Bei einer Stillen Mahnwache in Wittenberg.

An der Außenwand der Stadtkirche von Wittenberg befindet sich ein Steinrelief mit einer sogenannten „Judensau“ aus dem Jahr 1305. Viele Christen fordern, dass diese Schmähskulptur bis zum Reformationsjubiläum im Oktober 2017 entfernt wird. Bis zum 21. Juni 2017 finden noch zwei Stille Mahnwachen in Wittenberg statt – jeweils mittwochs von 15 bis 19 Uhr auf dem Markt der Stadt.

Die „Judensau“ ist ein Sandsteinrelief, das einen Rabbiner dabei zeigt, wie er einem Schwein unter den Schwanz schaut. Zudem sind mehrere Juden dabei abgebildet, wie sie an den Zitzen der Sau trinken. Auf der Inschrift über dieser Skulptur steht „Rabini Shem hamphoras“. Dies ist eine etwas unverständliche Inschrift, die wahrscheinlich „shem ha-meforasch“ heißen soll. Dies bedeutet übersetzt „der volle ausgesprochene Name (Gottes)“.

An der Stadtkirche von Wittenberg hat auch Martin Luther maßgeblich gewirkt und die Reformation vorangebracht. Die „Judensau“-Skulptur ist eine von vielen, die in Deutschland noch immer in oder an Kirchengebäuden zu sehen sind, sie sind bis heute ein Angriff auf Juden und verspotten sie und ihren Glauben.

Die „Judensau“ an der Stadtkirche von Wittenberg.

Viele Christen unterschiedlicher Konfessionen fordern, dass die „Judensau“ bis zum Reformationsjubiläum im Oktober 2017 entfernt und an einem anderen Ort in einem Rahmen ausgestellt wird, in dem der historische Bezug hergestellt werden kann, anstatt dass sie weiterhin öffentlich an der Außenwand einer Kirche sichtbar bleibt. Andernfalls werden Juden weiterhin diesem antisemitischen und schändlichen Abbild begegnen und darin ihre schlimmsten Erwartungen gegenüber dem christlichen Glauben bestätigt sehen. Die Kirche sollte ehrlich um Vergebung für ein solches Abbild bitten und von ihrer Haltung umkehren. Vor allem aber sollten Sie dringend Schritte zur Entfernung dieses Schandbildes unternehmen.

Die derzeitige Situation steht in herbem Kontrast zu dem eigentlichen Zweck, den die Kirche innehaben sollte – Ort des Christlichen Lobpreises zu sein. Sie sollte ein Ort sein, der mit Würde und Schönheit und nicht mit Obszönität und schockierenden antisemitischen Bildnissen geschmückt ist.

Im Jahr 2017, wenn sich die durch Luther ausgelöste Reformation zum 500. Mal jährt, ist es an der Zeit, diese Skulptur zu entfernen. Sie sollte durch etwas ersetzt werden, das den Gott Israels ehrt, respektvoll den Juden gegenüber ist und somit der Stadtkirche als christlichen Ort des Lobpreises wieder Ehre bringt. Eine Entfernung (und nicht nur eine unterhalb angebrachte Erklärung) der Skulptur ist auch notwendig, da sie obszön, beleidigend, angreifend, diffamierend, verleumderisch, gotteslästerlich, aufhetzend und antisemitisch ist und daher an einem Gotteshaus keinen Platz haben darf.

Um diesem Anlegen jetzt Nachdruck zu verleihen, haben Pfarrer Thomas Piehler (Pavillon der Hoffnung, Leipzig) und Schwester Joela Krüger (Evangelische Marienschwesternschaft, Darmstadt) einen Aufruf zu Stillen Mahnwachen auf dem Markt zu Wittenberg initiiert:

Jeweils Mittwoch, vom 17. Mai 2017 bis 21. Juni 2017, 15‐19 Uhr, auf dem Markt in Wittenberg

Kurzvideo von den Stillen Mahnwachen hier

Bündnis zur Abnahme der Judensau

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