische Buben unter drei Jahren sind von Mädchen nicht an der Frisur zu unterscheiden, sondern nur an der Kleidung. Die Mädchen tragen natürlich Röcke und Kleidchen, die Jungen Hosen.

Von: Krista Gerloff/Israelnetz

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