Dossier „Die Landesverheißung für Israel aus biblischer Sicht“ hier

 


Drei Kommentare zur EKD-Schrift:

„Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion“

 

EKD-Leitfaden: Selig sind die Unwissenden

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 23. Oktober 2012

Die evangelische Kirche Deutschlands hat eine Orientierungshilfe veröffentlicht unter dem Titel: „Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion“. Die 146 Seiten starke Broschüre wurde im Internet verbreitet.
http://www.ekd.de/download/20121024_gelobtes_land.pdf

Herausgegeben im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Union Evangelischer Kirchen in der EKD und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, haben sie Präses Nikolas Schneider, Landesbischof Dr. Ulrich Fischer für die UEK und Bischof Gerhard Ulrich für die VELKD unterzeichnet. Aber ein verantwortlicher Autor oder Redakteur der mit Bildern und Landkarten angereicherten „Orientierungshilfe“ wird nicht genannt.
Das Werk wurde „im Vertrauen auf die Wahrheit und Kraft der biblischen Vision, die davon weiß, dass »Gerechtigkeit und Frieden einander küssen« (Ps 85,11)“ übergeben. Doch enthält die „Orientierungshilfe“ viele unsinnige und empörende faktische Fehler, sodass die Wahrheit auf der Strecke blieb.
„Mit seinem Staatswappen, einer Abbildung des siebenarmigen Leuchters, wie er auf dem Triumphbogen des römischen Feldherrn Titus in Rom als Beutestück zu sehen ist, nimmt der Staat Israel Bezug auf die Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n.Chr. und knüpft zugleich an die Zeit der in der Antike verloren gegangenen jüdischen Staatlichkeit an. In dieser Symbolik macht die Rückkehr der Juden in ihr altes Heimatland ab dem 19. Jahrhundert ihre Vertreibung aus der von den Römern nach dem Bar-Kochba-Aufstand so bezeichneten Provinz Syria Palaestina rückgängig.“
1) Die Menora gab es schon beim Exodus unter Moses im Sinai und in biblischer Zeit im Tempel, lange vor der Zerstörung im Jahr 70. Wie Mosaiken und andere Grafiken aus der Zeit beweisen, war die Menora vor der Zerstörung das gewichtigste jüdische Symbol. Neben der Menorah im Wappen gezeigten Olivenzweige symbolisieren Frieden und sind dem biblischen Propheten Zacharias nachempfunden. Es steht der EKD nicht zu, biblischen Symbolen der Juden/Israelis eigene Interpretationen aufzuzwingen.
2) „aus der von den Römern nach dem Bar-Kochba-Aufstand so bezeichneten Provinz Syria Palaestina“. Das ist Geschichtsklitterung. Da wird verschwiegen, dass die Römer den Bar-Kochba-Aufstand noch in ihrer Provinz „Judäa“ niedergeschlagen haben. Erst Hadrian hat diese Provinz 136 n. Chr. in „Palästina“ umbenannt. Die EKD-Gelehrten machen so gemeinsame Sache mit dem heidnischen Kaiser Hadrian, die Juden ihrer angestammten Heimat zu berauben, ein Bestreben, das sich wie ein roter Faden durch die gesamte „Orientierungshilfe“ zieht und bis heute von prominenten palästinensischen Pastoren betrieben wird, wie dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Munib Younan, und des preisgekrönten Pastors Mitri Raheb.
„Der hier ins Auge gefasste Zeitraum eines fast zweitausend Jahre langen jüdischen Exils verbindet sich in religiöser Perspektive mit dem alttestamentlichen Motiv der »Zerstreuung« des jüdischen Volkes »unter die Völker« (vgl. 5. Mose 4,27).“
Warum nicht gleich erwähnen, dass Gott im nächsten Satz auch droht: „sondern ihr werdet vertilgt werden“. Das kann als Gottes Zustimmung zu Auschwitz gewertet werden.
Nachdem die EKD hervorgehoben hat „Wir respektieren jüdisches Selbstverständnis, auch im Bezug auf das Land“, widersprechen sich die deutschen Theologen, indem sie die jüdischen Gründer des Staates Israel eines Besseren belehren. In der Unabhängigkeitserklärung steht »Im Lande Israel entstand das jüdische Volk.«.
Die Theologen kennen weder Bibel noch jüdisches Selbstverständnis, wenn sie behaupten: „Sie (Unabhängigkeitserklärung) steht damit freilich in einer Spannung zur biblischen Vorstellung von einer »Geburt« des jüdischen Volkes in Ägypten.“
Kein Jude würde das akzeptieren. Das Volk Israel entstand gemäß der eigenen Vorstellung und der biblischen Darstellung durch den Bund Abrahams mit Gott. Die im Lande Israel in Sichem (Nablus), Bethlehem und Hebron begrabenen „Erzväter“ machen keinen Sinn, wenn das Volk erst mit Moses im ägyptischen Exil entstanden sein soll.
Die evangelischen Bischöfe scheinen auch nicht zu wissen, dass zwischen „Israeliten“ und „jüdisches Volk“ fein säuberlich unterschieden wird. Das „jüdische Volk“ konstituierte sich erst mit Rabbi Akiba und der Zerstreuung nach der Zerstörung des Tempels. Gleichwohl handelt es sich um das gleiche Volk, gemäß jüdischem Selbstverständnis und der hebräischen Bezeichnung „Volk Israel“.
Wir Deutsche bezeichnen uns heute auch nicht mehr „Germanen“, obgleich die Engländer uns noch so nennen und die Franzosen uns für Alemanen halten.
„Für die Beschäftigung mit dem Judentum und der Situation im Nahen Osten spielt zudem eine Rolle, dass in der Bundesrepublik heute auch Muslime leben, die aus dieser Region stammen und somit in den Konflikt involviert sind.“
Wie bitte? Wenn in der Bundesrepublik überwiegend Muslime aus der Türkei leben, ist das ein Grund, sich mit dem Judentum zu beschäftigen? Und als Deutschland sich ganz besonders intensiv mit den Juden und deren „Endlösung“ beschäftigte, dürften Moslems nur in der Gestalt des Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin el Husseini, eine besondere Rolle gespielt haben. Und wenn es die Gestapo in Griechenland und Rommel in El Alamein bis nach Palästina geschafft hätten, hätte auch das für die EKD ausreichender Grund sein dürfen, sich intensiver mit dem Glaubenbekenntnis ihres Heilands Jesus, dem Judentum, zu beschäftigen.
Seite 45: „Dieser Solidaritätsgedanke beeinflusst die israelische Politik bis in die Gegenwart; ein eindrückliches Beispiel ist die Rettung der äthiopischen Juden vor Hungerkatastrophen in den Jahren 1984/1985 (»Operation Moses«) und 1991 (»Operation Salomo«).“
Das ist ein beeindruckendes Beispiel, aber es gibt beeindruckendere, die hier wohl wegen politischer Korrektheit unterschlagen werden: Die Aufnahme der Holocaustüberlebenden, von rund 800.000 Juden aus arabischen Staaten in den 50ziger Jahren und einer Million Russen 1990.
„Am 19. Juni 1947 wurden die zionistischen Zugeständnisse in einem Brief der Jewish Agency an die orthodoxe Weltorganisation Agudat Israel formell bestätigt. Dieser Text, der die religionspolitischen Verhältnisse der Mandatszeit festschrieb und als »Status-quo-
Brief« bekannt wurde, enthielt die Zusicherung, dass der zu gründende Staat den Sabbat als Ruhetag respektieren, in der
Armee und allen staatlichen Institutionen eine koschere Küche einrichten und das religiöse Familienrecht sowie das autonome
orthodoxe Schulwesen unangetastet lassen würde.“
Der Staat Israel hat den Sabbat nie zum offiziellen Ruhetag erklärt. Er gilt nicht in arabischen oder gemischten Städten wie Nazareth, Haifa und Beer Schewa. In Deutschland ist hingegen der Sonntag „gesetzlicher“ Ruhetag. In Israel entscheiden Jude, Christ und Moslem jeweils, an welchem Tag sie ruhen wollen. Israel hat die christlichen Schulen unangetastet gelassen und den osmanischen Usus übernommen, das Personenstandsrecht den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu überlassen (also Juden, Christen und Moslems).
„Das Jahr 1967 markiert den Beginn einer Trendwende im Kräfteverhältnis von säkularen und religiösen Strömungen im Staat Israel. Der Krieg des Jahres 1967 führte u.a. zur Eroberung Ost-Jerusalems und zur Besetzung der seit 1950 unter jordanischer Herrschaft stehenden Teile des ehemaligen Mandatsgebietes Palästina durch den Staat Israel.“
Hier wurde mal eben der Gazastreifen vergessen. Und ob es da wirklich eine „Trendwende“ gab, ist fraglich.
Der zunehmende Einfluss der orthodoxen Organisationen und Parteien und ihr Versuch, immer mehr halachische Vorschriften in staatliches Recht zu überführen, führen innerhalb der israelischen Gesellschaft bis heute zu heftigen Kontroversen.“
Welche halachischen Gesetze wurden Staatsgesetz? Viele „halachische Gesetze“, wie „Du sollst nicht Morden“ sind Bestandteil des BGB. Stört sich die EKD etwa daran, dass sogar in Deutschland derart archaische jüdische Gesetze aus dem „Alten“ Testament gelten?
„Die entschiedensten Vertreter dieses Teils der Orthodoxie sind die Neturei Karta (Wächter der Stadt), die die Errichtung des Staates Israel als eigenmächtiges Eingreifen in den Heilsplan Gottes deuten und öffentlich in den Vereinigten Staaten, aber z.B. auch im Iran gegen den Zionismus auftreten.“
Da beruft sich die EKD auf ein paar extremistische Familien, die freilich große Schlagzeilen machen. Ohne die Weltanschauungen zu vergleichen, wird hier dargestellt, als wären NVU oder Horst Mahler „entschiedene Vertreter“ Deutschlands. Ausgerechnet die Deutschen haben so einige „Extremisten“ und andere „entschiedene Vertreter des Deutschen Volkes“ hervorgebracht, die nicht ganz zur Idylle eines Goethe, Schiller, Lessing, Bach und Heine passen…
„Daneben gibt es andere orthodoxe Stimmen, wie z.B. Moshe
Greenberg (1928-2010), die ausdrücklich vor einem Messianismus warnen,“ Wie gut, dass es Wikipedia gibt, um mehr über diese in Israel unbekannte Person zu erfahren.
S. 63 „Eine Pilgerfahrt nach Jerusalem ist für Muslime aus Ländern, die mit dem Staat Israel keine diplomatischen Beziehungen haben, gegenwärtig nicht möglich.“
Falsch. Israel lässt auch Menschen aus Ländern ohne diplomatische Beziehungen einreisen, sogar aus „Feindesländern“ wie Syrien und Saudi Arabien. Die Frage ist eher, welche Probleme sie später in ihren eigenen Ländern haben. Es befremdet, dass die EKD Verfasser nichts recherchiert haben und nichts von jenen mutigen Arabern gehört haben, Intellektuelle, Schriftsteller und andere, die Israel besucht haben und dann in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern verfolgt wurden. (Nadia El Fani, Boualem Sansal, Ahmad Adnan) Es sind die arabischen Staaten, die Besuche in Israel verbieten und bestrafen.
„Im Umfeld der islamischen Reformbewegung, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Reaktion auf den wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Niedergang in weiten Teilen der arabisch-islamischen Welt entstanden war (Muhammad Abduh, 1849-1905, u.a.), wurde im Namen aller Muslime Anspruch auf das Land Palästina erhoben und zum Kampf gegen den Zionismus aufgerufen.“
Da wurde also zum Kampf gegen den Zionismus aufgerufen, noch ehe der sich mit dem zionistischen Kongress in Basel 1897 etabliert hat?
S. 71 „Palästinensische Christen im Staat Israel haben als Bürgerinnen und Bürger des Staates die Rechte und Pflichten aller Staatsbürger, beklagen aber politische und gesellschaftliche Diskriminierungen. Christen in den besetzten Gebieten leiden unter der Isolierung, der häufigen Abriegelung der Gebiete und den eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten. Für sie ist die tägliche Demütigung an den Kontrollpunkten auf dem Weg zu Arbeitsplätzen, Schulen und Krankenhäusern Realität; der Zusammenhalt der Familien, die Verbindung der Gemeinden untereinander sowie der Zugang zu den heiligen Stätten in Jerusalem sind erschwert und teilweise unmöglich. Christen in Ost-Jerusalem leben unmittelbar an der Nahtstelle des politischen Konflikts, auch ihre Bewegungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt, darüber hinaus droht ihnen etwa durch die Beschlagnahme von Personalausweisen der Verlust des Bleiberechts in Jerusalem. Als Folge dieser Einschränkungen sind in den vergangenen Jahren viele Christen aus der Region ausgewandert, sodass ihre Zahl laufend abnimmt.“
Dieser ganze Abschnitt strotzt vor Ungenauigkeiten, falschen Fakten und sogar Widersprüchen, etwa wenn die „eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten“ zur „täglichen“ Demütigung an den Kontrollpunkten auf dem Weg zu Arbeitsplätzen, Schulen und Krankenhäusern führt. Wer ist „isoliert“, wenn die täglich pendeln? Seitdem die Terrorgefahr dank der Kontrollen nachgelassen hat, sieht die Realität anders aus, als hier beschrieben. Für die Abwanderung gibt es nach palästinensischen Angaben ganz andere Gründe.
Alle Menschen, Juden, Christen und Moslems sind gleichermaßen betroffen. Mit „palästinensischen Christen“ sind offenbar sowohl arabische Christen in Israel wie palästinensische Christen (mit palästinensischem Pass) in den Autonomiegebieten gemeint.
„Palästinensische Christen im Staat Israel haben als Bürgerinnen und Bürger des Staates die Rechte und Pflichten aller Staatsbürger“ Rechte ja, aber „Pflichten“? Sie sind vom Militärdienst befreit und könne drei Jahre früher als ihre jüdischen Mitbürger studieren oder einen Beruf ergreifen.
Sie „beklagen politische und gesellschaftliche Diskriminierungen.“ Ja. Das tun auch Neueinwanderer, äthiopische und marokkanische Juden, Russen, Moslems, Araber, Beduinen. Und in Deutschland beklagen Wolgadeutsche, Roma und Sinti, Türken und andere „Deutsche mit Migrationshintergrund“ ebenso Diskriminierungen, obgleich sie dank ihrer deutschen Staatsbürgerschaft „gleichberechtigt“ sind. Warum sollte das in Israel anders sein?
Immerhin Juden werden in den „palästinensischen Gebieten“ nicht diskriminiert, weil es dort keinen einzigen Juden gibt… Heute wachen palästinensische Checkpoints darüber, dass Juden sich nicht in die palästinensisch selbstverwalteten Autonomiegebiete verirren.
„Christen in Ost-Jerusalem leben unmittelbar an der Nahtstelle des politischen Konflikts, auch ihre Bewegungsfreiheit ist erheblich eingeschränkt“
Das ist eine grandiose Lüge. Jerusalemer Christen haben einen israelischen Ausweis, können sich frei in Israel bewegen und zudem ohne jede Beschränkung die besetzten Gebiete besuchen, während es Juden verboten ist, die palästinensischen Autonomiegebiete zu betreten. Katholische Christenführer verfügen sogar über diplomatischen Status und haben CD-Nummern an ihren Autos. Derartige Privilegien hat kein Rabbi und kein Imam.
„darüber hinaus droht ihnen etwa durch die Beschlagnahme von Personalausweisen der Verlust des Bleiberechts in Jerusalem“
Da muss genau geprüft werden, wie oft und aus welchen Gründen das passiert. In Deutschland hat Mehmet sein Bleiberecht verloren…
„Als Folge dieser Einschränkungen sind in den vergangenen Jahren viele Christen aus der Region ausgewandert, sodass ihre Zahl laufend abnimmt.“
Ein beliebtes propagandistisches Klischee. Nur warum ist die Zahl der Christen in Israel und Jerusalem stetig gewachsen, während im Wesentlichen Christen aus den „palästinensischen Gebieten“ ausgewandert sind, aus ganz anderen Gründen? Die Autoren der EKD-„Orientierungshilfe“ scheinen sich völlig der palästinensischen Propaganda unterworfen zu haben. Selbst palästinensische Quellen haben sie nicht geprüft, von israelischen ganz zu schweigen.
S. 73 „Aufgrund der jüdischen Einwanderungen und des generellen Bevölkerungswachstums im Staat Israel nimmt allerdings der prozentuale Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung von 2,89 % im Jahr der Staatsgründung 1948 auf ca. 2 % im Jahr 2010 ab.“
Deshalb sollte man nicht mit Prozenten spielen. Denn die Zahl der Türken in Deutschland hat 1990 prozentual auch schlagartig abgenommen, mit der Wiedervereinigung. Zudem stimmen auch die erwähnten Prozentzahlen nicht, wenn man die rund 200.000 christlichen Gastarbeiter und die rund 300.000 nicht-jüdischen russischen Einwanderer hinzuzählt.
„Die Besonderheit Israels gegenüber anderen modernen Demokratien liegt darin, dass dieser Staat sich nicht nur als »demokratisch«, sondern auch als »jüdisch« definiert. Der »jüdische Staat« garantiert allen Jüdinnen und Juden das Recht auf Einwanderung, der Sabbat ist der wöchentliche Feiertag,“ Wo liegt das Problem? Deutschland betrachtet sich als „deutsch“ und gewährt Wolgadeutschen usw. automatisch die Einwanderung.
Sabbat? Wie schon oben erwähnt ist in Deutschland der Sonntag „gesetzlicher“ Ruhetag. In Israel kann jeder seinen Ruhetag auswählen: Freitag, Samstag oder Sonntag. Deutschland ist „theokratischer“ als die EKD es hier Israel unterstellt.
„das Personenstandswesen wird nicht staatlich, sondern – alten osmanischen Rechtsprinzipien folgend – durch das Rabbinat geregelt.“
Schwachsinn. Seit wann regelt das Rabbinat Ehen und Begräbnisse bei Moslems oder Christen? Entsprechend osmanischer Tradition überlässt der Staat Israel das Personenstandswesen Moslems ´(mit ihrer Scharia) und Christen (entsprechend mittelalterlichem Kirchenrecht). Die EKD Experten sollten sich mal bei ihrem Propst der Erlöserkirche informieren.
„Palästinensische Israeli beklagen die schlechteren Zugangsmöglichkeiten zu Ausbildung und Beruf, weil sie aus Sicherheitsgründen vom Wehr- und Sicherheitsdienst ausgeschlossen sind.“
Nein sie sind nicht ausgeschlossen, sondern davon befreit. Sie können sich freiwillig melden, wie es Mona Abdo aus Haifa getan hat.
Es existiert auch keine Diskriminierung bei der „Ausbildung“. Tausende Araber studieren an israelischen Universitäten, sogar in Ariel.
Glossar
Am Israel (Volk Israel)
„Heute wird diese Wendung im Hebräischen zur Bezeichnung des jüdischen Volkes gebraucht.“
Völlig korrekt, „heute“, seit etwa 5000 Jahren, seit biblischer Zeit

Bilder
„Die Grabeskirche wird auch als Auferstehungskirche bezeichnet. Sie ist nicht nur Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem und des katholischen Erzpriesters der Basilika des Heiligen Grabes, sondern bietet auch Platz für den Franziskaner-Orden…“
Der Sitz des griechischen Patriarchen befindet sich in einiger Entfernung von der Grabeskirche. Offiziell vertreten allein Franziskaner die Katholiken in der Grabeskirche.
„Das Gebäude des Obersten Gerichtshofes liegt zwischen der Knesset, mit der es durch einen direkten Gang verbunden ist, und dem Wohnsitz des Premierministers. Es symbolisiert damit die Verbindung zwischen Legislative und Exekutive.“
Der Wohnsitz des Premierministers befindet sich in einer Entfernung von etwa drei Kilometern…. Zudem hatte der Autor einen Knick in der Optik. Die Knesset liegt zwischen Gericht und Residenz!
Karte 1 und 2
Warum sind in Karte 2 die Waffenstillstandslinien von 1949 eingezeichnet, nicht aber in Karte 1?
Karte 4
Wieso gibt es hier nur eine Karte über palästinensische und keine der jüdischen Flüchtlingsbewegungen aus der arabischen Welt in der gleichen Periode?
Karte 9
Da sind die „Grüne Linie“ oder auch „Waffenstillstandslinien“ zu den besetzten Gebieten als „Staatsgrenzen Israels“ eingezeichnet. Dort gibt es keine international anerkannte Staatsgrenze.
Ich sehe da alle möglichen Landesbezeichnungen, sogar Gaza und Westjordanland. Nur der Name „Israel“ scheint wieder aus der Kopiermaschine herausgefallen zu sein, wie es EKD Sprecher Christoph Vetter 2007 bei der denkwürdigen Reise der EKD Bischöfe ins Heilige Land formuliert hatte.  (haGalil.com)
(C) Ulrich W. Sahm

Fragwürdige Orientierungshilfe

von Ricklef Münnich/Israelnetz

Anfang Oktober (2012) stellte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihre „Orientierungshilfe zum Thema Land und Staat Israel“ vor. Erarbeitet hat sie der „Gemeinsame Ausschuss ‚Kirche und Judentum‘“ der drei evangelischen Kirchenbünde. Er nahm sich dafür fünf Jahre Zeit. Man ahnt, im Ausschuss wurde viel debattiert.
Ziel ist, „die oft hoch emotional und polarisierend geführte Diskussion um Land und Staat Israel zu versachlichen“ und es dem Leser zu ermöglichen, „zu einem begründeten, eigenständigen Urteil zu kommen“. Letzteres wird eingeschränkt, da keine Nachweise über getroffene Aussagen an die Hand gegeben werden.
Zu Beginn „bejaht“ die Orientierungshilfe „das Existenzrecht des Staates Israel“. Es berührt eigentümlich, wenn dies in den Kirchen immer noch ausdrücklich betont werden muss. In der Folge bringt die Studie grundlegende Informationen zu den Landverheißungen der Bibel, benennt Aspekte jüdischen wie muslimischen Verständnisses des Landes Israel und der Stadt Jerusalem, skizziert die Kirchengeschichte des „Heiligen Landes“, zählt theologische Positionen auf und führt in evangelisches Staatsverständnis ein.
Als erste Einführung in das Thema ist das alles hilfreich. Am Ende hat der Leser nachvollzogen, inwiefern Christen vom Land Israel als „heiligem“ oder „gelobtem Land“ sprechen können, ohne damit Territorien zu umreißen oder den Staat Israel religiös zu legitimieren, was dieser wie jeder Staat nicht nötig hat.
Eine wirkliche Weiterführung ihres Themas gelingt der Orientierungshilfe jedoch nicht. Dazu müsste sie mehr Farbe bekennen. So fordert sie Christen zwar auf, sich „am Überleben des von Gott erwählten jüdischen Volkes“ im Staat Israel mitzufreuen (was nach der Schoah in Deutschland leicht makaber klingt), um faktisch sogleich mit einem doppelten „kann“ einzuschränken: Die Staatsgründung „kann als ein Mittel erscheinen“, um „Juden ein Leben im Land Israel in Recht und Frieden zu ermöglichen“. Sie „kann“ als ein „Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk“ gedeutet werden. Also kann man sie christlich weiterhin auch anders verstehen? Mehr als 30 Jahre nach der rheinischen Synodalerklärung zum Thema bietet die Orientierungshilfe hier weder Klärung noch Fortschritt.

Rücksicht auf Muslime?
Der Grund dürfte in unausgesprochener Rücksichtnahme auf Muslime und palästinensische Christen liegen. Die Studie meint, dass es christlicherseits „für die Beschäftigung mit dem Judentum und der Situation im Nahen Osten … eine Rolle (spielt), dass in der Bundesrepublik heute auch Muslime leben, die aus der Region stammen“. Das wäre neu, wenn christliches Selbstverständnis von muslimischer Präsenz in Deutschland mitbestimmt würde. Im Blick auf christlich-palästinensische Theologie benennt die Studie zwar deren Differenz zu hier geprägter Israeltheologie, etwa wenn diese die Erwählung Israels aufhebt und die Landverheißungen der Bibel allen „Schwachen“ und damit jetzt primär den Palästinensern gelten lässt. Doch Schlussfolgerungen daraus überlässt sie dem Leser.

Fehler und Ungenauigkeiten
Die Orientierungshilfe enthält bei den Informationen über die Gegenwart im Staat Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten leider etliche Fehler oder Ungenauigkeiten. So wurden die Juden in der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes nicht aus der römischen Provinz Syria Palaestina vertrieben (S. 17), sondern aus der Provinz Judaea; Kaiser Hadrian nahm die Umbenennung im Jahre 136 vor. Eine Besonderheit Israels gegenüber anderen modernen Demokratien sieht die Orientierungshilfe darin, „dass dieser Staat sich nicht nur als ‚demokratisch‘, sondern auch als ‚jüdisch‘ definiert“ und „allen Jüdinnen und Juden das Recht auf Einwanderung“ garantiert (95). Nun, auch die Bundesrepublik versteht sich als „deutsch“ – das Grundgesetz gilt „für das gesamte Deutsche Volk“ – und hat daher etwa den Wolgadeutschen die Einwanderung ermöglicht. Bei weiteren Begründungen für die „Besonderheit Israels“ irren die Autoren: Der Sabbat ist nicht „der wöchentliche Feiertag“ in Israel; anders als in Deutschland mit dem Sonntag als gesetzlichem Feiertag steht es israelischen Bürgern frei, je nach Religionszugehörigkeit den Freitag, Samstag oder Sonntag als Feiertag zu halten. Auch „das Personenstandswesen wird nicht … durch das Rabbinat geregelt“, sondern den alten osmanischen Rechtsprinzipien folgend von der jeweiligen Führung der Religionen im Staat. Schließlich sind „palästinensische Israeli“ nicht „aus Sicherheitsgründen vom Wehr- und Sicherheitsdienst ausgeschlossen“, sondern davon befreit; sie können sich freiwillig melden. Solche Ungenauigkeiten und Fehler häufen sich vor allem in der Beschreibung der „Lebensverhältnisse der Christen im Heiligen Land“ (71f).Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion. Eine Orientierungshilfe, herausgegeben im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Union Evangelischer Kirchen in der EKD und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, 128 S. u. 16 S. vierfarbiger Bildteil, Gütersloh 2012, 6,99 €. Die Studie kann unter www.ekd.de/EKD-Texte/gelobtes_land.html online gelesen sowie als PDF-Datei geladen werden. (Israelnetz)

„Gelobtes Land?“

Die EKD nimmt sich Israels an. „Eine Orientierungshilfe“?

Ein Kommentar von Dr. Birgit Schintlholzer-Barrows

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat ein Büchlein herausgegeben, mit dem sie sowohl Orientierung geben will zu Land und Staat Israel wie auch das Verhältnis von Christen und Juden neu bestimmen.
Wollte man dieser Schrift gerecht werden, so könnte man ein Buch desselben Umfangs schreiben. Es würde schon Seiten füllen, die Unstimmigkeiten und impliziten Botschaften dieser Schrift kenntlich zu machen, die alle zu Lasten Israels gehen.
Zunächst die Orientierung an den Leser, wie biblische Landverheißung zu verstehen sei: Der jetzige jüdische Staat, so heißt es, ist nicht theologisch zu legitimieren, weder in seiner Existenz noch in irgendwelchen Grenzen. Denn göttliche Landverheißung bedeute nicht Zusage eines konkreten Landes, sondern sei nur symbolisch als Zusage von Lebensgrundlage und Sicherheit zu verstehen, und selbst diese Zusage sei nur eine Hoffnungsmöglichkeit.
Was von solch reduzierter Deutung zu halten ist und wie weit sie zur früheren EKD-Studie passt, nach der doch „Bund und Land zusammengehören“, müssen Christen untereinander klären. Für Juden ist sie an sich nicht relevant, sie könnten gut mit theologischer Abstinenz von Christen gegenüber ihrem Staat leben, wahrscheinlich sogar besser.
Aber die EKD lässt den jüdischen Staat nicht in Ruhe. Auf politischer Ebene greift sie auf ihn zu: sie verpflichtet Christen zu „verantwortungsvoller und ggf. kritischer Begleitung“ der Politik Israels.
Diese Verpflichtung leitet sie direkt ab aus der jahrhundertelangen christlichen Judenfeindschaft und der Beteiligung an der Shoa. Diese führen, so die EKD, zum Engagement für den jüdischen Staat und verpflichten zur Begleitung und Kritik seiner Politik.
Damit folgt die Schrift ziemlich dicht der in Deutschland verbreiteten skrupellosen Logik, nach der die Beteiligung an der Shoa zur Kritik an der Politik Israels besonders qualifiziere.
Die eigentlich nahe liegende Folgerung aus langer Judenfeindschaft, nämlich ein Misstrauen gegenüber eigenem Urteil und eine selbstkritische Prüfung der eigenen Einstellung in Hinblick auf Juden, sind für die EKD kein Thema, ganz so, als teile sie nicht das psychologische Allgemeinwissen, dass kollektive Affekte wie Judenfeindschaft über Generationen hin unbewusst tradiert werden und in immer neuen Verkleidungen Ausdruck suchen.
Ebenso ist für die EKD irrelevant, dass Israel bereits mehr als genug mit maßloser Kritik überzogen wird und es ihm nun wirklich nicht an Selbstkritik mangelt.
Nun  gibt es im Text auch beruhigende  Aussagen wie  etwa die,  dass Israels Existenzrecht   völkerrechtlich unumstritten sei und der Rassismus-Vorwurf gegen den Zionismus nicht haltbar. Seltsam im Gegensatz dazu steht nur die distanziert-neutrale Weise, mit der die EKD die real vorhandenen ideologischen und terroristisch-militärischen Kräfte behandelt, die die Existenz Israels gefährden.
So kritisiert die EKD an dem ideologischen Kairos-Palästina-Dokument nur dessen theologischen Universalismus, nicht aber seine verzerrende Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts, auch nicht seine Absicht, den jüdischen Staat durch ein Großpalästina zu ersetzen. Hier verlangt die EKD kein entschiedenes Entgegentreten, wie sie es zuvor noch in Bezug auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ tat, obwohl diese hierzulande nun wirklich keine Rolle mehr spielen, da heutige Antisemiten moderner argumentieren.
Sogar die militärischen und terroristischen Bedrohungen Israels von moslemischer Seite aus werden, soweit nicht heruntergespielt oder gar ignoriert wie die aus dem Iran, seltsam neutral vorgestellt. Hamas, so heißt es knapp, stelle ihre Organisation in „religiösen Kontext“ oder „auch Selbstmordattentäter… begründen ihr `Martyrium´ in der Regel religiös.“ Dass die Hamas-Charta  religiöser Weise die Tötung aller Juden verlangt, erwähnt die EKD nicht. Sie betont lieber, dass es im Islam einen „durchaus differenzierten Umgang“ mit Land und Staat Israel gebe und dass die Mehrheit muslimischer Dialogpartner in Deutschland moderat sei. Die entscheidende Frage, wie groß deren Anteil oder gar politischer Einfluss sind, übergeht sie.
Verblüffend ist auch, dass es nicht die „Argumentationsmuster“, wie die EKD so passend akademisch formuliert, der Islamisten sind, die die EKD empören. Dieser Affekt gilt allein den „christlichen Zionisten“. Deren Kritik liegt der EKD so am Herzen, dass sie sie vorweg im Inhaltsverzeichnis ankündigt als „notwendige Kritik“. Für keine andere Gruppierung sonst, nicht einmal für Islamisten, wird vorweg das Augenmerk auf Kritik gelenkt.
„Christliche Zionisten“ sind in dieser Schrift auch die einzige Gruppe, der die EKD-Schrift explizit Judenfeindschaft anlastet. Von ihnen heißt es, sie – wohlgemerkt die christlichen Zionisten, nicht etwa radikale Moslems – würden den israelisch-palästinensischen Konflikt verschärfen. Sie stünden dem rechtsnationalen Spektrum in Israel nahe, das keine Versöhnungspolitik betriebe und kein Land an Araber zurückgeben wolle. – Das ist arabische Propaganda pur. Und zudem gegen die Mehrheit der Israelis gerichtet, die hinter ihrer derzeitigen Regierung steht.
Zur dubiosen Orientierung des Textes zählt auch, dass die EKD einstimmt in die in unserer Öffentlichkeit geradezu mantraartig wiederholte Klage, die Palästinenser würden an den israelischen Kontrollposten täglich gedemütigt, usw.. Kein Wort hat die EKD hier bereit für die Leben schützende Funktion dieser Kontrollen, geschweige denn ein Wort dazu, dass der Alltag des jüdischen Staats von Sicherheitsmaßnahmen belastet ist. Kein mitfühlendes Wort hat die EKD dafür, dass Juden in ihrem eigenen Staat kein Einkaufszentrum, keinen Veranstaltungsort, keinen Busbahnhof betreten können, ohne sich einer Kontrolle zu unterziehen.
Die EKD-Schrift verschleiert auch die Tatsache, dass der Weltkirchenrat gezielt Beobachter darauf ansetzt und finanziert, Israelis auf eventuelle Menschenrechtsverletzungen an den Checkpoints hin zu beobachten, und dass er diese Beobachter verpflichtet, israelische Vergehen in ihren christlichen Heimatgemeinden auszubreiten. Stattdessen berichtet der Text nur allgemein von einem Menschenrechtsschutz-Programm, so als hätten diese Beobachter die Aufgabe, auch auf arabischer Seite Unrecht zu dokumentieren und es öffentlich zu machen.
Was gewinnt der  Leser durch diese Schrift? Statt einer Neubestimmung eine mehr oder weniger offene Bestätigung des derzeitigen Mainstreams in Bezug auf Israel. Neu wäre gewesen, wenn die EKD sich dafür eingesetzt hätte, die schlichte Normalität und Berechtigung von Israels Interessen wie auch seine Gefährdung ins christliche Bewusstsein zu heben. Damit hätte sie zugleich die Maßlosigkeit der derzeitigen Israelkritik in die Schranken gewiesen.

 

 

 

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