Lage in der Ost-Ukraine verschärft

In den vergangenen Monaten hat sich die Situation für die jüdische Bevölkerung in der Ukraine, besonders im Osten des Landes, verschärft.

Hilferuf aus der Ukraine:

Bitte helfen Sie mit!

Während der Proteste gegen die Regierung in der Ukraine seit Ende 2013, dem sogenannten Euromajdan, hat sich die Situation für die jüdische Bevölkerung in dem osteuropäischen Land verschärft. Immer wieder kommt es dabei auch zu offenen antisemitischen Anfeindungen bis hin zu tätlichen Angriffen gegen Juden. Unser Mitarbeiter in der Ukraine, Koen Carlier, und sein Team bitten uns in dieser angespannten Lage dringend um Hilfe:

•       Bitte beten Sie für die jüdische Bevölkerung in der Ukraine. Beten Sie auch für die politisch Verantwortlichen im Lande, und beten Sie bitte auch für Koen Carlier und sein Team.

•      Bitte unterstützen Sie die Arbeit von Christen an der Seite Israels in der Ukraine jetzt mit einer Spende. Dazu weitere Informationen hier

 

Das Foto zeigt Koen Carlier bei der Übergabe eines Lebensmittelpaketes an eine bedürftige jüdische Frau in einem ukrainischen Dorf.

Zur Lage in der Ukraine ein Interview mit Koen Carlier (leider nur in Englisch): hier

 

Aktuelle Gebetsanliegen:

„Höret das Wort des HERRN, ihr Nationen, und meldet es auf den fernen Inseln und sagt: Der Israel zerstreut hat, wird es wieder sammeln und wird es hüten wie ein Hirte seine Herde!“ (Jeremia 31, 10)

–    Lasst uns dafür beten, dass die jüdische Bevölkerung in der Ukraine die Zeichen der Zeit erkennt und sich jetzt darauf vorbereitet, Alijah zu machen, also nach Israel einzuwandern.
„Wehe! Wehe! Flieht aus dem Land des Nordens!, spricht der HERR.“ (Sacharja 2, 10a)

„Aber jetzt, so spricht der HERR, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Vom Sonnenaufgang her werde ich deine Nachkommen bringen, und vom Sonnenuntergang her werde ich dich sammeln. Ich werde zum Norden sagen: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring meine Söhne von fernher und meine Töchter vom Ende der Erde.“
(Jesaja 43, 1+5+6)

–    Gebet für Schutz und Bewahrung aller bei dem Prozess der Alijah Beteiligten, besonders für die Fahrer und die anderen Mitarbeiter im Außendienst.
–    Dass die jüdischen Familien und Einzelpersonen ihre Ausreisedokumente schnell in Ordnung bringen können und die israelische Botschaft in Kiew die große Zahl der Anträge und Antragsteller gut bewältigen kann.
–    Gebet für die Vortragsreise von Koen Carlier mit einigen Mitgliedern seines ukrainischen Teams im März 2014 in den Niederlanden und in Deutschland.
–    Für die Christen besonders in Deutschland, dass sie Gottes Heilspläne mit Israel erkennen und diese im Gebet und mit Gaben mittragen und unterstützen.

„Steh auf, werde licht! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des HERRN ist über dir aufgegangen. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt der HERR auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und es ziehen Nationen zu deinem Licht hin und Könige zum Lichtglanz deines Aufgangs. Erhebe ringsum deine Augen und sieh! Sie alle versammeln sich, kommen zu dir: deine Söhne kommen von fern her, und deine Töchter werden auf den Armen herbeigetragen. Dann wirst du es sehen und vor Freude strahlen, und dein Herz wird beben und weit werden; denn die Fülle des Meeres wird sich zu dir wenden, der Reichtum der Nationen zu dir kommen.“ (Jesaja 60,1–5)

 

Spenden werden gebraucht für:

–    Transport von jüdischen Personen zur Botschaft in Kiew und zurück
–    Transport von jüdischen Auswanderern zum Flughafen in Kiew
–    Übernahme der Kosten für Reisepässe und Dokumente
–    Für eine Ausweitung des Transport-Netzwerkes des Alijah-Teams von Christians for Israel in der Ukraine
–    Für die Durchfühung von Alijah-Seminaren: eintägige Informationsveranstaltungen für jüdische Personen, die nach Israel einwandern wollen oder offen dafür sind. Für 2014 sind 19 solcher Alijah-Seminare in der Ukraine geplant.

Spenden-Stichwort: Alijah

Auf dem Foto Koen Carlier (hinten) mit einer Gruppe von jüdischen Flüchtlingen aus der Ostukraine, rechts neben ihm Mitarbeiterin Natalija.


Hintergrund

Geschichte des Antisemitismus in der Ukraine

Die Geschichte der Juden in der Ukraine ist sehr wechselvoll und geprägt von Zeiten der Ruhe und kulturellen Blüte einerseits sowie von vielen antisemitischen Ausschreitungen bis hin zu grausamsten Pogromen andererseits. Ab dem 8. Jahrhundert siedelten sich Juden aus Asien und dem Kaukasus auf der Krim an, im Laufe des Mittelalters kamen jüdische Gruppen aus Europa als Reaktion von Verfolgung und Pogromen auch in andere Gebiete der heutigen Ukraine. Im Zuge dieser Einwanderung entwickelten sich ab dem 16. Jahrhundert größere jüdische Ortschaften, die „Shtetl“ genannt wurden und zum Teil heute noch bestehen (zum Beispiel in Lemberg, Czernowitz, Bratzlaw, Uman und Odessa).  
Juden arbeiteten hauptsächlich als Handwerker, Händler, Kleinbauern und Geldleiher, daneben waren viele als Pächter und Steuereintreiber von Großgrundbesitzern tätig. Letzteres führte dazu, dass die jüdische Bevölkerung bei den Aufständen der Bauern und Kosaken gegen die Grundbesitzer zum besonderen Ziel des Volkshasses wurden. Blutiger Höhepunkt dieser Entwicklung waren die grausamen Pogrome beim großen Aufstand der Saporoger Kosaken und breiter Schichten der christlich-orthodoxen Bevölkerung unter der Führung von Bohdan Chmelnyzkyj in den Jahren 1648 bis 1657. Von den schätzungsweise mehr als 300.000 ukrainischen Juden kamen Zehntausende ums Leben.
Auch nachfolgend gab es immer wieder gewalttätige Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Ein grausamer Höhepunkt dieser Entwicklung war die Verwüstung von Uman 1768 durch die Haidamaken (entlaufene leibeigene Bauern und Kosaken), bei der schätzungsweise rund 20.000 Juden und Polen umgekommen sind.

Unter russischer Herrschaft
Trotz dieser Übergriffe wuchs die jüdische Bevölkerung und mit ihr die jüdische Religion in der Ukraine. So wurde im 18. Jahrhundert der Chassidismus von Israel Ben Elieser (ca. 1700–1760) begründet, dessen Urenkel Rabbi Nachman von Bratzlav (1772–1810) in Uman zum weltweit wohl bekanntetsten Vertreter dieser Bewegung wurde.
Mit den Teilungen Polens 1772 bis 1795 gerieten die meisten Juden aus der Ukraine unter die Herrschaft des Russischen Reiches. Sie wurden dort zwar geduldet, mussten aber mit erheblichen Einschränkungen leben, zum Beispiel mit dem Verbot für bestimmte Berufe.

Nach dem Attentat auf Zar Alexander II im Jahre 1881 kam es zu einem negativen Wendepunkt: In zahlreichen Städten des südlichen Russlands, unter anderem in Kiew, brachen blutige Pogrome aus. Als Folge davon sowie als Reaktion der restriktiven antijüdischen Politik der Zaren Alexander III und Nikolaus II verließen zwischen 1881 uns 1914 zwei Millionen Juden das Land, ein Großteil von ihnen aus der Ukraine. 
Nach der Oktoberrevolution 1917 entwickelte sich in Russland ein Bürgerkrieg, bei dem es besonders in der Ukraine zu Massakern gegen die jüdische Bevölkerung kam. Dabei sind bis 1920 etwa 150.000 Juden ums Leben gekommen.
In der jungen Sowjetunion waren zahlreiche Juden in den revolutionären Kadern aktiv und der Antisemitismus wurde von der Regierung bekämpft. Im Rahmen der „Säuberungen“ unter Stalin sind dann aber auch Tausende Juden ermordet worden.

Nazi-Völkermord
Das wohl dunkelste Kapitel des Antisemitismus in der Ukraine waren die Jahre der Nazi-Besatzung von 1941 bis Anfang 1945. 1943 wurde sogar eine eigene ukrainische SS-Division mit Freiwilligen aus Galizien (West-Ukraine) als Teil der Waffen-SS aufgestellt. Diese Division und die NS-Einsatzgruppen ermordeten Hunderttausende von Juden und andere Minderheiten. Traurige Berühmtheit hat das Massaker von Babi Jar am Rande von Kiew erlangt, wo am 29. und 30. September 1941 ein SS-Einsatzkommando 33.771 Juden erschossen hat. Insgesamt wurden während des Zweiten Weltkriegs 1,7 Millionen ukrainische Juden von den Nazis und ihren ukrainischen Helfern ums Leben gebracht.

Nach dem Krieg ging die repressive Politik gegen die jüdische Bevölkerung weiter – abgesehen von einer kurzen Zeit des „Tauwetters“ unter Chruschtschow Anfang der 1960er Jahre. Bis zur Ära Gorbatschow Ende der 1980er Jahre war die legale Auswanderung aus der Sowjetunion kaum möglich. Nach dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 nahm in deren Nachfolgestaaten (Ukraine u.a.) der Antisemitismus durch massiv auftretende nationalistische Gruppen wieder deutlich zu. Seither gibt es in vielen Städten und Gegenden in der Ukraine immer wieder Hetzkampagnen gegen Juden, Roma und andere „Nicht-Ukrainer“.

Antisemitische Ausschreitungen seit dem Euromajdan

Im Zuge der Protestbewegung in der Ukraine (Euromajdan) seit November 2013 kam es wiederholt zu antisemitischen Ausschreitungen im Land. Man kann davon ausgehen, dass nur ein Teil der Übergriffe gemeldet wurden, da viele Betroffene Angst haben, Anzeige zu erstatten. „Leider ist der Antisemitismus in der Ukraine weit verbreitet“, sagt Anatoli Schengait, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Kiew, und ergänzt: „Eine Partei wie Swoboda bedient sich der Ressentiments vieler Bürger.“ (Informationen zu Swoboda unten.) Der Antisemitismus äußert sich neben Angriffen und Schmierereien (siehe unten) hauptsächlich in verbaler Hetze, wie zum Beipiel: „Juden raus“ oder „Kampf gegen kommunistische Juden“.
Die Stimmung der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine hat Boris Fuchsmann, Präsident der Jüdischen Konföderation der Ukraine, in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen zusammengefasst: „Die Leute haben echte Angst, in die Synagoge zu gehen.“ Als Reaktion werden viele versuchen, nach Israel auszuwandern, so Fuchsmann. Der ukrainische Chefrabbiner Mosche Reuven Azman rief die jüdische Gemeinde schon dazu auf, das Land zu verlassen.
Bekannt gewordene antisemitische Übergriffe in der Ukraine im Januar und Februar 2014:
–    Gewalttätige Angriffe auf einen Hebräischlehrer und einen Studenten in Kiew jeweils nach dem Synagogenbesuch am 11. und am 17. Januar 2014
–    Antisemitische Schmiererei an der Synagoge von Ivano Frankowsk (West-Ukraine): „Juden, Russen und Schwarze raus“
–    Antisemitische Schmiererei am Haus des Rabbis von Bela Cherkow (Zentral-Ukraine): „Wir sind näher als Du denkst“
–    Antisemitische Schmiererei an der Synagoge von Simferopol (Krim): „Tod den Juden“ mit Hakenkreuz-Schmierereien
–    Anschlag mit einem Molotow-Cocktail auf die Synagoge von Saporischschja (Süd-Ukraine)
–    Plünderungen jüdischer Geschäfte in verschiedenen Städten

Krim

Die Halbinsel Krim mit der Hauptstadt Simferopol ist eine autonome Republik der Ukraine und etwa so groß wie Israel. Sie hat rund zwei Millionen Einwohner, unter ihnen etwa 300.000 Krim-Tartaren und 16.000 Juden (von den etwa 350.000 Juden in der Ukraine insgesamt).
Nach den Schmierereien an der Synagoge von Simferopol am 28. Februar 2014 sagte ein Jude aus der Stadt: „Ich sehe, dass seit dem Beginn der Revolution auf dem Majdan in Kiew das Leben um rund 30 Prozent teurer geworden ist. Ich sehe, dass die ukrainische ‚Oschadbank‘ die Überweisung von Renten eingestellt hat, und wenn ich jetzt diese antisemitischen Schmierereien sehe, erkenne ich, dass die Provokateure die Aufmerksamkeit auf jene lenken wollen, ‚die verantwortlich sind für den negativen Wandel‘. Und die Geschichte erzählt uns, dass diejenigen, die verantwortlich gemacht werden, die Juden sind. Was wird noch geschehen? Ich weiß es nicht.“

„Swoboda“-Partei

„Swoboda“, ukrainisch für Freiheit, ist der Name einer rechten, nationalistischen Partei, die bei den ukrainischen Wahlen 2013 mit mehr als zehn Prozent erstmals ins Parlament einzog. 2009 wurde Swoboda bei den Kommunalwahlen mit knapp 35 Prozent stärkste politische Kraft in der westukrainischen Region Ternopil. Die Partei gründete sich 1991 unter dem Namen „Sozial-Nationale Partei der Ukraine“ und wechselte 2004 ihren Namen. Parteichef ist Oleg Tjanibok. Er hat immer wieder mit antisemitischen und rassistischen Äußerungen provoziert. So erklärte er zum Beispiel: „Die Ukraine wird von einer russisch-jüdischen Mafia beherrscht.“ Im Wahlprogramm der Partei steht bis heute die Forderung, in ukrainische Reisepässe die ethnische Herkunft einzutragen.

Drei Poster von Stephan Bandera (Bild rechts) waren im Februar 2014 am und im besetzten Rathaus von Kiew sowie auf der Sprecherbühne der ukrainischen Opposition angebracht. Stephan Bandera (1909–1959) kämpfte vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Juden, Russen und Polen und wird in der West-Ukraine von vielen als Nationalheld betrachtet, in der Ost-Ukraine dagegen gilt er überwiegend als Nazi-Kollaborateur und Verbrecher. Die in der West-Ukraine starke nationalistische Partei „Swoboda“ sympathisiert mit Bandera und beruft sich auch auf ihn.

 

 

Appell an die Jüdische Agentur für Israel

In einem gemeinsamen Schreiben appellieren Christians for Israel International und Ebenezer International an die Leiter der Jüdischen Agentur für Israel, die jüdische Bevölkerung in der Ukraine dringend dazu aufzurufen, sich unverzüglich auf die Einwanderung nach Israel vorzubereiten. „Falls und wenn die Lage eskaliert, wird aller Schutz der Welt nicht ausreichen, den Juden in der Ukraine Sicherheit zu bieten. Der einzige Ort, an dem sie wirklich sicher sind, ist Israel“, heißt es in dem Brief weiter. Zudem weisen die beiden Organisationen darauf hin, dass sie weltweit um Spenden bitten, um die Vorbereitung und Durchführung der Einwanderung nach Israel aus der Ukraine zu unterstützen.

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