Die Erlöserkirche in Jerusalem (Bildmitte).

 

 

Das jüdische Volk misst dem 9. Tag des Monats Aw eine große Bedeutung bei, dem Tag, an dem beide jüdischen Tempel zerstört wurden und auch andere Ereignisse in der jüdischen Geschichte stattfanden. Aber es gibt noch einen anderen Tag, an welchem eine Reihe von historischen Schlüsselereignissen stattfanden, welche das jüdische Volk betrafen – in der Moderne. Dieser Tag ist der 31. Oktober.

Die meisten Australier werden sofort an den Angriff des Light Horse Regiments bei Beerscheva an diesem Tag im Jahr 1917 denken. Darauf konzentrierte ich mich hauptsächlich, wenn ich Gruppen nach Beerscheva auf eine „im Gleichschritt mit Allenby und dem Light Horse Regiment“-Tour mitnahm. Dann machte ich Anfang der 90er Jahre im Nationalarchiv in London eine Entdeckung, als ich die Protokolle des britischen Kriegskabinetts vom 31. Oktober 1917 durchlas, nämlich dass der Beschluss zur Gründung eines jüdischen Heimatstätte in Palästina (bekannt als Balfour-Deklaration) auch am selben Tag getroffen wurde. Das war in der Tat eine Enthüllung. Aber abwarten – es kommt noch mehr.

Eine deutsche Verbindung – 31. Oktober 1517

Am 31. Oktober 1517 forderte Martin Luther die katholische Kirche heraus und löste letztendlich die protestantische Reformation aus. Trotz Luthers negativer Einstellung gegenüber dem jüdischen Volk, wie aus seiner Veröffentlichung „Die Juden und ihre Lügen“ hervorgeht, bestand eine Besorgnis für das jüdische Volk in Deutschland, vor allem innerhalb der evangelisch-lutherischen Bewegung, bekannt als Pietismus.

Das wichtigste Ergebnis von Luthers mutigen Taten in Wittenberg war der erlösende Schlüssel für den Einzelnen, eine persönliche Bündnisbeziehung mit Jesus zu führen. Sie führten auch dazu, vielen Christen die Bibel näher zu bringen und es ihnen zu ermöglichen, von Gottes unerschütterlicher Bündnisverantwortung gegenüber dem Volk Israel zu lesen. Viele dieser Menschen wurden zu den Moses und Daniels ihrer Zeit und traten für das jüdische Volk ein.

Britische Interessen bei Israels Wiederherstellung

Die Reformation und die Verfügbarkeit der Heiligen Schrift hatten einen erheblichen Einfluss auf die britische Gesellschaft und sowohl die Puritaner als auch die Evangelikalen entwickelten ein eifriges Interesse am jüdischen Volk und der zukünftigen Rolle der Nation Israel.

Dieses Interesse, dem sich über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche einflussreiche Führungspersonen aus dem Klerus und der Politik anschlossen, einschließlich William Wilberforce, Lord Shaftesbury und Lord Palmerston, konzentrierte sich auf die zweifache Wiederherstellung Israels – seinem Messias Jesus und seinem Land Israel.

Geo-Politik im Nahen Osten

Während die Bibel das althergebrachte Denken in Europa über die Juden langsam veränderte, spielten sich im Nahen Osten wichtige Ereignisse ab. Zunächst übernahmen ab 1453 die osmanischen Türken die Herrschaft über die Region und eroberten „Palästina“ bis zum Jahr 1517. Währenddessen monopolisierten sie wichtige Handelsstrecken, welche wertvolle Waren aus dem Fernen Osten nach Europa brachten. Dies wiederum zwang die europäischen Seefahrermächte, alternative Strecken zu jenen Märkten im Fernen Osten zu entdecken. Dabei steuerten sie am Nahen Osten vorbei.

Dann fiel 1798 Napoleon Bonaparte in den Nahen Osten ein, um eine kürzere Route in den Fernen Osten zu erschaffen, vor allem nach Indien. Dieses mutige Wagnis wiederum führte dazu, dass die Briten die Franzosen in Ägypten und dem türkischen Palästina schlugen, um die Interessen im Fernen Osten zu bewahren. Wieder wurde diese strategisch wichtige Region einmal mehr zum Hauptschauplatz und Großbritanniens Politik bestand danach darin, diese Region vor offenkundiger Einmischung von Europa zu bewahren.

Britisches und deutsches evangelisches Engagement im Land Israel

Die oben genannten Kräftespiele führten gepaart mit dem Interesse an Israels Wiederherstellung innerhalb des britischen Reiches zu einem britischen evangelischen Dienst namens CMJ, der sich 1833 in Jerusalem gründete und später die Christ Church innerhalb des Jaffa-Tores errichtete. 1840 hatte dann König Friedrich Wilhelm IV von Preußen einen „Traum“ (oder Offenbarung) von der Erschaffung einer weltweiten protestantischen Union mit Jerusalem als Hauptsitz. Dem visionären König wurde mitgeteilt, dass es dem deutschen Protestantismus unmöglich wäre, sich in „Palästina“ niederzulassen, es sei denn man würde sich dem Werk des CMJ anschließen.

Bischof Alexander

Der Preußenkönig beherzigte diesen Rat und 1841 wurde das anglo-preußische protestantische Bistum zu Jerusalem gegründet, eine diplomatische und kirchliche Beziehung zwischen Großbritannien und Preußen. Der erste protestantische Bischof war eine in Preußen geborener ehemaliger jüdischer Rabbi namens Michael Solomon Alexander, der im Januar 1842 ankam. Zum Zeitpunkt, als Bischof Alexander ernannt wurde, ließ der Gesandte des preußischen Königs, Ritter de Bunsen, verlauten: „Somit ist der Anfang gemacht, bitte Herrgott, für die Wiederherstellung Israels.“

Warum sollten ein preußischer Gesandter und ein preußischer König solch ein Interesse am jüdischen Volk haben? Laut eines Interviews, das ich kürzlich mit Prinz Philip von Preußen geführt habe, einem direkten Nachkommen von König Friedrich Wilhelm (und zukünftigem Herben der Hohenzollern-Dynastie) stand der König unter dem Einfluss des Pietismus. Die Pietisten waren generell evangelische Lutheraner, von denen viele Gottes Bündnisbeziehung mit der Nation Israel erkannten. Prinz Philip erklärte, dass sie leider keine große oder starke Bewegung innerhalb der deutschen Kirche ausmachten – im Gegensatz zur evangelischen Bewegung in Großbritannien.

Abgesehen von der Initiative des protestantischen Bistums hatte der Preußenkönig zweifelsohne andere geopolitische und wirtschaftliche Interessen im Sinn bei seinem Unterfangen, einen Fuß auf das „Heilige Land“ zu setzen. Danach verstärkte sich das deutsche Engagement im Land Israel.

Der Kaiser und Deutschlands zweite Verbindung mit dem 31. Oktober 

Der Bau des Suezkanals 1869 durch die Franzosen provozierte Großbritanniens Bemühen, die Kontrolle über diese strategische Wasserstraße 1875 zu erlangen und zeigte das Ausmaß, zu dem Großbritannien bereit war, um seine Verbindungen zum östlichen Reich zu bewahren.

Die Erlöserkirche um 1900.

Diese Ereignisse spielten sich zeitgleich mit den Anfängen des neuen deutschen Reiches 1871 ab. Das neue Deutschland begann Ausschau zu halten nach „seinem eigenen Platz an der Sonne“. Einer dieser „Plätze an der Sonne“ beinhaltete, ein wirtschaftliches und politisches Bündnis mit dem osmanisch türkischen Reich einzugehen.

Diese Entwicklung führte zur Annullierung der Vereinbarung des anglo-preußischen protestantischen Bistums etwa im Jahr 1887. Danach führte Deutschland alleine seine Unternehmungen im Land Israel durch und begann mit dem Bau einer neuen deutschen Kirche – im Zentrum Jerusalems. Der deutsche Kaiser Wilhelm II sollte diese neue Kirche am 31. Oktober 1898 einweihen – am Reformationstag!

Aber der Besuch des Kaisers befasste sich vorwiegend damit, ein stärkeres Bündnis mit den osmanischen Türken einzugehen bei einem Treffen mit dem Sultan in Konstantinopel Anfang Oktober. Auch der Anführer der neuen zionistischen Bewegung, Theodor Herzl, war zeitgleich in Konstantinopel und wollte, dass Deutschland die Schirmherrschaft des zionistischen Unterfangens übernahm, eine jüdisch-nationale Organisation im Land Israel zu errichten.

Die Deutschen entschieden sich allerdings, eine Verbindung mit dem muslimischen Türken einzugehen und somit war die zionistische Bewegung gezwungen, sich anderweitig in Europa nach einem Schirmherrn umzusehen.

Der Kaiser betrat Jerusalem dann in einer pompösen Zeremonie und am 31. Oktober wurde die neue Lutherische Erlöserkirche eingeweiht. Dieses Ereignis zeigte der Welt, dass Deutschland auf dem kaiserlichen Terrain angekommen war und eine Verbindung mit den osmanischen Türken einging.

Der 1. Weltkrieg und die deutsch-türkische Allianz  

Als im August 1914 der Krieg ausbrach, hatten Deutschland und die osmanische Türkei bereits ein geheimes Abkommen getroffen. Großbritannien war nun widerwillig in einen Konflikt mit den Türken gezwungen worden. Die Region mit der größten strategischen und militärischen Bedeutung war der Suezkanal. Es musste alles unternommen werden, um die Verbindung zum östlichen Reich zu bewahren. Tatsächlich konzentrierten sich Strategen bereits zu diesem Zeitpunkt auf die Zeit nach dem Krieg und was das Beste für Großbritannien und diese Verbindung wäre. Ein jüdischer Parlamentarier, Herbert Samuel, schlug 1914-5 vor, dass Großbritannien die Kontrolle über „Palästina“ übernehmen und dort die Errichtung einer jüdischen Heimat erlauben sollte.

Ab März 1915 begann eine zweifache Bewegung, welche ihren Zenit am 31.Oktober 1917 fand. Die erste war militärisch und begann an der Küste von Gallipoli. Sie wurde zu einem Misserfolg und führte dazu, dass die Türkei Pläne zur Eroberung des Suezkanals machte. Großbritanniens Ziel bestand darin, den Kanal zu schützen und die effektivste Methode bestand darin, eine Pufferzone bis zur Grenze nach Palästina am Sinai zu errichten.

Die zweite Bewegung war politisch und entstand aus der russischen Forderung im März 1915, dass nach einem Sieg bei Gallipoli und sobald Konstantinopel fällt, Russland die Region erhalten sollte, welche das Schwarze Meer und das Mittelmeer verbindet. Großbritannien erkannte auch, dass wenn die Türkei geschlagen wäre, Frankreich Syrien einschließlich Palästina beanspruchen würde. Großbritannien musste daraufhin seinen Verbindungsweg bis nach Indien und den Fernen Osten sicherstellen und es begannen Diskussionen mit den Franzosen und der arabisch nationalistischen Bewegungen bezüglich der Zukunft der Türkei in Asien.

Beerscheba und Balfour am 31. Oktober 1917

Arthur Balfour

Großbritanniens politische und militärische Strategie änderte sich Ende des Jahres 1916, als David Lloyd George Premierminister und Arthur Balfour Außenminister wurden. Ihre Politik zielte auf die Eroberung von ganz Syrien einschließlich Palästina ab. Die Zukunft dieses strategischen Landes war nun von höchster Bedeutung und führte zu Diskussionen, die nun auch mit der zionistischen Bewegung geführt wurden.

Nach zwei Niederlagen in Gaza Anfang des Jahres 1917 sollte die Hauptschlacht zur Eroberung des türkischen Palästina in Beerscheba stattfinden – der Stadt, die mit Abraham assoziiert wird, der Mann, dem der Allmächtige das Land Israel durch einen Bündniseid zugesichert hat. Der ‘Z Day’ sollte am 31. Oktober stattfinden. Die Hauptkämpfe an diesem Tag sollten von der britischen Infanterie geführt werden und gemäß des Plans von General Allenby war die tatsächliche Einnahme der Stadt die Sache der Desert Mounted Corps.

Bis zur Mittagszeit hatte die britische Infanterie alle gesetzten Ziele erreicht – wohingegen die berittenen Truppen zurücklagen. An diesem Tag, wahrscheinlich um die Mittagszeit, versammelten sich die Mitglieder des britischen Kriegskabinetts in Whitehall London. Einer der Punkte auf der Agenda an diesem Tag trug den Titel „Die zionistische Bewegung“.

In Beersheba ging der Fortschritt bei der östlichen Flanke langsam voran und die herrsiche Tel el Saba (das alte Beerscheba) wurde nicht eingenommen. Aber dann um etwa 15:00 Uhr unterwarfen die Neuseeländer endlich diese strategische Position. Die Zeit wurde knapp und General Chauvel befahl der 4. australischen Light Horse Brigade, die Eroberung der Stadt durch einen Frontalangriff zu vollenden.

Etwa zu dieser Zeit begannen die Männer in London, von denen neun aus einer Art protestantischem Hintergrund kamen (und somit ein paar biblische Kenntnisse aufwiesen) die Diskussion über den zionistischen Vorschlag einer nationalen Heimat in Palästina zu führen. Interessanterweise hatten viele der Männer auf dem Schlachtfeld an diesem Tag, Briten, Australier, Neuseeländer und Deutsche, eine Bibel bei sich, ein Vermächtnis der Reformation, die offiziell vierhundert Jahre zuvor begonnen hatte.

Die australische Light Horse Brigade beendete ihren berühmten Angriff in Beerscheba erfolgreich und um etwa 18:00 Uhr war Beerscheba in den Händen der Alliierten. Dieser Sieg wurde gemeinschaftliche von Briten, Neuseeländern und Australiern errungen.

Beinahe gleichzeitig stimmte das Kriegskabinett in London für die Annahme des zionistischen Vorschlags ab und versprach die Errichtung einer jüdisch nationalen Heimat in Palästina. Es kann nur geringen Zweifel geben, dass abgesehen von pragmatischer Geopolitik ihre Entscheidung beeinflusst war durch das, was die Bibel über das jüdische Volk und ihre von Gott verliehenen Rechte sagt, im Land Israel zu verweilen.

Zufall oder Schicksal?

Hat Gott vorherbestimmt, dass diese zwei Ereignisse am selben Tag im Jahr 1917 stattfinden – dem Tag der anderen Ereignisse in den Jahren 1517 und 1898? Ich weiß es wirklich nicht, aber was ich sagen kann, ist, dass alle diese vier Ereignisse miteinander verbunden sind.

Hätte es z. B. keine Reformation gegeben, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass die Mitglieder des britischen Kriegskabinetts sich für eine jüdische Wiederherstellung des Landes Israel ausgesprochen hätten. Wären außerdem Deutschland und die Türkei nicht seit 1898 Alliierte gewesen, vor allem im 1. Weltkrieg, hätte es keinen gerechtfertigten Grund für die britischen und Anzac[ii] Truppen gegeben, in Beerscheba zu sein – und keine Möglichkeit für eine Balfour Deklaration!

Wie können wir Christen heute diesen Tag betrachten?

Vielleicht ist es an der Zeit, die Allmacht und Gnade Gottes anzuerkennen. Seine Allmacht darüber, dass alle Dinge zusammen dienen für ein letztendliches Ziel. Gott hat einen Plan für die Errettung der Welt durch Jesus und im Zentrum dieses Plans steht die Erfüllung seines Bündniseids mit dem Volk und dem Land Israel. Er hat seine festgesetzten Wege dafür, wie dieser Plan ausgeführt werden soll, und er hat vorherbestimmt, dass bestimmte Nationen ganz bestimmte Rollen zu bestimmten Zeiten spielen – in diesem Beispiel am oder um den 31. Oktober herum.

Kelvin Crombie

Außerdem ist die Erfüllung dieses Plans abhängig von seiner Gnade und nicht von irgendwelchen Werken, so dass niemand sich rühmen kann. Ich würde sagen, es liegt an diesem „Geist“, in den wir eintreten sollten, wenn wir diese Ereignisse feiern oder uns an sie erinnern, in Wittenberg, Jerusalem oder Beerscheba im Oktober und November 2017.

Anmerkung: Das Thema dieses Artikels wird Teil einer Dokumentation und eines Buches mit dem Titel „31. Oktober – ein Schicksalsdatum?“, welche im Jahr 2017 erscheinen.

© Kelvin Crombie 2017, Heritage Resources Pty Ltd. kelvin@heritageresources.com.au

Übersetzt von Sandra Losch

 

 

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