Anschlag auf Synagoge – mehrere Tote

Mit Axt, Messer und Schusswaffe haben zwei Palästinenser am Morgen des 18. November 2014 vier Juden in einer Jerusalemer Synagoge ermordet und weitere verletzt. Sicherheitskräfte töteten die Angreifer. Die Polizei spricht von einer Terrortat.

Mit Axt, Messer und Schusswaffe haben zwei Palästinenser am Morgen des 18. November 2014 vier Juden in einer Jerusalemer Synagoge ermordet und weitere verletzt. Sicherheitskräfte töteten die Angreifer. Die Polizei spricht von einer Terrortat.

Nach Angaben der Polizei drangen die Angreifer zwischen sieben und halb acht Uhr Ortszeit in das Gotteshaus in dem Stadtviertel Har Nof im Westen Jerusalems ein. Bewaffnet waren sie mit einer Axt, einem Messer und einer Schusswaffe. Sie töteten vier betende Juden, darunter auch den Leiter der Synagoge, und verletzten sieben, drei davon schwer. Ein Polizist, der auf dem Weg zur Arbeit zufällig den Tumult in der Synagoge bemerkte, griff mit einem Kollegen ein. In einem Schusswechsel töteten sie die Verdächtigen und erlitten dabei ebenfalls Verletzungen, einer der Polizisten befindet sich in kritischem Zustand.

Wie Polizeisprecher Micky Rosenfeld mitteilte, waren zum Tatzeitpunkt etwa 30 Menschen in der Synagoge. Die Opfer waren auf mehrere Räume verteilt, sagte der Sprecher des Rettungsdienstes Roter Davidstern, Saki Heller, gegenüber der Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Einer der Zeugen berichtete dem israelischen Fernsehsender „Kanal 2“: „Ich versuchte zu fliehen. Der Mann mit dem Messer näherte sich mir. Zwischen uns waren Tisch und Stuhl. Mein Gebetsschal verfing sich. Ich ließ ihn los und floh.“

Bei den Angreifern handelt es sich um den 22-jährigen Udai Abu Dschamal und den 27-jährigen Ghassan Abu Dschamal. Die beiden Cousins stammen aus dem Ostjerusalemer Stadtviertel Dschabal al-Mukabir. Sie sind laut „Yediot Aharonot“ verwandt mit einem palästinensischen Häftling, der im Zusammenhang mit einer Vereinbarung entlassen, vor zwei Wochen jedoch wieder verhaftet worden war. Berichte, dass beide in einem Supermarkt in der Nähe gearbeitet haben, wiesen alle Läden in Har Nof zurück.

Gemischte Reaktionen

Aus dem palästinensischen Lager kommen unterschiedliche Reaktionen. Der Präsident der Autonomiebehörde, Mahmud Abbas , verurteilte die Tat umgehend. Zugleich rief er Israel dazu auf, Provokationen auf dem Tempelberg zu unterlassen. Ein Sprecher seiner Fatah-Partei gab Israel allerdings die Schuld an dem Anschlag, da Juden die heiligen Stätten der Muslime auf dem Tempelberg entweiht hätten.

Die Terror-Organisation Hamas , die mit der Fatah eine Einheitsregierung bildet, begrüßte die Tat ebenso wie der Islamische Dschihad. Sie sei eine Antwort auf den Tot eines Busfahrers, der erhängt aufgefunden wurde. Eine Obduktion der Leiche des Busfahrers aus Ostjerusalem hat ergeben, dass es sich um einen Selbstmord handele und dass es keine Spur äußerer Gewalt gebe. Palästinenser jedoch behaupteten, dass der Busfahrer von Juden ermordet worden sei. Nach Angaben von „Yediot Aharonot“ feierten Palästinenser im Gazastreifen die Tat mit einem Feuerwerk.

Auch die radikale Organisation „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) bgrüßte den Anschlag. Dieser sei eine „Form des Widerstands, der verstärkt werden sollte“. Erste Berichte, nach denen sich die PFLP zu der Tat auch bekannt hat, konnten nicht bestätigt werden.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat infolge des Anschlags das Sicherheitskabinett einberufen. Er kündigte an, auf den Terrorangriff mit „harter Hand“ zu antworten. Ähnlich äußerten sich mehrere israelische Politiker, darunter Außenminister Avigdor Lieberman. Netanjahu warf der Weltgemeinschaft vor, Hetze von Palästinensern gegen Juden zu ignorieren. Der Premier hatte in der Vergangenheit unter anderem Abbas vorgeworfen, Hass gegen Juden zu schüren.

Steinmeier: Schreckliche Grenzüberschreitung

International haben Politiker die Tat verurteilt. In Israel wird verzeichnet, dass die Verurteilung des amerikanischen Außenministers John Kerry und der EU diesmal unmissverständlich sei. Bei vorangegangenen Anschlägen hätten die Verurteilungen eher „weich“ geklungen. Es habe Zweifel gegeben, ob die mehrfachen Versuche, Israelis mit Autos zu überfahren, wirklich Terroranschläge gewesen seien.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Tat in dem Gotteshaus eine „schreckliche Grenzüberschreitung“. „Die Überlagerung der zahlreichen ungelösten politischen Fragen mit religiöser Konfrontation gibt einem ohnehin ernsten Konflikt eine neue gefährliche Dimension“, sagte er laut Mitteilung seines Ministeriums. Steinmeier mahnte an, auf die Lage mit Besonnenheit zu reagieren. (Israelnetz)

Bild: Sicherheits- und Rettungskräfte vor der Kehilat Jaakov-Synagoge im Jerusalemer Stadtteil Har Nof kurz nach dem Terroranschlag am Morgen des 18. November 2014. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

 

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