Zum Abschluss des diesjährigen Holocaust-Gedenktages mahnte der israelische Präsident Rivlin vor neuen Formen der Holocaust-Leugnung. Dem früheren deutschen Präsidenten Gauck zollte er Anerkennung für dessen Einsatz gegen das Vergessen.

Israels Staatspräsident Rivlin (links) und der frühere deutsche Bundespräsident Gauck am 24. April 2017 im „Haus der Ghettokämpfer“ im nordisraelischen Kibbutz Lochamej HaGeta’ot. Foto: GPO/Mark Neiman

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat am Abend des 24. April 2017 an der Abschlussveranstaltung zum diesjährigen  Holocaust-Gedenktag in Israel teilgenommen. Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin hatte ihn dazu in das „Haus der Ghettokämpfer“ im nordisraelischen Kibbutz Lochamej HaGeta’ot („Ghettokämpfer“) geladen.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Von Generation zu Generation“. Es ging um die Aufgabe, das Holocaustgedenken lebendig zu halten. Rivlin warnte in diesem Zusammenhang vor der Holocaust-Leugnung, die derzeit neue Formen annehme. Dabei kritisierte er unter anderen die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen – allerdings ohne sie beim Namen zu nennen. Le Pen hatte am 9. April im französischen Fernsehen gesagt, Frankreich sei nicht verantwortlich für die Massenfestnahme von Juden durch die französische Polizei im Jahr 1942 in Paris. Deutsche Soldaten deportierten die Juden anschließend in Vernichtungslager nach Osteuropa.

Rivlin: Moralische Besinnung notwendig

Durch so eine Denkweise werde der Unterschied zwischen Kriminellen und Opfern geleugnet, kommentierte Rivlin Le Pens Äußerung laut Mitteilung des Präsidialamtes. Dies führe wiederum dazu, die moralische Verantwortung zu leugnen. Zwar gebe es unterschiedliche Grade der Verantwortung. Für die Planung und Durchführung der „Endlösung“ sei etwa nur Deutschland verantwortlich. „Aber wir verlangen eine innere moralische Besinnung von allen, die bei der systematischen Auslöschung mitgeholfen haben.“

An Gauck gewandt sagte Rivlin, als früherer Menschenrechtsaktivist verstehe dieser die Gefahr der Holocaust-Leugnung. „Durch Ihre Anwesenheit, wie auch durch die Erklärungen und Handlungen der deutschen Regierung, zeigen Sie die Tiefe ihres gemeinsamen Einsatzes für das Gedenken und die Lehren aus dem Holocaust.“ Dies gelte auch für die Standhaftigkeit im Umgang mit dem Anstieg von Antisemitismus in Deutschland.

Gauck betont bleibende Solidarität

Gauck wiederum betonte die Bedeutung, die nachfolgende Generation der Deutschen über die Geschichte des Holocaust zu unterrichten. Er erinnerte dabei an die eigene Elterngeneration, die vorgegeben hatte, von der Judenvernichtung nichts gewusst zu haben. „Ich war unfähig, mein Land zu lieben. Ich hasste es sogar. Meine Generation blickte mit Abscheu auf ihre Eltern.“ Umso mehr erfülle es ihn mit Freude, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Israelis heute so eng seien.

Dieser Teil der deutschen Geschichte werde das Land weiterhin prägen, fuhr Gauck fort. „Auch zukünftige Generationen werden keine Identität ohne den Schandfleck Auschwitz haben. Die besondere und dauerhafte Verbindung zwischen unseren Völkern und die besondere Solidarität Deutschlands mit dem demokratischen Staat Israel werden Teil unserer Identität bleiben.“

Das „Haus der Ghettokämpfer“ wurde 1949 von Bewohnern des Kibbutz Lochemej HaGeta’ot gegründet, die Holocaust-Überlebende waren und teilweise am Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 beteiligt waren. Es war das erste Museum in Israel, das sich den Holocaust-Opfern und dem jüdischen Widerstand widmete. Das Haus an der Küste zwischen Akko und Naharija dokumentiert die Verfolungsgeschichte der Juden im 20. Jahrhundert. (Israelnetz)

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