„Gaza-Rückzug ist eine Schande“

 

Ernüchterung nach acht Jahren: Die Knesset hat am 2. Juli 2013 an den Rückzug aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 erinnert. Mehrere Abgeordnete wiesen darauf hin, dass sich die im Vorfeld geäußerten Bedenken wegen einer Zunahme der palästinensischen Raketenangriffe bestätigt hätten.

Ernüchterung nach acht Jahren: Die Knesset hat am 2. Juli 2013 an den Rückzug aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 erinnert. Mehrere Abgeordnete wiesen darauf hin, dass sich die im Vorfeld geäußerten Bedenken wegen einer Zunahme der palästinensischen Raketenangriffe bestätigt hätten.

Der Parlamentarier Sevulun Kalfa (HaBait HaJehudi) wurde 2005 aus seinem Haus in der Siedlung Atzmona evakuiert. Die Ortschaftgehörte zur jüdischen Verbandsgemeinde Gusch Katif. Zum Auftakt seiner Ansprache vor der Knessetvollversammlung sagte er: „Es ist keine einfache Aufgabe, heute hier an diesem Rednerpult zu stehen, an dem man vor Jahren abgestimmt und das Programm zur Vertreibung meiner Familie und meiner Freunde aus Gusch Katif und Nordsamaria beschlossen hat. Aber aus demselben Gefühl der Verantwortung und der Partnerschaft für meine Freunde aus dem Gusch trete ich mit Ehrfurcht dorthin.“
Kalfa fügte laut der Tageszeitung „Ma‘ariv“ hinzu: „Ich habe keinen Zweifel, dass ich in die Knesset gekommen bin, weil ich der Vertreter von Gusch Katif war. Aus demselben großartigen Geist, der uns Siedler begleitet hat, werde ich hier in der Knesset tätig sein für die Stärkung der Siedlungen in allen Teilen des Landes und gegen Pläne kämpfen, Juden aus ihrem Haus zu vertreiben.“
Der Abgeordnete erinnerte sich: „Die Wirklichkeit, kurze Zeit nach der Vertreibung: Von allen Enden sowohl des politischen als auch des medialen Spektrums negierten alle das Programm und seine Ziele mit Äußerungen wie: ‚Der Rückzug war ein strategischer Fehler der ersten Warte. Er hat den Sieg der Hamas herbeigeführt. Er hat dem Terror Rückenwind gegeben. Er hat den palästinensischen Kampf genährt.‘“
Darauf hat Kalfa nach eigener Aussage eine einzige Antwort: „Wir müssen mit klarer Stimme sagen, dass dies seit Generationen unser Land ist und dass keine Macht uns von hier entfernen wird. Wir sind nach 2.000 Jahren Exil hierher zurückgekehrt, um das Land zu bebauen und zu entwickeln.“ Er habe keinen Zweifel, dass die ehemaligen Bewohner von Gusch Katif irgendwann in den Gazastreifen zurückkehren würden.
Eitan Kabel hatte vor acht Jahren für den einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen und vier Ortschaften im Norden des Westjordanlandes gestimmt. Der Politiker der sozialdemokratischen Avoda sagte in der Sitzung: „Mein Herz zieht sich zusammen. Der Staat kann nicht so fortschreiten, wie wir fortschreiten.“ Er versuche, den Evakuierten zu helfen. Nach dem damaligen Votum für die Räumung der Siedlungen „hoffe und bete ich, dass die israelischen Regierungen nicht noch einmal einen einseitigen Rückzug durchführen werden“.
Der Abgeordnete Ofer Schelah (Jesch Atid) lobte hingegen die politische Maßnahme als Zeichen demokratischer Stärke. „Die Apparate haben funktioniert und die Demokratie hat die Unheilspropheten besiegt. Wir haben gelernt, dass die Regierung herrscht.“ Schwarzseher seien widerlegt worden.
Der Likud-Politiker Jariv Levin hatte die Veranstaltung initiiert. Er fand harte Worte für die Sympathisanten. Der Rückzug sei „ein entschiedener Irrweg gewesen. Wir haben alle Grundideen vergessen, deretwegen wir uns hier befinden“. Die Israelis müssten die Erinnerung an diese Schande wachhalten.
„Bitten Sie Kalfa um Verzeihung“
Wohnungsbauminister Uri Ariel (HaBait HaJehudi) schloss sich der Kritik an: „Zu meinem Bedauern haben manche nichts gelernt und versuchen, die Illusion von zwei Staaten für zwei Völker zu verkaufen, als wäre ein einziger Staat westlich des Jordans ein Ammenmärchen. Das hat der Bürger Nummer eins gesagt, der uns den neuen Nahen Osten erklärt hat“, sagte er in Anspielung auf Staatspräsident Schimon Peres. „Ich sage hier ganz deutlich: Die Idee von zwei Staaten ist das Ammenmärchen und diese Idee ist gestorben.“
Ariel kritisierte, dass keiner bereit sei, seinen Irrtum einzugestehen: „Stehen Sie auf und bitten Sie Sevulun Kalfa um Verzeihung. Bitten Sie die Männer, Frauen und Kinder um Verzeihung. Ich und wir sind es leid, zu sagen: ‚Wir haben es euch gesagt.‘ Was war demjenigen, der dafür gestimmt hat, nicht klar? Dass man Kassams auf Dörfer abschießen würde? Dass man Grads auf Be‘er Scheva, Aschkelon und Tel Aviv abschießen würde? Keiner hat sich bis heute bemüht, um Verzeihung zu bitten.“
Einem Bericht der Tageszeitung „Jerusalem Post“ zufolge meldete sich auch der arabische Abgeordnete Taleb Abu Arar (Vereinigte Arabische Liste-Ta‘al) zu Wort. „Wer Frieden will, muss aufhören, Siedlungen zu bauen“, formulierte er seine Empfindungen. Er habe die Sorge, dass ebenso wie die Evakuierten aus Gusch Katif Beduinen, die ihre Häuser verlassen müssten, nicht angemessen entschädigt werden könnten.
Knessetsprecher Juli Edelstein ( Likud ) äußerte sein Bedauern über die Zerstörung der jüdischen Ortschaften im Gazastreifen und in Nordsamaria: „Mein Herz tut immer noch weh, wenn ich an Gusch Katif und all seine Männer, Frauen, Jugendlichen und Kinder denke. Sie liebten das Leben, ihre Synagogen waren voll, ebenso ihre Schulen und Gewächshäuser. Eine ganze Welt wurde vor unseren Augen zerstört, und wir schauten ungläubig zu. Ich glaube ehrlich, dass dies eine nationale Tragödie ist, deren Ende noch aussteht.“
Ausstellung zur Räumung
Vor der Sondersitzung hatte Edelstein eine Ausstellung in der Knesset eröffnet. Sie zeigt Fotos von Gusch Katif vor und während des Rückzuges. Auch Proteste gegen die Räumung der Siedlungen sind zu sehen.
„Als Abgeordneter habe ich meinen Wohnsitz in den Moschav Gadid verlegt“, sagte der Parlamentspräsident. Diese Ortschaft befand sich in Gusch Katif. „Ich entschied mich, mit den Bewohnern zu leben. Ich gehörte der mondsüchtigen Minderheit an, die von Raketen nach Aschdod und Aschkelon sprach. Wir sind nicht so weit gegangen, von Tel Aviv zu sprechen. Angesichts der Gewissheit und der Arroganz, die hier demonstriert wurden, haben es nur einzelne gewagt, ein trauriges Ende in Erwägung zu ziehen. Wer sagte, dass man Raketen auf Rehovot, Gedera und Tel Aviv abfeuern würde, wurde als unwahr dargestellt.“ (Israelnetz)

Bild: Alltagsleben im ehemaligen jüdischen Ort Neve Dekalim im Gazastreifen vor der Räumung im Sommer 2005. Foto: ISRANET

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