Israel beginnt Truppenabzug – Feuerpause hält nicht

Das israelische Militär hat mit einem Teilabzug seiner Truppen aus dem Gazastreifen begonnen. Die sechste von Israel erklärte Feuerpause kam am 4. August 2014 bereits nach zwei Stunden zum Erliegen.

Das israelische Militär hat mit einem Teilabzug seiner Truppen aus dem Gazastreifen begonnen. Die sechste von Israel erklärte Feuerpause kam am 4. August 2014 bereits nach zwei Stunden zum Erliegen.

Die siebenstündige einseitige Waffenruhe war um 9 Uhr Ortszeit in Kraft getreten. Israel hatte betont, dass es auf jeden Angriff aus dem Gazastreifen reagieren werde. Nach zwei Stunden hieß es aus palästinensischen Quellen, die Armee habe die Flüchtlingslager Schati und Nusseirat beschossen. Dabei sei ein achtjähriges Mädchen ums Leben gekommen. Mehr als 30 Palästinenser hätten Verletzungen erlitten. Nach israelischen Angaben war zuvor in mehreren Städten in Südisrael Raketenalarm ertönt.

Vor Beginn der Feuerpause hatte Hamas -Sprecher Sami Abu Suhri sein Misstrauen gegenüber den Israelis geäußert: „Die einseitige Feuerpause, die von Israel erklärt wurde, ist ein Versuch, die Aufmerksamkeit von israelischen Massakern abzulenken“, zitiert ihn die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“. „Wir trauen dieser Feuerpause nicht und rufen unsere Leute auf, Vorsicht zu üben“, ergänzte der Palästinenser.

Unterdessen bestätigte das Militär, dass die Bodentruppen teilweise aus dem Gazastreifen abzögen. Oberstleutnant Peter Lerner sagte am 4. August 2014 der Nachrichtenagentur AFP, die Truppen seien „äußerst nah“ davor, eine Mission zu beenden, bei der sie ein Netzwerk von Tunneln zerstören wollten.

Am 3. August 2014 feuerten Palästinenser vom Gazastreifen aus 119 Raketen auf israelische Ziele ab. Acht wurden vom Abwehrsystem „Eisenkuppel“ abgefangen. Das Militär traf nach eigenen Angaben binnen 24 Stunden 100 Terrorziele. Bei einem Angriff am 4. August 2014 starb der Kommandeur der Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“ im nördlichen Bezirk, Danjal Mansur. Laut des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schabak war er für Geheimdienstangelegenheiten während der Operation zuständig.

Insgesamt sind seit Beginn der Operation „Starker Fels“ am 8. Juli über 2.560 Raketen und Granaten in Israel eingeschlagen. Weitere 557 wehrte die „Eisenkuppel“ ab, wie eine Militärsprecherin am 4. August 2014 mitteilte. Die Zahl der Toten auf israelischer Seite beläuft sich auf 64 Soldaten und drei Zivilisten. Die Palästinenser sprechen von mehr als 1.820 Todesopfern.

 

Kritik nach Angriff auf Schule

Die Armee beschoss am 3. August 2014 drei Kämpfer des Islamischen Dschihad, die auf einem Motorrad im Gazastreifen unterwegs waren. Der Vorfall habe sich „in der Nachbarschaft einer UNRWA-Schule in Rafah“ ereignet, hieß es aus dem Militär laut der israelischen Tageszeitung „Yediot Aharonot“. In der Schule des UN-Hilfswerkes für palästinensische Flüchtlinge hatten etwa 3.000 Palästinenser Zuflucht gesucht. Zehn Menschen wurden getötet.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, verurteilte den Beschuss der Schule als „moralische Freveltat und Verbrechen“. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, teilte mit, Washington sei „entsetzt“ über den Angriff. Sie forderte eine vollständige und sofortige Untersuchung. „Israel muss mehr tun, um seinen eigenen Standards gerecht zu werden und zivile Opfer zu vermeiden.“

Lieberman für UN-Mandat

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu ließ am 4.August 2014 verlauten: „Israel richtet sein Feuer nicht gegen Zivilisten und bedauert jeden Angriff, der unabsichtlich Zivilisten trifft.“ Dabei nahm er keinen direkten Bezug auf die UN-Schule.

Der Regierungschef erklärte weiter, die Operation „wird weitergehen, bis ihre Ziele erreicht sind: eine Rückkehr von Ruhe und Sicherheit für israelische Bürger für eine lange Zeit, wobei die Terrorinfrastruktur deutlich beschädigt wird“. Er fügte an: „Wenn sie unsere Aktionen gegen die Terrortunnel beendet hat, die für einen Massenangriff gegen israelische Zivilisten gedacht sind, wird sich die israelische Armee für weitere Aktivität entsprechend unseren Sicherheitsbedürfnissen aufstellen, bis unsere Ziele erreicht sind.“

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman regte derweil ein UN-Mandat für den Gazastreifen an – nachdem die Armee die Hamas zerstört habe. „Im Falle des Kosovo haben wir gesehen, wie ein UN-Mandat funktioniert hat. Deshalb denke ich, wir müssen wieder ein UN-Mandat in die Region bringen“, sagte er gemäß der Tageszeitung „Jerusalem Post“ vor dem Knesset -Ausschuss für Äußeres und Verteidigung.

„Ich würde jene Option nicht zurückweisen“, ergänzte Lieberman. „Die internationale Gemeinschaft fordert immer, dass sich Israel auf die Grenzen von ‘67 zurückzieht und alle Siedlungen räumt. Im Falle von Gaza haben wir uns auf jene Grenzen zurückgezogen und alle Siedlungen geräumt. Was haben wir als Gegenleistung bekommen? 18.000 Raketen. Wir müssen von der Täuschung aufwachen, dass ein Rückzug auf die Grenzen von ‘67 Ruhe und Stabilität bringen werde.“ (Israelnetz)

Bild: Israelische Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen. Foto: Edi Israel/Flash90

 

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