In den Tagen vor Yom Kippur führen viele religiöse Juden die sogenannte Kapparot-Zeremonie durch. Dabei kauft ein gläubiger Jude ein Huhn – Männer und Jungen einen Hahn, Frauen und Mädchen eine Henne -, das dann dreimal über dem Kopf des Käufers geschwungen wird, verbunden mit besonderen Gebeten und in der Hoffnung, dass die eigenen Sünden auf das Tier übertragen werden. Das Huhn ist normalerweise weiß und wird anschließend geschlachtet und einer bedürftigen Familie in Israel geschenkt. Foto: ISRANET

Das jüdische Jahr 5778 hat am Vorabend des 21.September 2017 mit dem Neujahrsfest (Rosch HaSchana) begonnen.  Am 10. Tischri (30. September 2017) folgte der große Versöhnungstag und ab dem 15. Tischri (5. Oktober 2017) wird das Laubhüttenfest gefeiert. Den Abschluss bildet das Fest der Thora-Freude am 22. Tischri (12. Oktober).

Rosch HaSchana

Das Fest am 1.Tischri beginnt wie alle jüdischen Feiertage am Abend des Vortages (2017 am Abend des 20. September). Rosch HaSchana feiert den Anfang der Schöpfung. Dieser Tag ist daher für das jüdische Volk eine Zeit des Nachdenkens über den Zweck der Schöpfung und besonders auch eine Zeit der Reue und Vorbereitung auf das göttliche Gericht.

Zu den wichtigen Gebräuchen von Rosch Haschana gehören das Schofar-Blasen (3. Mose 23, 24) während eines ausgedehnten Gottesdienstes und reiche häusliche Mahlzeiten, mit denen der Beginn des neuen Jahres gefeiert wird. Das Schofar-Blasen hat viele Bedeutungen: Es zeigt, dass die Juden an diesem Tag die Krönung Gottes zum König des Universums verkünden. Sein Klang ruft auf, zu erwachen, zu bereuen und wieder neu zu Gott (zurück) zu finden. Und er erinnert an den Klang des Schofars am Berg Sinai, als Gott dem Volk Israel die Zehn Gebote gab. 

Mit dem Neujahrsfest Rosch HaSchana beginnt eine 10-tägige Bußzeit, die an Yom Kippur, dem Großen Versöhnungstag, am 10. Tischri ihren Höhepunkt findet.

Yom Kippur

Yom Kippur (10. Tischri/30. September 2017, Beginn am Abend des 29.September) ist der höchste, strengste und heiligste aller jüdischen Festtage und wird nach biblischer Vorschrift mit ganztägigem Fasten begangen (3. Mose 16; 23, 27–32). Im Vordergrund steht die Versöhnung zwischen Mensch und Gott (3. Mose 23, 28), daneben aber auch die Reue und die Bitte um Vergebung für Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich.

Selbst viele Juden, die sonst nie zur Synagoge gehen, fasten und beten an diesem Tag. In Israel steht das öffentliche Leben weitgehend still: es gibt kein Radio- und kein Fernsehprogramm, Restaurants und Vergnügungsstätten haben geschlossen, der öffentliche Verkehr ruht, beim Militär und in anderen öffentlichen Einrichtungen gibt es nur Notdienste. Verboten sind an diesem Tag nach jüdischem Gesetz das Tragen von Schmuck und Lederkleidung, der Gebrauch von Kosmetik und größere Körperpflege wie das Baden.

Im Mittelpunkt der Gottesdienste in den Synagogen stehen die „Slichot“-Gebete, mit denen Gott für alle Sünden um Vergebung gebeten wird. Gelesen wird auch die biblische Geschichte vom Propheten Jona, welcher der Stadt Ninive in Assyrien ihren Untergang ankündigen sollte. Nachdem Jona sich zunächst dem Auftrag Gottes widersetzt hatte, war er schließlich gehorsam und fand Gnade vor Gott. An Yom Kippur haben Juden die Hoffnung, dass ihnen durch ihr Fasten und Beten ebenso Gnade widerfährt.

Während sonst immer stehend gebetet wird, werfen sich Juden an diesem Tag viermal zu Boden. Das Ende des Bußtages wird durch das Blasen des Schofars verkündet, das zum Ausdruck bringen soll: Gott spricht in diesem Augenblick sein Urteil über das weitere Leben der Gläubigen. Das Havdala-Gebet, das zwischen Heiligem und Weltlichem trennt, kennzeichnet wie auch am Schabbat das Ende der heiligen Zeit und den Beginn des Alltags. Nach 25-stündigem Fasten werden dann zunächst leichte Speisen gegessen, und viele Juden fangen an, eine Laubhütte für das Sukkot-Fest zu bauen.

Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahre 70 nach Christus wurden die Opferrituale durch Gebete ersetzt. Einige ultraorthodoxe Gemeinschaften begehen am Tag vor dem Yom Kippur die sogenannte Kapparot-Zeremonie (siehe Foto).

Viele gesetzestreue Juden verhüllen sich an diesem Tag in ein weißes Bußgewand, das auch ihr Totengewand sein soll. Außerdem gedenkt man am Yom Kippur der Verstorbenen.

Der tiefe Ernst des Tages wird noch erhöht durch das Gedenken an den Yom Kippur-Krieg im Jahre 1973, als Ägypten und Syrien das Ruhen des öffentlichen Lebens an diesem Bußtag ausnutzten und Israel angriffen, mit der Folge, dass sich der jüdische Staat nur mit hohen Verlusten verteidigen konnte.

Sukkot

Am Tag nach Yom Kippur beginnen schon die Vorbereitungen für das dritte Herbstfest, das neben Pessach und Schawuot zugleich auch das dritte Wall­fahrtsfest Israels ist: Sukkot, das Laubhüttenfest (3. Mose 23, 33–43 u. a.). Es findet statt vom 15. bis zum 21. Tischri (5. bis 11. Oktober 2017, Beginn am Abend des 4. Oktober) und ist vor allem ein großes Ernte-Dankfest.

Neben dem Bau der Laubhütten und dem Zusammenstellen des Feststraußes aus drei verschiedenen Zweigen – Palmzweig, Weidenzweig und Myrtenzweig – sowie einer Zitrusfrucht ist die Freude das besondere Gebot dieser Festtage nach der Weisung in 5. Mose 16, 14: „Du sollst fröhlich sein an deinem Fest, du und dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levit, der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deiner Stadt leben!„

Das jüdische Volk soll sich während der Sukkot-Woche in Laubhütten aufhalten. Dabei geht  es um die Erinnerung, dass sie in Hütten wohnten, als Gott sie aus Ägypten herausführte. In Israel sind während der Festwoche vor den Wohnhäusern, in Gärten, auf Balkons, in Parks und auf Parkplätzen „Sukkot„, also Laubhütten, in vielerlei Gestaltung zu sehen. Möglichst das gesamte Familienleben soll sich darin ereignen, weshalb viele fromme Juden sogar die Nächte in ihren Laubhütten verbringen. Sogar militärische Standorte haben ihre eigenen Laubhütten.

Der Feststrauß (Lulav) wird von gesetzestreuen Juden täglich in alle Himmelsrichtungen geschwungen, um damit auszudrücken, dass die ganze Welt Gott gehört und vom Seinem Segen lebt. 

Ruhetage sind in Israel nur der erste und der letzte Tag des achttägigen Festes. An den übrigen sechs Tagen sind viele Geschäfte in Israel geöffnet, wenngleich mit reduzierten Arbeitszeiten. Die Kinder haben in dieser Zeit Schulferien, und im ganzen Land herrscht Volksfest-Stimmung. In den Synagogen werden spezielle Gebete verrichtet und bestimmte Schrift-Abschnitte gelesen, u. a.  Sacharja 14, wo die künftige Friedenszeit beschrieben wird, in der alle Völker am Laubhüttenfest in Jerusalem teilnehmen.

Simchat Thora

Den Abschluss der Herbstfeste bildet das Thora-Freudenfest, das in Israel am 22. Tischri (12. Oktober 2017, Beginn am Abend des 11. Oktober) und außerhalb des Heiligen Landes am darauffolgenden Tag gefeiert wird. Es ist ein Fest aus Dankbarkeit für die Gabe der Thora, der fünf Bücher Mose.

An diesem Tag tanzen Juden mit Thora-Rollen auf den Straßen, und in den Synagogen wird der Jahreszyklus der Thora-Lesungen mit den letzten Versen des 5. Mose-Buches abgeschlossen und sogleich mit dem Vortrag der ersten Verse aus dem 1. Buch Mose wieder aufgenommen – als Zeichen dafür, dass das Lesen der Thora niemals zu Ende ist. Ein besonderes Dankgebet für die Thora lautet:

„Gelobt seist du, Ewiger, unser G’tt, König der Welt, der uns erwählt hat vor allen Völkern und uns die Thora gegeben hat.“

 

 

 

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